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Handball-Nationalspieler Kastening:"Äh, äh, wie heißt du?"

Handball EM: Training Deutschland

Da läuft er: Timo Kastening (rechts) neben Kai Häfner.

(Foto: Robert Michael/dpa)
  • Lacher bei der Handball-EM: Bundestrainer Christian Prokop fragt während des Auftaktspiels in der Auszeit nach dem Namen von Nationalspieler Timo Kastening.
  • Der reagiert locker: "In der Regel kennt Christian meinen Namen."
  • Dabei gilt Kastening als Mann der Zukunft auf der rechten Außenposition.

Kastening, Timo, in Buchstaben: K-A-S-T-E-N-I-N-G! Jahrgang 1995, deutscher Nationalspieler, ein so talentierter sogar, dass er für die Handball-Europameisterschaft nominiert wurde, anstelle von Branchengröße Patrick Groetzki, den viele im Kader erwartet hatten. Auf Rechtsaußen gilt Kastening, 24, als Mann der Zukunft; er hat in dieser Bundesliga-Saison schon mehr als 100 Tore erzielt und wechselt im Sommer von Hannover zum ambitionierten Projekt nach Melsungen.

Dies zur Einordnung, denn es soll vorkommen, dass Kastening nicht immer erkannt wird. Es war ein Lacher, dass ausgerechnet Bundestrainer Christian Prokop am Donnerstagabend während einer Auszeit im deutschen EM-Eröffnungsspiel gegen die Niederlande (34:23) das Malheur passierte. Inmitten der Taktikbesprechnung stand Prokop neben Kastening, blickte ihn an, suchte für einen Moment offensichtlich den Namen seines jungen Spielers, fragte schließlich: "Äh, äh, wie heißt du?"

Prokop sagt, es war alles nur ein Gag

Dass die Episode von den ZDF-Mikrofonen in die deutschen Wohnzimmer gesendet wurde, war Prokop nach dem Spiel bewusst. Er versuchte eine Erklärung. "Es ist ja ganz klar, dass das ein Spaß war", sagte Prokop. Er kenne "natürlich" die Namen all seiner Spieler, auch den von Timo Kastening. Die Frage sei eher als Coaching-Stilmittel gedacht gewesen, er wollte bloß "einen lockeren Spruch machen, ein bisschen Auflockerung rein bringen, dass die Mannschaft mal reagieren muss", so Prokop.

Also alles nur ein Gag? Die Nationalspieler reagierten jedenfalls verdutzt, nannten dem Bundestrainer den Namen "Timo". Und es blieb der Eindruck, dass Prokop bei hundertfachen Nationalspielern wie Patrick Wiencek oder Hendrik Pekeler nicht nach dem Namen gefragt hätte.

Kastening ist ein waches Kerlchen, frech in seinem Spiel auf dem Platz, verschmitzt daneben. Deshalb hat er auch humorig auf die Frage des Bundestrainers reagiert. "Das war witzig", erklärte Kastening im TV: "In Hannover habe er einen spanischen Trainer, der sucht auch häufig meinen Namen. Das bin ich gewohnt." Einen Erklärungsansatz hatte der Linkshänder parat: "Vielleicht bin ich ein bisschen zu klein, sodass er mich nicht sieht." So richtig klein natürlich nicht, Kastening verfügt über 1,80 Meter und damit über ein durchaus normales Maß für einen Außenspieler.

Doch geschenkt, es war ja ohnehin ein guter Tag für ihn. Im ersten EM-Spiel seiner Karriere hatte Kastening gleich 32 Minuten auf der Platte gestanden, war viele Tempogegenstöße gelaufen, hatte dreimal bei fünf Versuchen ins Tor getroffen. "Darauf habe ich immer hingearbeitet, ein absolut besonderes Gefühl", sagte Kastening. Er weiß: Wenn er so weiterspielt, verbreitet sich sein Name ganz von allein.

© SZ.de/ebc
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