DHB-PokalBerlin ist nicht zu stoppen

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Überflieger: Welthandballer  Mathias Gidsel (links) und die Füchse Berlin setzten sich im Finale gegen den Bergischen HC mit Aron Seesing souverän durch.
Überflieger: Welthandballer  Mathias Gidsel (links) und die Füchse Berlin setzten sich im Finale gegen den Bergischen HC mit Aron Seesing souverän durch.
Federico Gambarini/dpa

Die Füchse Berlin gewinnen zum zweiten Mal den Handball-Pokal und unterstreichen, dass sie das Team der Stunde sind. Champions-League-Sieger Magdeburg offenbart unerwartete Schwächen.

Von Ralf Tögel

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Es waren besonders bunte Bilder, die das Pokal-Final-Four in Köln an diesem Wochenende produzierte. Das lag nicht nur am hochklassigen Sport, den die vier Turnierteilnehmer Füchse Berlin, SC Magdeburg, TVB Lemgo und der Bergische HC mit aller Dramatik und einer großen Überraschung boten. Es waren auch nicht die begeisterten Zuschauer in der mit 19 750 Zuschauern ausverkauften Lanxess Arena, die, wie üblich in den vier Ecken der riesigen Arena in ihren Vereinsfarben positioniert, der Kulisse eine besondere farbliche Note verliehen. Vielmehr hatte die Handball-Bundesliga (HBL) erstmals einen Glasboden verlegen lassen, der die Veranstaltung besonders hell erstrahlen ließ. Bekannt ist dieser Untergrund von den Basketballern des FC Bayern und vergleichbar mit einem gewaltigen LED-Screen, der der Hallenregie kaum kreative Grenzen setzt. So standen die Mannschaften bei Auszeiten in hell erleuchteten Kreisen, während der ansonsten teils quietschbunte Boden dunkel gehalten wurde.

Aber nicht nur farblich bot das Wochenende Außergewöhnliches, vor allem sportlich war das Final Four Werbung für den Handball. Das Finale gewann erwartungsgemäß der deutsche Meister: Die Berliner waren dem Außenseiter Bergischer HC beim 42:33 nach einer spannenden Anfangsphase kurz vor dem Pausenpfiff vorentscheidend zum 22:17 enteilt, weshalb der verdiente Sieger am Sonntagabend den silbernen Pokal von Spieler zu Spieler reichte.

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Der deutsche Vereinshandball erfreut sich des Prädikats, der weltbeste zu sein, dem wurden alle vier Halbfinalisten mit sehenswerten Auftritten gerecht. Wie hoch das Niveau in der Bundesliga ist, bekam der aktuelle Tabellenführer SC Magdeburg zu spüren: Nach einem nervenaufreibenden Siebenmeterwerfen gegen den Bergischen HC scheiterte der Favorit mit 30:31 Toren. Zur Einordnung: Die Mannschaft aus dem Bergischen Land ist Aufsteiger und stellt das jüngste Team der Liga, Kreisläufer Aron Seesing zählt zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Der Kader von Champions-League-Sieger Magdeburg besteht nahezu ausschließlich aus international erfahrenen Spitzenprofis. Aber weder der dänische Weltmeister Magnus Saugstrup, noch der mit den Isländern Omar Ingi Magnusson und Gisli Kristjansson sowie dem schwedischen Spielmacher Felix Claar besetzte Magdeburger Edel-Rückraum wussten das sensationelle Aus des SCM zu verhindern.

Nachdenklich: Magdeburgs Trainer Bennet Wiegert musste zwei Niederlagen seiner Mannschaft mitansehen, bei denen der Champions-League-Sieger seine Stärken in der Crunchtime vermissen ließ.
Nachdenklich: Magdeburgs Trainer Bennet Wiegert musste zwei Niederlagen seiner Mannschaft mitansehen, bei denen der Champions-League-Sieger seine Stärken in der Crunchtime vermissen ließ.
Federico Gambarini/dpa

Vielmehr war es BHC-Torhüter Christopher Rudeck, der immerhin ein Länderspiel in seiner Vita stehen hat, der das Torhüter-Duell gegen Sergey Hernández, Stammkraft im spanischen Nationalteam, für sich entschied. Der Umstand, dass die Sachsen-Anhaltiner auch noch das kleine Finale gegen Lemgo-Lippe verloren, hinterließ einen nachdenklichen Bennet Wiegert. Der SCM-Trainer musste konstatieren, dass seinem Team die Souveränität und Wettkampfhärte, die es sonst auszeichnet, an diesem Wochenende abhandengekommen war. So blieb nicht nur das von der Fachwelt erwartete Finale zwischen Champions-League-Sieger und deutschem Meister aus, die Magdeburger Rückkehr in die Kölner Arena im Juni erscheint nach diesen Eindrücken in Gefahr.

