Handball: Champions League:Zittern im Handball-Land

Eine riesengroße Frechheit in Kiel, Flensburgs historische Klatsche und Hamburgs Kaffeefahrt nach Moskau: Vier deutsche Teams kämpfen um den Einzug ins "Final Four" der Champions League. Gleich drei Klubs droht das Aus.

Carsten Eberts

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HSV Hamburg - Medwedi Tschechow

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Eine riesengroße Frechheit in Kiel, Flensburgs historische Klatsche und Hamburgs Kaffeefahrt nach Moskau: Vier deutsche Teams kämpfen um den Einzug ins "Final Four" der Champions League. Gleich drei Klubs droht das Aus. Von Carsten Eberts

Medwedi Tschechow - HSV Hamburg (Hinspiel 24:38)

Was soll da noch schief gehen? Mit nicht weniger als 14 Toren Vorsprung geht der HSV Hamburg ins Rückspiel beim russischen Meister Medwedi Tschechow - selbst im Handball, wo gerne und schnell viele Tore geworfen werden, ist das eine riesige Hürde. Vor allem Krzysztof Lijewski (sieben Tore) und Pascal Hens (sechs, im Bild) hatten großen Anteil daran, dass die Hamburger sorgenfrei nach Moskau reisen dürfen - eine angenehme Kaffeefahrt fahrt also. Wirklich? Einer sieht das anders.

HSV Hamburg - Medwedi Tschechow

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Nämlich Noch-Trainer Martin Schwalb (im Bild), der nach der Saison auf den Posten des Geschäftsführers wechselt. "Unser Polster ist gut, aber darauf werden wir uns nicht ausruhen. Medwedi hat im Hinspiel unter seinem Leistungsniveau gespielt. Vor den eigenen Fans werden die noch eine ordentliche Schippe drauflegen und uns jeden Punkt streitig machen", sagt Schwalb vor der Partie (Samstag, 15.30 Uhr). Doch mehr als beschwichtigende Worte eines Trainers, der sich vorsichtig artikulieren muss, waren das nicht. Der HSV kann bereits sicher für das Final-Four-Turnier in Köln planen.

F.C.BARCELONA BORGES VS THW KIEL

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THW Kiel - FC Barcelona (Hinspiel 25:27)

Im Grunde ist es eine riesengroße Frechheit, dass der THW Kiel und der FC Barcelona bereits im Viertelfinale aufeinander treffen. Gemessen am Spektakel, das beide Klubs bereits im Hinspiel boten, müssten tunlichst beide Teams beim Kölner Final-Four-Turnier starten - Platz ist dort gemäß Auslosung jedoch nur für einen. Die etwas besseren Karten...

F.C. BARCELONA BORGES VS THW KIEL

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... müssen dem siebenmaligen Champions-League-Sieger aus Barcelona (links im Bild Kreisläufer Jesper Noddesbo) zugeschrieben werden: Barcelona gewann das Hinspiel 27:25 (14:15), machte dabei einen Vier-Tore-Rückstand wett - und gemessen an den beeindruckenden Auswärts-Fähigkeiten der Spanier geht Barcelona als leichter Favorit ins Rückspiel (Sonntag, 18.30 Uhr).

THW Kiel v Rhein-Neckar Loewen - Toyota HBL

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Aufgegeben hat sich der THW Kiel (im Bild Dominik Klein) selbstverständlich nicht. "Es ist immer noch alles offen, wir können Barcelona mit drei Toren Unterschied schlagen", sagt Trainer Alfred Gislason. Dafür muss der THW jedoch unbedingt an der Chancenverwertung arbeiten - die frappierende Zahl von Fehlwürfen zum Ende der ersten Halbzeit (besonders von Klein und Christian Zeitz) kosteten letztlich eine bessere Ausgangsposition. "Ich habe mich schwarz geärgert, dass wir nicht mit einem höheren Vorsprung in die Kabine gegangen sind", kommentiert Gislason und verspricht: "Wir können viel besser spielen."

