Deutsche Klubs im Handball-EuropapokalSchön für den Briefkopf

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Da ist das Ding: Mads Mensah Larsen vom Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt stemmt den European-League-Pokal in die Höhe.
Da ist das Ding: Mads Mensah Larsen vom Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt stemmt den European-League-Pokal in die Höhe. (Foto: Marcel von Fehrn/Eibner/Imago)
  • Flensburg-Handewitt gewinnt zum zweiten Mal in Folge die EHF European League und rettet damit eine enttäuschende Saison.
  • Kiel belegt den dritten Platz, beide Nordrivalen verpassen jedoch in der heimischen Liga die Champions League-Qualifikation.
  • Die European League wird von deutschen Teams dominiert, was die Attraktivität des Wettbewerbs mindert und finanzielle Herausforderungen für die Teilnehmer mit sich bringt.
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Die SG Flensburg-Handewitt gewinnt die European League und rettet eine ansonsten enttäuschende Saison. Trotzdem hält sich die Attraktivität dieses Wettbewerbs für die zahlreichen deutschen Klubs in Grenzen.

Von Ralf Tögel

Johannes Golla gab zu, dass er nicht mehr so genau wisse, wie das war vor einem Jahr, als die SG Flensburg-Handewitt erstmals die EHF European League gewonnen hatte, den zweithöchsten Wettbewerb im europäischen Vereinshandball. An die Spiele könne er sich nicht mehr erinnern, an die Feierlichkeiten mit den Teamkollegen und Fans dafür umso besser.

Vielleicht gab der Flensburger Kapitän so ungewollt Einblick in die Wertigkeit der soeben erfolgten Titelverteidigung in diesem Wettbewerb. Sie war Golla und seinen Flensburgern mit einem 32:25 gegen Montpellier gelungen. In der European League sind die Teilnehmer nicht so prominent wie jene in der Champions League, wo in Barcelona, Aalborg, Paris Saint-Germain oder Kielce die kontinentale Elite mitmischt. Abseits der Königsklasse heißen die Teams Schaffhausen, Silkeborg, Kriens oder Hafnarfjördur – Klubs, die froh sind, wenn sie es mit einem deutschen Teilnehmer zu tun bekommen. Die nämlich haben klingende Namen, bringen Zuschauer, wie eben Flensburg, der dreimalige deutsche Meister und Champions-League-Sieger.

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Angesichts der Dominanz der Bundesligaklubs schrumpft die European League Jahr für Jahr zu einer letztlich deutschen Angelegenheit – auch am Wochenende waren drei der vier Teilnehmer am Final-Four-Turnier in Hamburg Bundesligisten. Schön für die 12 000 Zuschauer, die kurze Wege haben, weniger schön für die europäische Konkurrenz, die nicht mithalten kann. In den vergangenen 20 Jahren kam der Titelträger nur ganze zweimal nicht aus Deutschland. Umso überraschender stand am vergangenen Sonntag der französische Pokalsieger Montpellier im Finale gegen Flensburg. Die Franzosen hatten den THW Kiel mit einem Treffer in der letzten Sekunde übertölpelt und 32:31 geschlagen, noch enger ging es im zweiten Halbfinale zu, in dem der spätere Titelträger Flensburg die Verlängerung benötigte, um den Ligakonkurrenten MT Melsungen 35:34 zu bezwingen – beide Partien boten nervenaufreibenden Handball auf Topniveau.

Melsungen wird Vierter und reist mit zwei zusätzlichen Spielen in den Knochen zur Meisterschaftsvorentscheidung nach Berlin

Das Finale indes war eine klare Angelegenheit, die Flensburger ließen sich nicht wie am Vortag der große Rivale Kiel vom Tempohandball der Franzosen überraschen. Die klar besser besetzten Norddeutschen, bei denen die dänischen Weltmeister und Olympiasieger Kevin Möller im Tor und Lukas Jörgensen am Kreis (mit zehn Treffern) überragten, waren schon zur Halbzeit mit 19:13 vorentscheidend enteilt.

