Handball Kieler Coup

Alleskönner: Sander Sagosen (am Ball) setzt sich im WM-Halbfinale gegen Steffen Weinhold durch, seinen künftigen Klubkollegen in Kiel.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

So gut wie jeder europäische Topklub hat den Norweger Sander Sagosen umworben. Dem THW Kiel gelingt die Verpflichtung des 23-Jährigen.

Von Joachim Mölter, Kiel/München

Dem Handball-Bundesligisten THW Kiel ist ein Transfercoup gelungen: Wie der deutsche Rekordmeister am Freitag bestätigte, hat er den norwegischen Nationalspieler Sander Sagosen für drei Jahre unter Vertrag genommen - allerdings erst von der Saison 2020/21 an. Bis zum Sommer 2020 steht der 23-Jährige noch in Diensten des französischen Meisters Paris Saint-Germain. "Wir freuen uns riesig, und es macht uns stolz, dass Sander sich für den THW entschieden hat", sagte Kiels Sportlicher Leiter Viktor Szilagyi und fügte hinzu: "Diese Entscheidung ist eine Riesen-Motivation für alle in unserem Verein. Sander ist unser absoluter Wunschspieler."

Offenkundig war Sander Sagosen aber nicht nur ein Wunschspieler des THW. Die Kieler Nachrichten zitierten jedenfalls dessen Berater Arnar Freyr Theodorsson, demzufolge der Rückraumspieler von "so gut wie allen" großen Klubs Europas umworben worden war. Der Rechtshänder gilt als künftiger Welt-Handballer, eine Auszeichnung, die ihm durchaus auf Jahre hinaus zuteil werden könnte.

Der 1,95 Meter große Mann aus Trondheim führte die Auswahl seines Landes bereits zweimal ins WM-Finale, 2017 und 2019; dort unterlagen die Norweger jeweils nur den Turniergastgebern Frankreich (26:33) bzw. Dänemark (22:31). Sagosen selbst wurde bei beiden Veranstaltungen ins All-Star-Team gewählt - jeweils als bester Spieler im linken Rückraum. Dass er bei den Europameisterschaften 2016 und 2018 als bester Regisseur in der Rückraum-Mitte geehrt wurde, verdeutlicht nur seine Vielseitigkeit: Sagosen besitzt Spielverständnis sowie Übersicht, um seine Mitspieler einzusetzen, und ist obendrein auch selbst torgefährlich. Die deutsche Mannschaft hat das Ende Januar zu spüren bekommen, im 25:31 verlorenen WM-Halbfinale von Hamburg: Da erzielte Sagosen sechs Tore selbst und setzte zudem immer wieder seinen Kreisläufer Bjarte Myrhol (ebenfalls sechs Treffer) und seinen rechten Nebenmann im Rückraum, Magnus Röd (sieben), in Szene.

Warum es den Norweger aus Paris wegzieht, von dem üppig mit Geld aus Katar unterstützten Klub, ist leicht zu erklären: Obwohl er auf zwei Rückraum-Positionen spielen kann, muss er sich dort mit zwei jeweils dreimaligen Welt-Handballern um Einsatzzeit streiten, die das ebenfalls können: mit dem Franzosen Nikola Karabatic (2007, 2014 und 2016) und dem Dänen Mikkel Hansen (2011, 2015 und 2018).

"Ich habe mich bewusst für diese neue Herausforderung entschieden und bin sicher, dass ich in Kiel einen neuen Abschnitt meiner Karriere einläuten werde", ließ sich Sagosen zu seinem Engagement beim THW zitieren. Kiels Sportchef Szilagyi weiß: "Er hat große Ziele. Und die will er mit uns in der stärksten Liga der Welt erreichen."