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Handball:THW Kiel gewinnt die Champions League

Endlich wieder ganz oben: Die Kieler recken den Champions-League-Pokal in die Höhe.

(Foto: AP)

Erstmals seit 2014 gewinnt ein deutscher Klub die Königsklasse des Handballs. Im Finale siegt die Mannschaft mit 33:28 - der Favorit aus Barcelona bleibt chancenlos.

Der THW Kiel ist auf mitreißende Weise zum vierten Mal auf den europäischen Handball-Thron gestürmt. Angeführt vom überragenden Keeper Niklas Landin kämpfte der deutsche Rekordmeister in einem überraschend deutlichen Champions-League-Finale in Köln den Top-Favoriten FC Barcelona 33:28 (19:16) nieder und triumphierte damit zum ersten Mal seit acht Jahren in der Königsklasse.

"Das kann man überhaupt nicht in Worte fassen. Ohne Zuschauer fehlt einiges, aber wir haben dermaßen gerackert und geackert, ich bin unheimlich stolz auf uns alle", sagte Nationalspieler Patrick Wiencek bei Eurosport: "Jetzt freue ich mich auf ein kühles Bier! Hoffentlich ist alles vorbereitet." Auch Coach Filip Jicha jublierte: "Es ist unglaublich und sehr emotional. Ich bin super happy für die Jungs."

Der coole Schwede Niclas Ekberg war beim verspätet ausgetragenen Finalturnier der Saison 2019/20 mit acht Treffern der beste Werfer für die Mannschaft von Jicha, der den größten Triumph seiner jungen Trainerkarriere feierte. Der tschechische Coach gewann als erster Handballer sowohl als Spieler als auch als Trainer für einen Klub den wichtigsten Vereinswettbewerb Europas.

Torwart Landin entschärft einen Ball nach dem anderen

Der Titel ist für die Kieler auch finanziell wertvoll. Der deutsche Meister sicherte durch den Sieg gegen Barca, dessen 22 Spiele andauernde Siegesserie in der Königsklasse in der leeren Kölner Arena endete, eine in Krisenzeiten wertvolle Prämie von 500.000 Euro. Platz drei erreichte Paris Saint-Germain nach dem 31:26 (14:11) gegen das ungarische Topteam Veszprem HC. Die Kieler hatten am Montag in einem dramatischen Halbfinal-Krimi gegen Veszprem (36:35 nach Verlängerung) das Endspiel erreicht. Die bisherigen Siege in der Champions League waren ihnen 2007 sowie unter dem heutigen Bundestrainer Alfred Gislason 2010 und 2012 gelungen.

Im 300. Champions-League-Spiel der THW-Vereinsgeschichte erwischten die Kieler einen guten Start, zu Beginn entschärfte Welthandballer Landin im Kieler Tor gleich einen Siebenmeter. Und auch offensiv resultierte aus Kieler Spielzügen anfangs praktisch immer ein Tor. Ausnahmespieler Sander Sagosen übernahm wie schon am Vortag viel Verantwortung, in der Deckung sah er von den recht kleinlich pfeifenden Unparteiischen jedoch bereits in der 11. Minute seine zweite Zeitstrafe. Für den Norweger verteidigte von nun an Kapitän Domagoj Duvnjak.

Barcelona, das durch ein souveränes 37:32 gegen Paris ins Finale eingezogen war, hatte gegen den gewohnt starken Kieler Innenblock mit den Nationalspielern Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler sowie gegen Keeper Landin seine Probleme. Auf der Gegenseite fand das Jicha-Team immer wieder einfache Lösungen. Beim 13:9 (19.) ging Kiel erstmals mit vier Treffern in Führung, nach leichten Ballverlusten und überhasteten Abschlüssen glich Barca jedoch aus - 15:15 (27.).

Anschließend legten aber wieder die offensiv sehr flexibel agierenden Norddeutschen vor. Den Drei-Tore-Vorsprung zur Pause baute der THW nach dem Wechsel sogar zwischenzeitlich auf fünf Treffer aus. Barcelonas Offensivreihen hatten weiter große Probleme, vorne präsentierte sich der leidenschaftlich kämpfende THW sehr effektiv. Das Finale lief daher weiter in die Kieler Richtung. Vor allem Landin entschärfte nach der Pause einen Ball nach dem anderen und sicherte dem THW ein ums andere Mal die Führung, vorne überzeugte zudem Nationalspieler Steffen Weinhold mit starken Einzelaktionen.

© SZ.de/sid/ebc
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