Am Montag ist Justus Fischer, 23, wieder zur deutschen Handball-Nationalmannschaft gereist, diesmal nach Dortmund, und es hätte ein informativer Ausflug für den Kreisläufer werden können. Seit ein paar Tagen ist gewiss, dass der Spieler der TSV Hannover-Burgdorf seine Karriere im Sommer 2027 beim Rekordmeister THW Kiel fortsetzen wird. Da hätte Fischer an die baldigen Kollegen sicher die eine oder andere Frage gehabt. Wo es sich gut wohnen und ausgehen lässt in der Stadt, solche Dinge eben.
Doch Fischer wird niemanden treffen vom THW Kiel. Torwart Andreas Wolff pausiert, Rune Dahmke wurde nicht nominiert, Lukas Zerbe hat abgesagt. Nur Julian Köster wird da sein, der im Sommer 2026 an die Kieler Förde wechselt.
Mit den schwer begehrten Nationalspielern plant der THW Kiel seine mittelfristige Zukunft. Den vom Derby-Heimsieg am Wochenende gegen die SG Flensburg-Handewitt (37:33) noch euphorisierten Fans gibt diese Aussicht berechtigterweise ein gutes Gefühl. Fischer und Köster hätten vermutlich in der gesamten Bundesliga und in halb Europa einen neuen Vertrag unterschreiben können, doch sie gehen nach Kiel. Zu jenem Klub, der seinen Status als Branchenprimus zuletzt eingebüßt hat und wieder angreifen will.
In Kiel soll Fischer dann Abwehrchef Pekeler ersetzen
Fischer hat berichtet, wie sehr sich THW-Trainer Filip Jicha und Geschäftsführer Viktor Szilagyi um ihn bemüht haben, nicht erst seit ein paar Monaten, sondern seit Jahren. „Das Kieler Konzept ist stark“, sagte Fischer, „und ich sehe direkt meinen Platz darin.“ Dieser wird mit Sicherheit ein prominenter sein, denn wenn Fischer kommt, läuft der Vertrag des langjährigen Abwehrchefs Hendrik Pekeler aus. Fischer dürfte gleich gefordert sein. Bei ihm stimme „das Gesamtpaket“, lobte Szilagyi seinen prominenten Zugang.
In der Tat, Fischer ist eines der größten Abwehrtalente der Handballwelt, zudem schon in jungen Jahren ein sehr versierter Kreisläufer, der obendrein durch etliche Spitz-auf-Knopf-Duelle mit dem Nationalteam nervlich gestählt ist. Viertens, das ist nicht zu vergessen, ist Fischer ein emotionaler Typ, der mutig spielt und eine ganze Halle mitreißen kann. Typ Publikumsliebling, das hat er bei seinem aktuellen Klub oft bewiesen.
In Hannover sind sie natürlich enttäuscht, dass das Eigengewächs – Fischer kam in der C-Jugend nach Burgdorf – den Verein verlassen wird. Wenngleich niemand ernsthaft damit gerechnet hat, dass „Fischi“, so sein Spitzname, nicht eines Tages zu einem größeren Klub wechseln wird. Jugendspieler entwickeln, ein paar Jahre behalten und dann weiterziehen lassen, das gehört zum Konzept des Klubs. Immerhin bleibt Fischer noch ein Jahr, und für Sportchef Sven-Sören Christophersen gibt es auch keine Anzeichen, dass die Kieler sich bemühen, Fischer vorzeitig aus seinem Vertrag herauszukaufen.
Fischers Fahrplan für die kommenden Monate steht damit: Eine letzte Saison mit Hannover, zwischendurch die Heim-WM im Januar, dann der Umzug nach Kiel. Es gibt schlechtere Aussichten für einen jungen Handballer.

