Handball:Im schlimmsten Fall eine Farce

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Die deutsche Nationalmannschaft empfängt beim ersten Spiel unter dem seit neun Monaten amtierenden Bundestrainer Alfred Gislason Bosnien-Herzegowinas Rumpfteam.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Am Mittwochabend sollten die Handballer Bosnien-Herzegowinas gegen ihren Willen in Düsseldorf landen. Nach der Ankunft sollte ihnen ein Corona-Test angeboten werden, der noch in der Nacht in Berlin ausgewertet würde. Die Ergebnisse dieses Tests erwartete man für diesen Donnerstagmittag. Nachmittags um 16.15 Uhr (live im ZDF) soll dann das EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland angepfiffen werden. Viel Aufwand für 60 Minuten Handball, und eine relevante Frage ist in diesen Zeiten: Was für einen Handball darf man erwarten von einem Länderspiel unter solchen Bedingungen?

Das erste Länderspiel der deutschen Mannschaft unter dem seit neun Monaten amtierenden Bundestrainer Alfred Gislason droht im schlimmsten Fall eine Farce zu werden, weil der Gegner in erheblicher Corona-Dezimierung antritt und sich beim europäischen Verband EHF bis zuletzt gegen die Austragung dieses Spiels gesträubt hat. Beim Deutschen Handball-Bund freuen sie sich trotzdem auf die Partie, weil die Entscheidung darüber nicht bei ihnen lag, sondern bei der EHF, und weil sie wissen, dass das Spiel im Falle einer Absage ja auch irgendwann hätte nachgeholt werden müssen. "Die Nachricht am Dienstagabend, dass das Spiel stattfindet, war für uns wie eine Befreiung", sagt der Sportvorstand Axel Kromer und erinnert noch einmal daran, dass ja schon das vermeintlich erste Länderspiel mit Gislason im vergangenen März gegen die Niederlande bereits kurzfristig abgesagt worden war. "Es tut uns schon auch leid, dass die Bosnier bei Weitem nicht ihr bestes Team aufbieten können", räumt Kromer ein, "aber es geht eben auch nicht nur um ein Testspiel, sondern es geht hier um Punkte für die EM-Qualifikation, und vor diesem Hintergrund ist für uns gar nicht die Frage, ob es ein sportlich wertvolles Spiel wird - wir wollen einfach nur die Punkte."

Man darf gespannt sein, wie groß die Gegenwehr der Gäste ausfallen wird oder ob sie womöglich allen demonstrativ zeigen wollen, wie ungern sie angereist sind. Kromer rechnet nicht damit, dass die durch Corona-Infektionen qualitativ erheblich belasteten Bosnier die Partie herschenken werden. "Der Bundestrainer warnt", sagt er, "und auch ich werde den Teufel tun, den sportlichen Wert dieses Spiels abzutun." Manchmal seien Spiele, in denen man den Gegner kaum einschätzen könne, ja umso schwieriger.

Im Gegensatz zu den Bosniern kann die deutsche Mannschaft nahezu aus dem Vollen schöpfen. Philipp Weber, Christian Dissinger und Andreas Wolf fehlen wegen Corona-bedingter Vorsichtsmaßnahmen, Steffen Weinhold kann wegen einer Gehirnerschütterung nicht mitspielen. Schon am Sonntag werden die deutschen Handballer selbst in der Rolle der Reisenden sein, dann findet ihr zweites EM-Qualifikationsspiel gegen Estland in Tallinn statt (15.15 Uhr, ZDF). Die Reisestrategie umschreibt der Torwart Johannes Bitter so: "Rein nach Estland, spielen - und gleich wieder raus." Und der Zweck beider Spiele ist für Bitter ohnehin klar: "Wir wollen gewinnen."

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