Das kleine Finale gewannen die Kieler 37:31, was Klub und Fans immerhin „mit einem guten Gefühl“ heimreisen ließ, wie Geschäftsführer Viktor Szilagyi befand. Das Spiel war für beide Konkurrenten reichlich überflüssig, was natürlich keiner der Protagonisten so formulieren wollte. Vielmehr wurde die Pflicht betont, allein den Fans einen ordentlichen Abschied zu bieten – was diese auch lautstark goutierten. Die Prämisse war für die geschundenen Profis, keine weitere Verletzung zu riskieren. Vor allem die Nationalspieler in Reihen der Topteams haben ein brutales Programm zu absolvieren. Beleg sind die vielen Ausfälle in den Spitzenteams, Melsungens National-Rechtsaußen Timo Kastening sprach von einem „Abnutzungskampf“. Und viel Geld lässt sich in diesem Wettbewerb nicht verdienen, die TSV Hannover-Burgdorf etwa hatte in der Vorsaison von einem Draufzahlgeschäft gesprochen.

Besonders für Melsungen könnte sich die European League als unliebsame Hypothek erweisen: Zum einen verpassten die Nordhessen die nächste Chance auf den ersten Titel in der Vereinshistorie. Zum anderen steht bereits am kommenden Donnerstag für Melsungen das wohl entscheidende Spiel im Kampf um die deutsche Meisterschaft bei den Füchsen in Berlin an.  Melsungen ist punktgleich (50:10) hinter den Füchsen Zweiter, bei vier ausstehenden Spielen ist eine Vorentscheidung zu erwarten. Auch im Hinblick auf die Champions-League-Qualifikation, denn Meister Magdeburg ist nur einen Punkt schlechter als die MT notiert, und nur die beiden Ersten erhalten das Ticket für die lukrative Königsklasse.

Das ist auch der Anspruch von Kiel und Flensburg. Beide Nordrivalen wurden vor der Saison als Titelanwärter gehandelt, sind aber bereits aus dem Rennen: Kiel ist Vierter (44:16 Punkte), Flensburg Sechster (42:18). Dauerhaft keine befriedigende Vorstellung, wie Szilagyi zugibt: Nach fünf Jahren Champions League in Serie sei diese „natürlich unser Anspruch, den wir hoffentlich bald wieder erfüllen können“, gleichwohl habe er auch das Final Four in Hamburg als „qualitativ hochwertigen Wettbewerb“ gesehen. In der Gruppenphase allerdings sei „die Attraktivität nicht dieselbe“, so der THW-Geschäftsführer diplomatisch, dem eine elfstündige Anreise-Odyssee mit Flugzeug und Bus in das kroatische 15000-Seelen-Städtchen Nasice in unguter Erinnerung ist. Derlei fordernde Pflichtaufgaben sind dem ohnehin eng getakteten Meisterschaftskampf sicher nicht zuträglich. Kiel gewann locker 35:26, ließ aber reichlich Körner – was sich in der Konsequenz oft in verletzungsbedingten Ausfällen niederschlägt.

Dementsprechend werden die beiden Topklubs aus dem Norden daran arbeiten, möglichst schnell wieder in die Eliteklasse vorzudringen und im Titelrennen tragende Rollen zu spielen. Szilagyi spricht von weiteren Verstärkungen, Barça-Torhüter Gonzalo Pérez de Vargas steht bereits fest, 2026 kommt Julian Köster. Auch Flensburg wird aufrüsten: Nationalspieler Luca Witzke kommt im Sommer, 2026 der heiß umworbene Marko Grgic.

In der kommenden Saison werden sich die großen Rivalen international erst einmal wieder zweitklassig begegnen, Flensburg als Titelverteidiger, Kiel bekommt als deutscher Pokalsieger Zutritt zur European League. Es ist zwar nicht der lukrativste Titel, den Briefkopf ziert er aber allemal.

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