Handball-EM:Die Nordlichter kommen sich in die Quere

IHF Handball World Championship - Germany & Denmark 2019 - Final - Norway v Denmark

Der beste Werfer Dänemarks: Welthandballer Mikkel Hansen, hier im gewonnenen WM-Finale 2019 gegen Norwegen.

(Foto: Fabian Bimmer/Reuters)
  • Norwegen und Schweden sind neben Österreich Gastgeber der Handball-EM, favorisiert ist Dänemark.
  • Die Konstellation ist Fluch und Segen zugleich, denn auf dem Weg zum Titel kommen sich die Nordlichter in die Quere.
  • Hier geht es zum Spielplan der Handball-EM.

Von Joachim Mölter, Trondheim

Dass Sander Sagosen eine Sonderstellung hat im Team der norwegischen Handballer ist nicht zu übersehen. Während alle anderen Spieler erst einmal stehen beim Medientreffen der Mannschaft am Donnerstag, darf Sagosen sitzen: Im Untergeschoss des malerisch an einem Kanal gelegenen Teamhotels in Trondheim hat er auf einem hohen Barhocker Platz genommen, vor sich ein rundes Tischlein mit dem gut gefüllten Obstkorb eines Sponsors. Der 24-Jährige soll seine Beine schonen und Kraft sparen, beides braucht er in den kommenden 16 Tagen noch bei der Europameisterschaft: Da soll der zentrale Rückraumspieler sein Team durchs Turnier tragen. Und die Norweger haben einen beschwerlichen Weg vor sich, sogar den beschwerlichsten.

Auch wenn ein Teil des Turniers in Österreich ausgetragen wird, so handelt es sich bei dieser EM in erster Linie um skandinavische Festspiele. Schweden und Norwegen sind die weiteren Co-Gastgeber, und die benachbarten Dänen haben es zumindest nicht weit: Von ihrer Hauptstadt Kopenhagen aus sind sie über die Öresundbrücke in einer Dreiviertelstunde in Malmö, dem Vor- und Hauptrundenspielort ihrer Mannschaft.

Nicht nur wegen dieses Heimvorteils treten alle skandinavischen Teams mit großen Hoffnungen und Erwartungen an. Die vom dreimaligen Welt-Handballer Mikkel Hansen, 32, angeführten Dänen sind schon Olympiasieger und Weltmeister und wollen nun etwas schaffen, was bislang nur den Franzosen vor zehn Jahren gelungen ist: alle wichtigen Männer-Titel des internationalen Handballs zur gleichen Zeit in Händen halten.

"Wir haben jetzt eine Mannschaft zusammen, die um Gold kämpfen kann"

Die Schweden, zuletzt als EM-Zweiter in den engsten Kreis der Favoriten zurückgekehrt, wollen an ihre besten Zeiten anknüpfen, als sie sich mit vier Titelgewinnen in den Jahren 1994, 1998, 2000 und 2002 den Status des Rekord-Europameisters erspielten. Und die Norweger? Die wollen nach zwei verlorenen WM-Finals 2017 und 2019 ihren ersten Titel überhaupt. "Silber habe ich schon zweimal gehabt", sagt Sander Sagosen auf seinem Barhocker, "das ist eine schöne Sache. Aber Gold ist halt noch schöner."

Mindestens eine Medaille wird in Norwegen von der Mannschaft erwartet, sagt Christian Berge, der Nationaltrainer, der für den jüngsten Aufschwung der norwegischen Handballer verantwortlich ist. Besser als alle anderen im Land, die sich mit Handball auskennen, weiß er, wie schwierig das wird. "Wir sind auf der falschen Seite des Tableaus gelandet", fasst der ehemalige Bundesliga-Profi von der SG Flensburg-Handewitt die Gruppenauslosung zusammen.

Schon in der Vorrunde in Trondheim bekommen es die Norweger mit Frankreich zu tun, dem Rekord-Weltmeister und aktuellen WM-Dritten. Und in der Hauptrunde in Malmö müssten sie sich dann mit Dänen und Schweden auseinandersetzen, um einen der beiden Halbfinalplätze zu ergattern. Titelverteidiger Spanien und Deutschland hätten es da leichter auf ihrem Weg über Wien, findet Berge, aber er will nicht jammern: "So ist es eben."

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