Dann nämlich steht das Final Four in der europäischen Königsklasse an, für das sich sowohl der Titelverteidiger als auch der deutsche Meister demnächst jeweils im Viertelfinale qualifizieren wollen. Schon im Vorjahr standen sich Magdeburg, dem der deutsche Titel in dieser Saison nicht mehr zu nehmen sein wird, und die Füchse im Endspiel gegenüber, beide brennen auf eine Neuauflage. Die Berliner hinterließen dafür den besseren Eindruck, schon das deutlich engere Halbfinale gegen Lemgo gewann der Meister ungefährdet 39:36.

Angeführt von Welthandballer Gidsel hat Berlin das Gegenstoßspiel nahezu perfektioniert

Die Füchse Berlin präsentierten sich einmal mehr als Mannschaft ohne Schwächen. Ihr Tempospiel im Angriff ist ohnehin ein Erlebnis – was die Füchse mit 81 Treffern in zwei Spielen belegten. Neben Welthandballer Mathias Gidsel, der seit Monaten auf höchstem Level agiert, beeindruckten Spielmacher Nils Lichtlein und Lasse Andersson im Rückraum.

Das nahezu unaufhaltsame Gegenstoßspiel der Berliner hat seine Grundlage in der rustikalen Defensive um den Schweden Max Darj und den Serben Mijajlo Marsenic sowie dem fabelhaften Torhüter Dejan Milosavljev. Der serbische Internationale war schon im Halbfinale der Rückhalt des neuen Pokalsiegers, auch dem Endspiel drückte er seinen Stempel auf. Seinen Paraden folgen schnelle Konter, die das Berliner Team angeführt von Gidsel nahezu perfektioniert hat. Dessen 17 Treffer in den beiden Partien wurden von Anderssons 21 Toren überboten, der damit bester Schütze war und auch zum besten Spieler des Finales gekürt wurde.

Nicht zu halten: Lasse Andersson (rechts), hier im Finale gegen den Bergischen HC, wird die Füchse am Saisonendde verlassen. Für ihn steht ein mehr als adäquater Ersatz bereit.
Nicht zu halten: Lasse Andersson (rechts), hier im Finale gegen den Bergischen HC, wird die Füchse am Saisonendde verlassen. Für ihn steht ein mehr als adäquater Ersatz bereit.
Federico Gambarini/dpa

Andersson wird die Füchse zum Saisonende verlassen und sich in seiner Heimat dem dänischen Klub Höj Elite anschließen. Auch Schlussmann Milosavljev verlässt den Meister, er wechselt zum Champions-League-Klub Kielce nach Polen. Beides wird in der Vereinsführung zwar bedauert, hinterlässt aber keine Panik. Ersatz steht längst fest: Das Torhüter-Duo mit Nationaltorhüter Lasse Ludwig wird der erfahrene Schwede Andreas Palicka bilden, spätestens im Sommer 2027 wird Simon Pytlick den Platz von Andersson einnehmen. Pytlick ist wie Palicka Nationalspieler, der Däne gilt als derzeit weltbester linker Rückraumspieler und bildet beim Weltmeister ein kongeniales Duo mit Gidsel. Und dann wäre da noch der Franzose Dika Mem, der ebenfalls 2027 nach Berlin wechseln wird.

Sollte es nichts mit dem neuerlichen Messen der Füchse und Magdeburg beim Finalturnier der Königsklasse im Juni werden, ist die Chance groß, wenigstens den künftigen Teamkollegen Mem zu treffen: Der spielt derzeit noch beim FC Barcelona. Der spanische Serienmeister ist das Team, das den deutschen Topmannschaften am nächsten kommt.

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