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Handball:Die perfekte Welle

v.li.: Lukas Siegler (DJK Rimpar Wölfe), Michael Schulz (DJK Rimpar Wölfe), Fin Backs (DJK Rimpar Wölfe), Trainer Ceven; Ceven Klatt

„Es ist toll, wie es momentan ist“: Ceven Klatt hat als erster hauptamtlicher Wölfe-Trainer keine Anlaufzeit benötigt.

(Foto: Frank Scheuring/Imago)

Die Rimpar Wölfe, der Verein der kleinen Möglichkeiten, mischen die zweite Handball-Bundesliga auf - doch nicht einmal Trainer Ceven Klatt traut dem Höhenflug.

Ceven Klatt weiß, dass die Dinge sich verändert haben. Es hat nicht viel dazu gebraucht, nicht einmal eine Handvoll Siege, nur ein paar anständige Spiele, ein bisschen Glück und einen alten Mann. Im Sport kann es sehr schnell gehen, die Leute nennen das dann: die Schnelllebigkeit des Geschäfts.

Die Saison ist gerade einmal sechs Wochen alt, und plötzlich muss Klatt erklären, warum seine Mannschaft in der Tabelle der zweiten Handball-Bundesliga auf dem dritten Platz steht, was seine Spieler auszeichnet und wohin die derzeitigen Erfolge wohl noch führen könnten. Es ist ein unerwarteter Höhenflug, den die Rimpar Wölfe gerade erleben, nicht einmal Klatt selbst traut ihm.

Klatt, 36, wirkt stets zurückhaltend und aufgeräumt. Vor einigen Jahren spielte er als Kreisläufer noch selbst in der zweiten Liga, doch die Zeiten haben sich geändert. Es ist mehr Geld im Fluss, der Handball ist professioneller geworden, das Spiel rasanter und anspruchsvoller. In diesem Kontext wirkt das kleine Rimpar manchmal, als sei es aus der Zeit gefallen. Die Zuschauerzahlen sind rückläufig, der Etat ist seit Jahren nahezu unverändert. So gehen die Wölfe Saison für Saison als Außenseiter ins Spieljahr und geben, wie es sich für einen Außenseiter gehört, den Klassenverbleib, allenfalls einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel aus.

Jetzt aber: der Höhenflug, ungewohnte Fragen und Erklärungsversuche. Dabei geht Rimpars Erfolg auf banale Ursachen zurück, auf die Fitness der Spieler, auf Leidenschaft und Herzblut, auf seriöse Abwehrarbeit, eine gewisse Eigendynamik und auf Max Brustmann, 36, den alten Mann zwischen den Pfosten, der sein Tor immer noch hütet, als stehe er am Anfang einer verheißungsvollen Karriere. All das hat eine Welle losgetreten, "und wir wollen möglichst lange auf dieser Welle schwimmen", sagt Klatt.

Rimpars Kunst ist, genügsam, aber nie zufrieden zu sein

Es liegt in der Natur der Trainer, dass sie sich gerne antizyklisch äußern. Wenn ihre Mannschaft gewinnt, mahnen sie zur Bescheidenheit; wenn ihre Mannschaft verliert, geben sie sich betont optimistisch. Klatt sagt also: "Es werden auch andere Zeiten kommen. Deshalb müssen wir jetzt alles mitnehmen, was wir mitnehmen können." Und: "Der größte Fehler, den wir jetzt machen könnten, wäre, zufrieden zu sein." Das ist ja die Kunst: Als Trainer in Rimpar, in diesem Verein der begrenzten Möglichkeiten, muss man ein genügsamer Mensch sein - und doch nie zufrieden.

Als Klatt vor wenigen Monaten als erster hauptamtlicher Wölfe-Trainer aus dem Düsseldorfer Raum ins Würzburger Umland kam, wollte der Klub ihm Zeit geben. Er sollte sich einleben, er sollte die Mannschaft kennenlernen und die Mechanismen dieses besonderen Klubs verstehen, dann sollte er die Erfolge seines Vorgängers Matthias Obinger bestätigen und Rimpar, so die Vorgabe, auf einen einstelligen Platz führen. Jetzt aber mischt Klatt mit seinen Spielern ohne Anlaufzeit die Liga auf. An diesem Samstag gastiert Rimpar beim TV Hüttenberg, der mit 5:7 Punkten auf Platz 12 steht. Aufgrund der Eindrücke, die die Wölfe in den ersten Partien hinterlassen haben, rechne die Öffentlichkeit wohl mit einem Sieg seiner Mannschaft, sagt Klatt. Gerade das mache die Aufgabe aber tückisch. Er selbst findet ja: "Es ist toll, wie es momentan ist, aber wir können den Start schon realistisch einschätzen." Im Sport kann es schließlich schnell gehen.