Rhein-Neckar-Löwen - Montpellier HB

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Montpellier HB - Rhein-Neckar Löwen (Hinspiel 29:27)

Noch schwieriger gestaltet sich die Aufgabe für die Rhein-Neckar Löwen (links im Bild Uwe Gensheimer). Auch die Mannheimer haben ihr Hinspiel mit zwei Toren verloren, müssen diesen Rückstand jedoch auswärts aufholen. "Wir haben die zweite Halbzeit ziemlich hoch verloren, weil wir nicht aggressiv genug in der Abwehr waren", hadert Löwen-Torhüter Slawomir Szmal. Im Rückspiel (Samstag, 17 Uhr) gibt es auch ein Wiedersehen mit...

Rhein-Neckar-Löwen - Montpellier HB

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... Nikola Karabatic, dem Welthandballer und früheren Kopf des THW Kiel. Karabatic hat für die Löwen durchaus aufmunternde Worte übrig: "Man sieht oft, dass eine Mannschaft die auswärts gewinnt, auch zu Hause verlieren kann", sagt er, "zumal wir wissen, dass auch die Löwen auswärts sehr stark sind." Die Sorgen der Löwen werden jedoch durch neuerliche Verletzungsmeldungen verstärkt: Michael Müller (Einriss im Meniskus) und Bjarte Myrhol (muskuläre Probleme im Oberschenkel) fallen im Rückspiel definitiv aus.

SG Flensburg-Handewitt - BM Renovalia Ciudad Real

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BM Ciudad Real - SG Flensburg-Handewitt (Hinspiel 38:24)

Das größte aller Wunder braucht die SG Flensburg-Handewitt. Nicht weniger als 14 Tore muss der Klub in Spanien aufholen - wie soll das gehen? Im Hinspiel wurde die SG in eigener Halle demontiert, lag schon zur Halbzeit 8:19 zurück, kassierte am Ende die höchste Heimniederlage der Vereinsgeschichte. Trainer Ljubomir Vranjes (links im Bild) kommentierte fassungslos: "Ich hätte nie gedacht, dass das Ergebnis so deutlich ausfallen würde. So etwas habe ich in der Campushalle noch nie erlebt."

SG Flensburg-Handewitt - BM Renovalia Ciudad Real

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Es war ein Tag, an dem für Flensburg (im Bild Mittelmann Viktor Szilagyi) überhaupt nichts funktionierte, die bestens besetzten Spanier um Kiril Lazarov, Luc Abalo oder Isaías Guardiola (im Bild) hingegen nahezu fehlerfreien Handball zeigten. Mehr als statistischen Wert dürfte das Rückspiel (Sonntag, 17 Uhr) daher nicht mehr haben. Immerhin: In der Zwischenzeit haben sich die Flensburger mit ihrem Publikum wieder versöhnt und bezwangen den VfL Gummersbach 29:25. "Ein Riesenrespekt für unsere Mannschaft", sagt Geschäftsführer Holger Kaiser, "sie ist nicht nur körperlich, sondern auch mental wiederauferstanden."

HSV Hamburg v TV Grosswallstadt - Toyota HBL

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TV Großwallstadt - TBV Lemgo (Hinspiel 26:24)

Und auch im EHF-Pokal, dem untergeordneten internationalen Wettbewerb, kommt es zu einem aufsehenerregenden Duell: zur rein deutschen Angelegenheit zwischen dem TV Großwallstadt und dem TBV Lemgo. Das Hinspiel gewann der TVG 26:24 und ist damit im Rückspiel (Sonntag, 17 Uhr) in der eindeutig besseren Ausgangsposition. "Lemgo hat nichts zu verlieren", warnt Trainer Peter David (im Bild) trotzdem, "die Situation ist brandgefährlich." Lemgos Geschäftsführer Volker Zerbe sieht das ähnlich: "Der TVG hat den Druck, uns einen Schritt voraus zu sein. So ein Vorsprung kann aber auch trügerisch sein."

Auch im zweiten Halbfinale ist eine deutsche Mannschaft involviert - nach dem 32:23 bei Naturhouse La Rioja Logrono kann Frischauf Göppingen jedoch bereits komfortabel für das Finale planen. Das Endspiel im EHF-Pokal - es wird eine rein deutsche Angelegenheit sein.

© sueddeutsche.de/ebc/hum
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