Champions-League-Reform im HandballBloß nicht Dritter werden!

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Wer landet am Ende der Saison in der Champions League? Der VfL Gummerbach (am Ball Nationalspieler Julian Köster) und der THW Kiel sind zwei der Kandidaten.
Wer landet am Ende der Saison in der Champions League? Der VfL Gummerbach (am Ball Nationalspieler Julian Köster) und der THW Kiel sind zwei der Kandidaten. Michael Hundt/dpa
  • Die Handball-Champions League wird reformiert und von 16 auf 24 Teilnehmer erweitert, wobei Deutschland voraussichtlich drei Startplätze erhält.
  • Deutsche Vereine kritisieren die unklaren Qualifikationskriterien, da erst nach Saisonende feststeht, welcher Tabellenplatz zur Champions League berechtigt.
  • Europapokalsieger erhalten möglicherweise eine Wildcard, was dazu führt, dass Bundesligisten den dritten Tabellenplatz meiden wollen.
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Statt 16 sollen künftig 24 Handballklubs an der lukrativen Champions League teilnehmen. Doch wer wirklich mitspielen darf, ist unklar – das sorgt bei den deutschen Klubs schon jetzt für Ärger.

Von Carsten Scheele

Es war mächtig was los im kleinen Europapokal der Handballer in dieser Woche. Da ist die MT Melsungen mit einem furiosen 35:26-Rückspielsieg gegen Fredericia HK ins Viertelfinale der European League eingezogen, das Hinspiel hatte der Klub noch 29:35 in Dänemark verloren. Neben Melsungen sind auch die SG Flensburg-Handewitt, der THW Kiel und die TSV Hannover-Burgdorf weiter im Wettbewerb, macht vier deutsche Klubs unter den acht Viertelfinalisten, eine starke Quote.

Es wäre ohnehin eine mittelgroße Sensation, würden die Bundesligaklubs im kleinen Europapokal unterhalb der Champions League am Ende leer ausgehen. Seit der Saison 2003/04 gab es nur zweimal keinen deutschen Sieger (2014 Pick Szeged, 2022 Benfica Lissabon). Ansonsten kam der Gewinner stets aus der Bundesliga. Der „deutsche Europapokal“ wird der Cup auch genannt.

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Wer die European League gewinnt, ist insofern übergeordnet wichtig, weil dem Sieger im kommenden Jahr ein Startplatz in der deutlich lukrativeren Champions League winkt. Der Wettbewerb wird im Sommer bekanntlich reformiert, statt 16 Vereinen nehmen dann 24 Klubs teil. Und da beginnt die Konfusion, die unter den Bundesligisten zunehmend für Ärger sorgt.

Der Kern des Anstoßes: Anders als im Fußball ist die Anzahl der Startplätze pro Liga nicht vorab fix geregelt. Die zehn größten Ligen bekommen einen festen Platz zugeteilt, dazu kann sich etwa die Bundesliga in einem Upgrade-Verfahren um zwei weitere Plätze bewerben. Dass am Ende drei deutsche Klubs an der Champions-League-Spielzeit 2026/27 teilnehmen, gilt als wahrscheinlich. Die weltweit stärkste Handballliga soll schließlich in Europas wichtigstem Klubwettbewerb angemessen vertreten sein. Es geht nur um die Zusammensetzung, und hier hätten die deutschen Klubs gern mehr Planungssicherheit, als die Europäische Handballföderation (EHF) aktuell bietet.

Und was, wenn Magdeburg oder die Füchse Berlin die Champions League gewinnen?

Der Meister, der vermutlich SC Magdeburg heißen wird, erhält gewiss einen Startplatz. Der Tabellenzweite vermutlich ebenfalls, auf diesem Platz liegt aktuell Flensburg. Und dann? Rang drei kann reichen, dann darf aber kein deutscher Klub die European League oder die Champions League gewinnen. Diesen Vereinen würde die EHF mutmaßlich eine Wildcard zugestehen, wenn sie nicht ohnehin als Meister qualifiziert sind. Meister, Zweiter, dazu ein Europapokalgewinner – so könnte das deutsche Teilnehmerfeld in der Königsklasse im kommenden Jahr vielleicht aussehen.

Geklärt sind diese Fragen nicht vor Saisonende. Am letzten Maiwochenende findet in Hamburg das Final-4-Turnier der European League statt. Am 7. Juni wird der finale Bundesliga-Spieltag ausgetragen. Eine Woche später steigt das Final-4 der Champions League in Köln. Erst dann wissen die Klubs Bescheid, wo sie starten, ob sie einen aufgeblähten Kader für eine Champions-League-Spielzeit zusammenbasteln müssen oder eben nicht.

Darüber hat sich in dieser Woche etwa Christoph Schindler, der Manager des VfL Gummersbach, aufgeregt. Sein Klub ist derzeit Vierter, mit Chancen auf Platz drei und damit auf die Qualifikation zur Champions League. Eigentlich. „Wir alle wissen mal wieder nicht, welcher Tabellenplatz bei uns wofür in Europa reicht“, echauffierte sich Schindler in der Sport Bild. Dies sei „verrückt“ und zeige das „Problem im Handball“ auf.

„Platz drei in der Bundesliga sollte höher gewertet werden als der Sieg in der European League“, sagt Gummersbachs Manager Schindler

Die Vereine wüssten zudem „viel zu spät“ Bescheid, wofür ihr sportliches Abschneiden reicht. Das Vorgehen sei „einfach schlecht“, sagte Schindler und ist mit dieser Meinung nicht allein. Er hätte sich „mehr Klarheit gewünscht“, erklärte Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), formulierte es im Ansatz diplomatischer. „Im schlechtesten – oder besten – Fall gibt es fünf Mannschaften aus Deutschland, die sich berechtigte Hoffnung auf einen der drei Plätze machen können“, sagte er kürzlich dem NDR: „Da könnten wir in einen Konflikt geraten.“

Die EHF verweist auf Nachfrage auf einen Kriterienkatalog, nach dem die Plätze zugewiesen werden; die sportliche Leistung soll berücksichtigt werden, aber auch „wirtschaftliche und organisatorische Aspekte“ der Vereine. Den Preis für das am leichtesten zu verstehende Verfahren der Welt erhält der Verband dafür jedenfalls nicht. Die EHF stellt jedoch klar: Mehr als drei Mannschaften pro Verband werden nicht an der Champions League teilnehmen, auch nicht aus Deutschland.

Daher laufen die Verteilungskämpfe, in anschwellender Lautstärke. „Platz drei in der Bundesliga sollte höher gewertet werden als der Sieg in der European League“, forderte etwa Gummersbachs Manager Schindler. Das sehen die Teilnehmer der European League vermutlich geringfügig anders. Um der Unsicherheit zu entgehen, haben einige Bundesligisten längst ihre Saisonziele angepasst: Falls es mit dem Meistertitel nicht klappt, soll mindestens Platz zwei herausspringen. Auf dem dritten Rang möchte lieber niemand landen.

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