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Handball:Strapazierte Panther

Eng zusammenrücken: Die Fürstenfeldbrucker Handballer haben am vergangenen Wochenende den Aufstiegsfavoriten VfL Gummersbach düpiert. Das gibt dem Tabellenletzten viel Zuversicht im Kampf um den Klassenverbleib.

(Foto: Günther Reger/Günther Reger)

Aufsteiger TuS Fürstenfeldbruck hat keine Profis und den kleinsten Etat in der zweiten Bundesliga. Den Beweis der sportlichen Wettbewerbsfähigkeit hat der Tabellenletzte längst erbracht.

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Die ultimative Demütigung für den Altmeister erfolgt schon in der 25. Minute: Falk Kolodziej passt den Ball zu Johannes Stumpf, der bereits abgesprungen ist und den Ball ins Tor wirft, noch ehe er wieder Boden unter den Füßen hat: Kempa-Trick! Ein Stilmittel, das der Schönheit des Handballsports ebenso huldigt wie es Kränkung für den Gegner ist. In diesem Fall hieß der Kontrahent VfL Gummersbach, ein Verein mit großem Namen und ambitionierter Anwärter auf die Rückkehr in die erste Bundesliga. Vorerst aber gestoppt von den Zweitliga-Novizen vom TuS Fürstenfeldbruck. Sie gewannen die Partie 32:25 und erlebten dabei jene Momente, für die es sich lohnt, sportliche Strapazen auf sich zu nehmen.

Dass sie das Niveau in der zweiten Handball-Bundesliga mitgehen können, haben sie im Saisonverlauf mehrfach bewiesen. Dazu passt auch die Einschätzung ihres Trainers Martin Wild: "Man sieht, dass wir nicht meilenweit hinterherhinken." Allein, es fehlen bislang ausreichend viele zählbare Resultate. Die Brucker Panther, wie sich die Handballer aus der Kreisstadt im Westen von München nennen, sind mit fünf Siegen Tabellenletzter in Liga zwei.

Lob allein reicht nicht: Der TuS hat sechs Spiele mit nur einem Tor Differenz verloren

Viel Lob hatten sie zwischenzeitlich eingeheimst von diversen Gegnern, doch Lob allein reicht nicht für den Klassenverbleib. Pech war dabei, mangelnde Routine sicher auch, oft wurden enge Entscheidungen zuungunsten des namenlosen Neulings gefällt. Sechs Mal ging ein Spiel mit nur einem Treffer Differenz verloren, beim Gastspiel in Hamm trieb es das Schicksal auf die Spitze: Das Tor, das die Brucker Niederlage besiegelte, fiel nach Ende der Spielzeit - per Siebenmeter. Zusätzliche Erschwernis brachte eine Reihe schwerer Verletzungen: Bei Linkshänder Alexander Leindl und Nachwuchsspieler Cedric Riesner riss ein Kreuzband, bei Tim Kaulitz brach ein Knochen im Handgelenk. Auf beiden Außenbahnen herrscht mittlerweile akuter Spielermangel, dabei ist gerade kaum mehr als die Hälfte der Saison absolviert.

Doch Löcher tun sich nicht nur auf dem Spielfeld auf, sondern auch in der Vereinskasse. Schwer zu stemmen ist die professionelle Liga für einen Verein wie den TuS Fürstenfeldbruck, der 2016 noch als Tabellenzweiter aus finanziellen Gründen auf Aufstiegsspiele verzichtet hatte, als Führender in der abgebrochenen Corona-Saison im Vorjahr den Aufstieg aber doch wagte. Die finanziellen Voraussetzungen haben sich ein wenig gebessert, mit einem Budget von 350 000 Euro gingen die Panther in ihre erste Zweitligasaison nach 28 Jahren. Klubs wie Gummersbach haben fünf Mal so viel Geld zur Verfügung. Für große Sprünge reicht das nicht, zudem fehlt ohne Zuschauer ein Großteil der kalkulierten Einnahmen.

Teures Versäumnis: Weil der TuS versäumt hat, die Handballer auszugliedern, gibt es kein Geld aus den Hilfstöpfen

Aus dem staatlichen Fördertopf, den die professionellen Nicht-Fußball-Sportarten erhalten sollten, gab es indes keinen Cent, weil Fürstenfeldbrucks Handballer bis dato nicht in einer eigenen Spielbetriebsgesellschaft organisiert waren, die einen Verlust hätte nachweisen können. Ein folgenschweres Versäumnis, zumal sie die Auslagerung der ersten Mannschaft in eine eigene Rechtsform schon seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten organisieren wollten. Was schief laufen kann, wenn die Ausgaben die Einnahmen übersteigen, hatte der TuS in seiner bislang einzigen Zweitligasaison 1992/93 erfahren müssen: Am Ende stand ein Minus in mittlerer fünfstelliger Höhe, das die Handballer jahrelang beim Hauptverein abzustottern hatten.

27-11-2020 / pmk / NC149179 Handball/Herren 2.Bundesliga Saison 2020/2021 TuS-N-Luebbecke - TuS Fuerstenfeldbruck Corona; Handball

"Mit den Mitteln, die wir jetzt haben, kann man nicht auf Dauer zweite Liga spielen", sagt Trainer Martin Wild.

(Foto: pmk/imago images)

Derzeit fehlen 30 000 bis 40 000 Euro in der Kasse, bestätigt Abteilungsleiter Michael Schneck und versucht jene zu beruhigen, die eine ähnliche Situation wie Anfang der Neunzigerjahre befürchten. Der Hauptverein werde nicht einspringen müssen, denn die Handballer hätten in Abteilung und Umfeld genug liquide Mittel, um eine Wiederholung der Ereignisse auszuschließen. Und die Zukunft ist bereits geplant, vor drei Wochen wurde die "Brucker Panther GmbH" als Spielbetriebsgesellschaft gegründet. Denn auch als Tabellenschlusslicht richten sie den Blick nach oben. "Wir wollen da weiter drin bleiben", betont Schneck. Sie wissen, dass sie professionellere Strukturen aufbauen müssen, es gibt Ideen für eine neue Veranstaltungshalle, die mehr als tausend Zuschauer aufnehmen kann und in der die Handballer zu einem Teil der Auslastung beitragen könnten. Auch die Unkosten werden steigen, will man sich im professionellen Bereich etablieren. "Für ein paar hundert Euro" mit einem derartigen Aufwand zu spielen, das mache man mal ein Jahr lang, sagt Trainer Martin Wild über seine Spieler. Aber er weiß auch: "Mit den Mitteln, die wir jetzt haben, kann man nicht auf Dauer zweite Liga spielen."

Am 1. März hat der TuS Fürstenfeldbruck fristgerecht seine Zahlen bei der Handball-Bundesliga (HBL) vorgelegt, um neuerlich die Lizenz für die zweite Liga zu beantragen. Als sportlich aussichtslos wird die Lage nicht begriffen. Weil die Mannschaften Corona-bedingt eine unterschiedliche Anzahl an Spielen absolviert haben, ist die Tabelle nicht ganz aussagekräftig, die Mitkonkurrenten um den Klassenverbleib sind aber noch nicht enteilt. Schneck rechnet damit, dass man erst 2022 wieder richtig mit Publikum wird planen können. Einstweilen finden auch die Zweitliga-Partien weiterhin als Geisterspiele statt. Ein Stück weit habe man sich sogar daran gewöhnt, sagt Martin Wild. Man sei jetzt zumindest "nicht mehr überrascht, wenn da keine Zuschauer sitzen".

© SZ/toe/jki
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