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Guðjón Valur Sigurðsson:Der Weltrekordwerfer

Top-Handballer Sigurdsson hört auf

Beendet seine Karriere: Guðjón Valur Sigurðsson, hier im Trikot der Rhein-Neckar Löwen.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Einer der besten und erfolgreichsten Handballer der Welt hört auf: Der Isländer Guðjón Valur Sigurðsson beendet seine in vielerlei Hinsicht besondere Karriere.

Von Carsten Scheele

Mit 39 Jahren, wenn andere Handballer längst ihre Karriere beendet haben und geschundene Körper schonen, wechselte Guðjón Valur Sigurðsson noch einmal nach Paris. Zu Saint-Germain, dem weltreichsten und vielleicht auch weltbesten Handballklub, und Sigurðsson war tatsächlich noch gut genug, um Paris zu helfen. Er flog von der Außenposition in den Kreis, lief seine Tempogegenstöße, die er viel seltener verwarf als andere Positionskollegen. Natürlich wurde er am Ende französischer Meister.

Sigurdsson, 40, war ein Europareisender des Handballs, aber nicht einer jener, die in unteren Ligen eine beachtliche Anzahl an Klubs sammeln. Sigurðsson spielte bei den Top-Klubs des Kontinents: Kopenhagen, Kiel, Barcelona, Rhein-Neckar-Löwen, schließlich Paris. Wurde in fünf Ländern Meister, dreimal davon in Deutschland, 2013 und 2014 mit dem THW Kiel, 2017 mit den Rhein-Neckar Löwen. Mit Barcelona holte er 2015 den Titel in der Champions League.

Und er war obendrein noch ein weltweit gefürchteter Nationalspieler, der es für sein Land auf der Linksaußenposition auf 364 Länderspiele und weltrekordwürdige 1875 Tore im Nationaldress brachte. Größter Erfolg: Olympia-Silber 2008 in Peking, mit dem kleinen Island. Dazu der dritte Platz bei der EM 2010. Immer mit der Rückennummer neun. "Eiskrieger" wurde Sigurðsson ehrfurchtsvoll genannt.

Doch nun ist Schluss, coronabedingt ein paar Wochen früher als geplant, aber Sigurðsson hat nach eigener Aussage "den Punkt in meiner Karriere erreicht, den alle Athleten letztendlich erreichen". Bis zum Schluss präsentierte sich Sigurðsson in beneidenswerter körperlicher Verfassung, auch dank vieler Einheiten im Kraftraum. Sein früherer Trainer Nikolaj Jacobsen sagte einmal: "Ich glaube, die fressen auf Island Steine." Der deutsche Nationalspieler Hendrik Pekeler adelte Sigurðsson ebenfalls: "Wenn man den Begriff Musterprofi verwenden will, ist er dafür prädestiniert."

"Handball hat mir eine Welt eröffnet, von der nur wenige das Privileg hatten, sie zu erfahren", sagte Sigurðsson in seiner Abschiedsnachricht. Er wird jetzt Trainer beim VfL Gummersbach. Und die Branche verneigt sich. Sein früherer Mitspieler Filip Jicha, der heutige Coach des THW Kiel, schrieb bei Instagram: "Maschine - danke für alles! Für alles, was du für den Handballsport gemacht hast."

© SZ.de/ska
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