bedeckt München

Handball in Katar:55 Grad, null Emotionen

IHF Super Globe 2014

Lasse Svan von der SG Flensburg-Handewitt wirkt verbissen - wenigstens die Spieler nehmen die Klub-WM ernst.

(Foto: dpa)

Champions-League-Sieger Flensburg-Handewitt muss bei der Klub-WM in Doha erleben, wie wenig die Menschen sich dort für Handball interessieren. In vier Monaten soll hier die WM der Nationalteams stattfinden - an volle Hallen ist kaum zu denken.

Von Saskia Aleythe

Der Weg nach Hause war selten imposanter. Palmen am Wegesrand, akkurat gestutzter Rasen und dann diese Außenansicht der Halle: Was tagsüber in der Sonne Katars eierfarben schimmert, verwandelt sich in der Nacht zum Sternenhimmel, aus Löchern der ovalen Fassade strahlt Licht in die Dunkelheit. Für die Handballer der SG Flensburg-Handewitt ist das kaum zu vergleichen mit ihrer Heimstätte in der Bundesliga: Da flackern auf dem Heimweg nur die Parkplatz-Laternen.

"Ein ganz besonderes Erlebnis" nennen die Spieler des Bundesligisten das, was sie gerade in Doha erfahren. Inmitten futuristischer Bauwerke spielten sie bis Donnerstagabend um den Titel des Vereins-Weltmeisters. Der bringt zwar nicht die höchste sportliche Anerkennung, doch wie immer, wenn es um eine Sportveranstaltung in Katar geht: jede Menge Geld. Hätten sie schließlich nicht das Finale verpasst, wären sie jetzt um 400.000 Dollar Siegergeld reicher. Das ist weit mehr als der Gewinn der Handball Champions League einbringt.

Im Januar findet hier die Handball-WM statt, der Eierschalen-Sternenhimmel-Komplex ist die erste fertige Halle, 5500 Zuschauer sollen darin Platz finden. Und es geht noch größer, auch eine Arena mit 15 000 Plätzen ist in Planung. Nur: Handball interessiert in Katar kaum jemanden.

"Aus der Bundesliga sind wir bei Heimspielen 6000 Zuschauer gewohnt", sagt Rückraumspieler Tobias Karlsson, "das ist hier schon etwas anderes im Moment". Nicht mehr als 1500 Menschen kommen gerade zum Zuschauen. "Es macht mehr Spaß, in vollen Hallen zu spielen", sagt Kollege Lasse Svan, "ich hoffe, sie locken noch mehr Fans an."

Natürlich ist auch das ein Problem, das Katar mit Hilfe von Geld lösen will. "Katar wird mindestens 5000 Personen einladen, vielleicht sogar 10 000", kündigte Hassan Moustafa, umstrittener Präsident der Internationalen Handball-Föderation (IHF) im Frühjahr an. Es sollen Pakete für die Reise ins Wüstenland geschnürt werden, die sich an Interessierte aus aller Welt richten. Aus dem wichtigsten Wettbewerb der Sportart wird für die Besucher damit ein Urlaub mit ein bisschen Handball als Nebenbeschäftigung.

"In Katar ist Handball ein Sport der reichen Männer", sagt Alexandros Vasilakis von der HBW Balingen-Weilstätten, der zuletzt selbst ein halbes Jahr bei El Quiyada spielte. Der Grieche gehörte einst zu den erfolgreichsten Torschützen der Bundesliga und entschied sich zu Jahresbeginn für den Wechsel nach Katar.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema