Handball:"Fast schon krank"

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Einige der weltbesten Spieler haben sich zusammengetan, um gegen Überlastung und Terminhatz zu protestieren. In einem Video weisen sie auf die Folgen hin. Zuletzt bei der WM mussten einige Teams innerhalb von 18 Tagen bis zu zehn Partien bestreiten.

Von Carsten Scheele

Das Video ist eine Minute und 43 Sekunden lang, und es ist ein Hilferuf. Einige der prominentesten Handballspieler der Welt treten darin auf: der deutsche Teamkapitän Uwe Gensheimer, die rumänische Welthandballerin Cristina Neagu, der Franzose Nikola Karabatić, der dänische Welthandballer Mikkel Hansen. Ihre Botschaft: Wir, die besten Handballer, müssen zu viel spielen. Das Pensum ist zu hoch, es geht bald nicht mehr. "Hört auf die Spieler!", wiederholen sie und warnen: "Spielt nicht mit uns!"

Die Terminhatz im deutschen und im internationalen Handball ist schon lange ein Thema. Zuletzt bei der WM in Deutschland, als die Akteure der Teams, die es ins Halbfinale schafften, bis zu zehn Partien binnen 18 Tagen absolvieren mussten und etliche Spieler Verletzungen zu beklagen hatten. Für alle, die gesund geblieben sind, gab es nach der WM ein paar Tage Pause. Dann ging es weiter: in der Bundesliga, in der Champions League. Vor allem Nationalspieler, die mit ihren Klubs in der Bundesliga und in der Champions League aktiv sind, erreichen so schnell die Anzahl von 70 bis 80 Partien pro Saison - ein Pensum, das im Fußball niemals möglich wäre. "Fast schon krank", sagte der deutsche Nationalspieler Patrick Groetzki nach der WM. Und trotzdem beugte er sich dem Spielplan und machte weiter.

Nun melden sich einige der prominentesten Spieler zu Wort, mit einem Video, das unter dem Hashtag #DontPlayThePlayers große Verbreitung im Internet findet. Es ist eine koordinierte Aktion der Europäischen Handballspielerunion (EHPU), weil die Spieler gemerkt haben, dass einzelne Proteste, die es in der Vergangenheit durchaus gab, nicht zum Erfolg geführt haben. "Entscheidungen werden getroffen, ohne die Arbeitsbelastung der Spieler und ihre Auswirkungen auf ihre körperliche und geistige Integrität zu berücksichtigen", sagt der Kroate Luka Stepančić, einer der besten Rückraumspieler der Welt. Karabatić ergänzt: "Die Folgen sind zahlreich und unverantwortlich für die Gesundheit der Spieler, und sie sind am Ende schlecht für unseren Sport." EHPU-Vizepräsident Marcus Rominger, früher Bundesliga-Torwart, sagte der dpa: "Wir sind im zehnten Jahr mit dem Thema unterwegs. Die Erfolge sind überschaubar." Die Hoffnung ist, dass dieses Video etwas mehr bewirkt.

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