Handball:Der Jüngste dreht auf

Handball: Noch einer, der sich mit Raffinesse durch die Abwehr wühlt: Juri Knorr gegen Brasilien.

Noch einer, der sich mit Raffinesse durch die Abwehr wühlt: Juri Knorr gegen Brasilien.

(Foto: Sergei Grits/AP)

Juri Knorr hilft den deutschen Handballern, Brasilien zu schlagen und das Viertelfinale gegen Ägypten zu erreichen. Sein Auftritt erzählt einiges davon, was die deutsche Mannschaft in Tokio auszeichnet.

Von Claudio Catuogno, Tokio

Kurz vor Beginn ihres letzten Gruppenspiels gegen Brasilien hatte sich für die deutschen Handballer die Ausgangslage geändert: Verlieren war jetzt verboten. Die Norweger hatten in der Gruppe A die schon fürs Viertelfinale qualifizierten Franzosen besiegt, damit war für Bundestrainer Alfred Gislason und seine Männer klar: "Es wäre nach Hause gegangen, wenn wir das Spiel verlieren." Das habe man "am Anfang gemerkt", sagte Gislason, da war die Nervosität zu greifen, "da waren wir nicht gut, weder im Angriff noch in der Abwehr". Bis weit in die erste Halbzeit hinein liefen die Deutschen einem Rückstand hinterher. Ehe ein ansatzloser Wurf von Juri Knorr die Wende markierte, 12:12. Zur Halbzeit stand es schon 16:12.

Und am Ende hatte die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes das Spiel 29:25 gewonnen, was Rang drei bedeutete - und ihr am Dienstag ein Viertelfinale gegen Ägypten beschert. Dänemark spielt gegen Norwegen, Spanien gegen Schweden, Frankreich gegen Bahrain. Ein weiteres Ziel haben die Deutschen damit erreicht: "Wir wollten nicht direkt Dänemark bekommen", den Weltmeister.

Beste Werfer mit jeweils sechs Treffern waren gegen die Brasilianer Steffen Weinhold, was nicht überraschte, und Juri Knorr, was schon überraschte. Der 21-jährige Knorr von den Rhein-Neckar Löwen ist der Jüngste im Team. Über Knorrs Leistung habe er sich "sehr gefreut" sagte Gislason, "als er rein kam, hat er ein sehr starkes Spiel gemacht".

Der Mann für die einfachen Tore aus der Distanz, der fehlt den Deutschen

Juri Knorrs Auftritt erzählte einiges davon, was die deutsche Mannschaft in Tokio auszeichnet: Es tragen viel mehr Spieler zum Erfolg bei als nur Gislasons Startformation. Gerade in diesem Spiel sei es "wichtig gewesen, dass ich wechseln konnte, dass Philipp Weber etwas Pause bekam, dass Weinhold Pause bekam, dass Kai Häfner gut reinkam ... Das hilft uns, dass wir mehr Kraft in den letzten Spielen haben". Allerdings ist halt auch Knorr wieder ein Spieler, der sich mit Raffinesse hindurchwühlt durch die gegnerischen Abwehrreihen. Der klassische Rückraumspieler mit dem kräftigen Arm, der Mann für die einfachen Tore aus der Distanz, der fehlt den Deutschen.

Zunächst einmal jedoch haben sie die Aufgabe Brasilien "sehr souverän gelöst", wie der erneut überragende Torhüter Johannes Bitter fand, der bis fast zum Schluss durchspielte. Ich hatte "nie das Gefühl, dass wir das Spiel verlieren, auch nicht in Phasen, wo wir mal zurücklagen und wo der Trainer ein bisschen unzufrieden war". Gegen Spanien und Frankreich mit nur einem Tor Unterschied verloren, gegen Norwegen und Brasilien deutlich gewonnen. "Wenn ich uns für die Vorrunde eine Schulnote vergeben müsste", sagte Bitter, "wäre es eine Zwei."

© SZ/bkl/tbr
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