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Handball-Affäre:Es bleiben Rätsel

Die Staatsanwaltschaft schließt die Ermittlungen gegen den THW Kiel ab - aber wartet noch auf die Untersuchungsergebnisse aus dem Ausland.

Die Staatsanwaltschaft Kiel hat die Ermittlungen im Inland in der angeblichen Manipulations-Affäre des THW Kiel abgeschlossen. Nach derzeitigem Stand wird es keine weiteren Vernehmungen mehr geben. Unklar ist dennoch, wann das Verfahren abgeschlossen werden kann. Die Behörde hat Rechtshilfeersuchen nach Kroatien, Slowenien, Polen und in die Ukraine übermitteln lassen. Es ist nicht abzuschätzen, wann und ob die Strafverfolger eine Antwort erhalten werden. Lediglich die Behörden in Polen gelten als verlässlich hilfreich bei Auslandsermittlungen.

Kiels früherer Manager Uwe Schwenker.

(Foto: Foto: dpa)

Derzeit gehen die Kieler Ermittler davon aus, dass sie genügend Material haben, um den Vorwurf der Untreue auch in einem Hauptverfahren vor Gericht belegen zu können. Sie ermitteln gegen vier Beschuldigte. In der Kasse des THW Kiel fehlen 152.000 Euro, deren Verbleib bislang von den Verantwortlichen nicht erklärt worden ist und wohl auch nicht ohne Probleme erklärt werden kann. Zugleich wird in Kiel auch wegen Betruges und versuchten Betruges ermittelt.

Das ist der sportlich interessantere Punkt. Dahinter verbirgt sich die Frage, ob Verantwortliche des Vereins Schiedsrichter bestochen haben. Für den Manipulationsvorwurf gibt es bislang keinen handfesten Beweis, sondern nur Indizien - zumeist umlaufendes Gerede. In den rund 1000 Seiten des Ermittlungsverfahrens finden sich auf rund 60 Blatt Aussagen diverser Zeugen. Diese berichten, was sie in Fincas oder Wohnungen über angebliche Bestechungspraktiken gehört haben. Sachbeweise sind das nicht.

Kennzeichend für das schwierige Verfahren ist die Vernehmung von Mirjana Serdarusic, der Ehefrau des früheren Trainers. Bei der Hausdurchsuchung hatte sie den Ermittlern Rede und Antwort gestanden. Nach einer ganzen Weile fragte, ausweislich des Protokolls, einer der Ermittler, ob sie nicht zur Sache kommen wolle. "Gleich", antwortete sie. Sie räumte ein, aus Rachegefühlen gegen den früheren Geschäftsführer Uwe Schwenker Gerüchte über Manipulationen verbreitet zu haben. Sie habe aber von den tatsächlichen Abläufen keine Kenntnis gehabt. Ihr Gerede tue ihr leid.

Die Ermittlungen, die im Wesentlichen von dem Kieler Staatsanwalt Axel Goos und drei Beamten des Landeskriminalamtes bestritten werden, sind teilweise diffizil. So rätseln die Beamten, warum auch im Zusammenhang mit einer Niederlage größere Summen abgebucht wurden. Nach Rechnung der Ermittler sind zudem nicht - wie vielfach kolportiert - zehn Spiele gekauft worden, sondern zwei oder drei.

Die Fahnder haben versucht, auf vielen Wegen die Spur des Geldes nachzuvollziehen. Beispielsweise forschten sie im Kasino nach, ob Frau Serdarusic dort Geld verzockt hatte - es gab dafür keinerlei Beleg. Lediglich als Ehefrau des berühmten Trainers war sie bekannt.

In Kiel läuft ein Spiel auf Zeit. Wenn die Behörden in Osteuropa in drei oder vier Monaten nicht mit beweiskräftigen Unterlagen oder Aussagen kommen sollten, wird die Staatsanwaltschaft sich auf ihre 1000 Seiten stützen müssen. Nach derzeitigem Stand ist nicht sicher, ob auch wirklich wegen Betrugs angeklagt würde. Reichen dann die Indizien für den Vorwurf der Landschaftspflege oder reichen sie nicht?