Handball:Party in Flensburg und Magdeburg

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Flensburg gewinnt den Titel in der European Lague, die Party kann beginnen. (Foto: dpa)

Zwei Titelentscheidungen binnen weniger Stunden: Erst macht der SC Magdeburg die Meisterschaft klar, dann gewinnt Flensburg das deutsche Finale in der European League. Und Berlin? Schiebt zweimal Frust.

Von Carsten Scheele

Es geht gerade Schlag auf Schlag im Handball, fast jedes Wochenende eine Titelentscheidung – und am Sonntag sogar zwei binnen weniger als zwei Stunden. Und zweimal, so tragisch kann es laufen, zum Leidwesen der Füchse Berlin. Zum einen verlor der Klub aus der Hauptstadt das rein deutsche Finale der European League in Hamburg gegen die SG Flensburg-Handewitt. 36:31 (15:14) stand es nach rasanten 60 Minuten, die Berliner hatten die Titelverteidigung im zweitwichtigsten Europapokalwettbewerb also verpasst.

Und damit nicht genug, zwei Stunden zuvor war auch die letzte realistische Chance auf die deutsche Meisterschaft flöten gegangen. Durch den Sieg des SC Magdeburg im Nachholspiel gegen Leipzig hat der SCM zwei Spieltage vor Schluss vier Punkte Vorsprung auf Berlin – und das um 84 Treffer bessere Torverhältnis. Nur wirklich sehr theoretisch ist Magdeburg noch einzuholen. „Wir sind alle sehr enttäuscht. Wir haben uns das Wochenende anders vorgestellt“, sagte Füchse-Nationalspieler Fabian Wiede. „Am Ende war der Tank leer“, sagte auch Mathias Gidsel. Zweimal bleibt den Berlinern am Ende einer sehr guten Spielzeit bloß Silber.

Die Flensburger feiern erst in der Halle, dann im Bus und in der eigenen Arena

Dass die Meisterschaft nach Magdeburg gehen würde, damit war zu rechnen gewesen. Im Europapokalfinale gegen Flensburg hatten sich die Berliner aber einiges ausgerechnet – und auch lange gut mitgehalten, ehe Flensburg dank ihres doppelten Möller davonzog. Der Halblinke Lasse Möller erzielte seine sechs Treffer in wichtigen Momenten, hinten bekam Torwart Kevin Möller immer wieder entscheidend seine Gliedmaßen an den Ball, 13 Paraden waren es zum Schluss. Die Flensburger verwandelten die Hamburger Arena anschließend in eine Partymeile, unter Mitwirken von Daniel Günther, dem sehr handballaffinen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, ehe die Feierei im Bus und kurz vor Mitternacht bei der Ankunft in Flensburg vor immer noch rund 800 wartenden Fans weiterging.

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„Fünf Jahre hat der Verein auf diesen Titel gewartet“, sagte Torwart Möller. Die Meisterschale von 2019 war bis dato die letzte Trophäe, die sich der Klub aus dem ganz hohen Norden in die Vereinsvitrine stellen durfte. „Weitere werden folgen“, versprach Trainer Nicolej Krickau, für den es der erste große Erfolg mit seinem neuen Klub war.

Platz drei ging übrigens an die Rhein-Neckar Löwen, die sich 32:31 (18:15) gegen den rumänischen Meister Dinamo Bukarest durchsetzten. Die European League bleibt damit eine deutsche Domäne: In den vergangenen zehn Jahren hat nur einmal eine Mannschaft den Cup geholt, die nicht aus der Bundesliga stammt, nämlich Benfica Lissabon 2022. Für Flensburg ist es der zweite Titel in diesem Pokal nach 1997, Finalgegner Füchse Berlin hat schon dreimal zugeschlagen (2015, 2018, 2023).

16 Tore: Omar Ingi Magnusson wirft Magdeburg fast allein zur Meisterschaft

Ausgelassen ging es auch in Magdeburg zu, wo die Spieler des aktuellen Meisters die letzte Hürde zur Titelverteidigung nahmen. Mit den Leipzigern hatte der SCM häufiger Probleme gehabt, diesmal setzte sich Magdeburg im Nachholspiel 30:28 (17:13) durch. Überragender Mann war der Isländer Omar Ingi Magnusson, der sagenhafte 16 Tore erzielte, mehr als die Hälfte seiner ganzen Mannschaft also, davon sieben Siebenmeter.

Als wäre die Meisterschaft schon hochoffiziell besiegelt, feierten die Spieler ausgelassen auf der Platte. Trainer Bennet Wiegert bekam pünktlich zum Interview beim übertragenden Sender MDR eine Bierdusche verpasst – ein untrügliches Zeichen, dass niemand in Magdeburg damit rechnet, dass an den beiden verbleibenden Spieltagen irgendwas schiefgeht. „Da fällt so viel Anspannung von einem ab“, sagte Wiegert hinterher, „jetzt ist die Erleichterung da.“ Drei Titel hat Magdeburg damit schon geholt in dieser Saison, nach der Klub-WM, genannt Super Globe, und dem DHB-Pokal nun auch die Meisterschaft – und das alles trotz der Wirren um die drohende Dopingsperre für Torhüter Nikola Portner, die den Verein zwischenzeitlich in Aufruhr versetzt hatte.

Ein Titel soll noch folgen, am übernächsten Wochenende beim Fintalturnier um die Champions League in Köln. Dann trifft Magdeburg zunächst im Halbfinale auf den dänischen Vorzeigeklub Aalborg HB um die beiden früheren Welthandballer Mikkel Hansen und Niklas Landin, im zweiten Halbfinale kommt es zum Duell zwischen dem THW Kiel und dem FC Barcelona. So könnte es tatsächlich zum nächsten rein deutschen Finale im Europapokal kommen. Schlag auf Schlag.

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