bedeckt München 13°

Handball:Falsch gepokert

Zwei sehr ärgerliche Gegentreffer in den letzten 30 Sekunden des Spiels: Der THW Kiel verliert 28:29 gegen den Titelverteidiger HC Vardar Skopje und muss nun um die Teilnahme am Finale der Champions League bangen.

Alfred Gislason stand die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben: Der isländische Meistertrainer des THW Kiel hatte in der dramatischen Schlussphase alles auf eine Karte gesetzt und verloren. Durch die Niederlage in letzter Minute gegen Titelverteidiger HC Vardar Skopje ist die Teilnahme am Final-Four-Turnier der Champions League in Köln für den deutschen Rekordmeister in weite Ferne gerückt. "Wir sind jetzt in Skopje der absolute Außenseiter", musste Gislason nach dem 28:29 im Viertelfinal-Hinspiel eingestehen.

Zwei Gegentreffer in den letzten 30 Sekunden, den letzten quer über das Spielfeld ins verwaiste Kieler Tor, brachten den Champions-League-Sieger von 2007, 2010 und 2012 um eine passable Ausgangssituation für das Rückspiel am kommenden Sonntag in Mazedonien. Die Bundesliga, die sich gern als beste Liga der Welt begreift, könnte am Finalwochenende wie schon in der vergangenen Saison womöglich auf die Zuschauerrolle reduziert werden. "Da muss schon alles klappen", sagte Gislason. Skopje sei eine Mannschaft, die in dieser Saison zu Hause noch nicht verloren hat: "Wir müssen hohes Risiko gehen und hoffen, dass wir unparteiische Schiedsrichter bekommen. Dann ist es nicht unmöglich." Die Arena Boris Trajkovski, auch bekannt als "Hölle von Skopje", ist berüchtigt für ihre hitzige Atmosphäre.

Den möglichen Hinspielerfolg vergaben die Kieler leichtfertig. Vor knapp 10 000 Zuschauern in der heimischen Arena führten sie zehn Minuten vor Ende noch mit drei Treffern, lagen in der 58. Minute sogar 28:26 vorn. Doch dann verloren sie die Nerven. Nach dem Scheitern in Meisterschaft und Pokal könnte das Ensemble des THW in dieser Saison erneut leer ausgehen. "Die Ausgangslage für das Rückspiel ist mit der Niederlage jetzt natürlich schwieriger", sagte Nationalspieler Patrick Wiencek den Kieler Nachrichten: "Aber auch wenn wir mit einem Tor gewonnen hätten, wäre es in Skopje extrem schwer geworden."

So droht der Bundesliga, jahrelang Stammgast mit mindestens einem Team beim Finale, schon wieder die Situation, dass die sie Bühne anderen überlassen muss. Flensburgs Hoffnungen hatten zuvor bereits durch das enttäuschende 28:28 im Heimspiel gegen Montpellier einen Dämpfer erhalten. Deutlich bessere Chancen auf eine Halbfinalteilnahme haben ausgerechnet der frühere Kieler Dominik Klein mit HBC Nantes und Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer mit Paris St. Germain. Mit sechs Treffern führte Klein, Weltmeister von 2007, sein Team zu einem 33:27 gegen Skjern Handbold. Gensheimer traf beim 34:28-Erfolg bei KS Vive Kielce viermal. Damit könnten am Ende Klein, der im Sommer seine Karriere beendet, und Gensheimer in Köln die deutsche Fahne hochhalten.

© SZ vom 24.04.2018 / SID

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite