Mindestens rechnerisch kämpfen die Rhein-Neckar Löwen noch um eine Teilnahme in der European League im kommenden Jahr. Je nach Konstellation könnte selbst der siebte Tabellenplatz der Handball-Bundesliga (HBL), den die Mannheimer aktuell belegen, für die Qualifikation reichen. Der 32:30-Sieg gegen den Tabellenvierten TBV Lemgo Lippe vor zwei Wochen, den der deutsche Nationaltorhüter David Späth mit zwei gehaltenen Siebenmetern und der Schwede Lukas Sandell mit 13 Toren möglich machten, hatte noch mal Schwung in den Kampf um Europa gebracht. Doch genau dieser Sieg soll ihnen nun wegen eines fehlenden Zettels aberkannt werden, was sie virtuell auf den achten Platz zurückwirft.
Im Mittelpunkt steht ein Mann, der am besagten 20. Februar gegen Lemgo Lippe gar nicht zum Einsatz kam: Der Rückraumspieler Adam Jozsa, ungarischer Juniorennationalspieler der Rhein-Neckar Löwen, der erst im vergangenen Dezember 18 wurde, stand aber auf dem Spielberichtsbogen. Er war also offiziell Teil des Mannheimer Kaders beim Sieg gegen die Ostwestfalen.
Das soll den Löwen jetzt zum Verhängnis werden. Denn für Jozsa, der bislang nur in der A-Jugend und der U23 spielte, lag vor Spielbeginn wohl keine unterschriebene Anti-Doping-Schiedsvereinbarung vor. Die Folge, die sich daraus ergibt, teilte die HBL am Montag in einem Bescheid an die Rhein-Neckar Löwen mit: „Gemäß Regelwerk ist eine Nicht-Erbringung mit Spielverlust zu ahnden. Entsprechend ist die Begegnung vom 20. Februar 2026, die mit 32:30 Toren für die Rhein-Neckar Löwen endete, durch die HBL-Spielleitung mit 0:2 Punkten und 0:0 Toren zuungunsten der Rhein-Neckar Löwen zu werten.“
Bis Donnerstag haben die Mannheimer jetzt Zeit, um gegen den im Kampf um die internationalen Plätze schmerzhaften Punkteverlust Einspruch einzulegen. Löwen-Geschäftsführer Holger Bachert kündigte auf der vereinseigenen Homepage umgehend „rechtliche Schritte“ an. Sobald der Einspruch der Rhein-Neckar Löwen eingeht, wird der Fall in der zweiten Instanz beim DHB-Bundessportgericht verhandelt.
In kurzer Zeit kommt es zum zweiten Mal zu so einem formellen Verstoß
Schon vor einer Woche teilte die HBL einen ähnlichen Fall aus der 2. Bundesliga mit. Hier habe der TV Hüttenberg einen Spieler eingesetzt, bei dem die unterschriebene Anti-Doping-Schiedsvereinbarung fehlte. Der Zweitligist hat noch bis Ende dieser Woche Zeit, um Einspruch einzulegen.
Dass es in kurzer Zeit mehrmals zu diesem formellen Verstoß kam, von dem man vorher nie gehört oder gelesen hatte, liegt an einer Neuregelung der Anti-Doping-Ordnung der HBL, die am 1. Januar in Kraft getreten ist. Darin heißt es, dass „die Zuständigkeit für das Ergebnismanagement-/Disziplinarverfahren mittels schriftlicher Vereinbarung auf die Nada (Nationale Anti-Doping Agentur, Anm. d. Red.) übertragen worden“ ist. Zuvor war die HBL selbst dafür zuständig.
Die Schiedsvereinbarung ist im Wesentlichen ein einseitiges Dokument, in dem die Spieler schriftlich bestätigen, dass alle Dopingfälle „unter Ausschluss des ordentlichen Rechtsweges“ vor dem Deutschen Sportschiedsgericht verhandelt werden. In der neuen Vereinbarung steht zudem, dass die Nada damit betraut wird, anstelle der HBL Disziplinarverfahren einzuleiten. In der Folge mussten neue Schiedsvereinbarungen von allen Spielern unterschrieben werden und bis zum 29. Dezember von den Vereinen gesammelt an die HBL geschickt werden. Das habe laut HBL „gut geklappt“.
Auf SZ-Anfrage teilte ein Sprecher der HBL mit, dass die Nada im Zuge dessen darauf bestanden habe, den Kreis der Spieler, die eine Schiedsvereinbarung unterschreiben müssen „um Jugendliche mit Erwachsenenspielrecht und um nicht vertraglich gebundene Spieler zu erweitern“. Da diese meist, wie im Fall von Adam Jozsa, sehr kurzfristig nachnominiert werden, habe die HBL die Möglichkeit eröffnet, „die Schiedsvereinbarung vor dem Spiel zu unterzeichnen und der HBL vorzulegen“. Dies ginge auch per Mail. Die Vereinbarung selbst lässt sich mit wenigen Klicks als PDF und vorunterschrieben von HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann auf der Webseite der HBL finden.
Nur zum Vergleich: Sanktionen gegen die ganze Mannschaft wie Punktverlust oder die Annullierung von Ergebnissen ist laut Regelwerk erst im Falle von positiven Dopingtests bei mindestens zwei Athleten möglich. Das fehlende Dokument eines Spielers, der nicht eine Sekunde gespielt hatte, soll jetzt zur gleichen Bestrafung führen.
Ob und warum die Rhein-Neckar Löwen es verpasst haben, rechtzeitig die E-Mail mit der von Adam Jozsa unterschriebenen Schiedsvereinbarung zu schicken, wird jetzt voraussichtlich vor dem DHB-Bundessportgericht verhandelt werden. Der endgültige Abzug der zwei Punkte und die Überschreibung selbiger an den TBV Lemgo Lippe erfolgt erst nach Beendigung des Prozesses. Davor möchten sich auch die Rhein-Neckar Löwen nicht weiter dazu äußern, teilte Geschäftsführer Bachert mit.


