Handball-WM:Jedes Gegentor eine Beleidigung

Chile v Germany - 25th IHF Men's World Championship 2017

Rivalen auf dem Feld: die beiden deutschen Torhüter Silvo Heinevetter und Andreas Wolff (rechts).

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Von Joachim Mölter, Rouen

Die Torwart-Frage, sie wird im WM-Quartier der deutschen Handballer jeden Tag gestellt, und jeden Tag wird sie nicht zufriedenstellend beantwortet. Als der Bundestrainer Dagur Sigurðsson an diesem Montag gefragt wurde, wer denn im dritten Vorrundenspiel gegen Saudi-Arabien am Dienstag ab 17.45 Uhr das deutsche Tor hüten werde, da beschied er: "Ich weiß es. Aber die Torhüter wissen es noch nicht. Vielleicht wissen sie es morgen früh." Vielleicht erfahren sie es auch früher oder später, das weiß nur Sigurðsson. Aber der verrät ja nichts.

Dem Torhüter Silvio Heinevetter von den Füchsen aus Berlin hatte der Isländer in Diensten des Deutschen Handballbundes (DHB) jedenfalls schon einen Tag vor dem WM-Start der deutschen Handballer am Freitag gegen Ungarn (27:23) zugeraunt, dass er zwischen den Pfosten stehen soll. Dessen Kollege Andreas Wolff vom THW Kiel hingegen hat am Sonntag erst fünf Minuten vor dem Anpfiff des Spiels gegen Chile (35:14) den Wink erhalten, dass er an der Reihe ist. Gehalten haben dann beide hervorragend, was die künftige Auswahl für den Bundestrainer nicht komplizierter macht, wie dieser versichert: "Schwierig ist es, wenn beide Torhüter schlecht sind."

Sigurðsson hält nichts davon, sich frühzeitig auf einen Mann für eine Position festzulegen: "Es ist nicht wie im Fußball, dass einer die klare Nummer eins im Tor sein muss", erklärt er. Das gilt in seinen Augen zwar für alle Positionen, aber anhand der Torhüter wird am anschaulichsten, woher die neue Stärke der deutschen Handballer rührt, die Sigurðsson in den zweieinhalb Jahren seiner Amtszeit rausgekitzelt hat: aus einer Unberechenbarkeit, die nach außen ebenso wirkt wie nach innen.

Der Linksaußen Rune Dahmke vom THW Kiel, der gegen Ungarn gar nicht gespielt und dafür gegen Chile mit sieben Toren fast die meisten Treffer beigesteuert hat, formuliert es so: "Bei uns kann jeder reinkommen und zum Matchwinner werden. Bei anderen Teams weiß man meistens, wer das sein wird, aber wir wissen vorher selber nicht, wer als nächstes drankommt. Das kann in jedem Spiel ein anderer sein. Das zeichnet uns aus, dass wir nicht auszurechnen sind."

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