Eine Klatsche mit zehn Toren Unterschied - und der Trainer des Verlierers lobt sein Team? Da muss der FC Bayern im Spiel sein, in diesem Fall der FC Bayern des Handballs. Also misst Michael Haaß dem 20:30 gegen den deutschen Meister THW Kiel nicht allzu viel Bedeutung bei, denn die Weltauswahl aus dem hohen Norden präsentiert sich derzeit in Bestform. Schon vor Wochenfrist hat Kiel den Vorjahreszweiten Flensburg ebenfalls mit einem Zehn-Tore-Vorsprung aus der Halle geschossen und führt die Tabelle mit makelloser Punktausbeute nach vier Spieltagen an.
Also sagt Haaß: "Ich muss meiner Mannschaft für die Deckungsarbeit ein großes Kompliment machen, wir haben Kiel teilweise vor große Probleme gestellt." Den guten Saisonstart mit Siegen gegen Leipzig und Minden sowie dem Remis in Flensburg will er sich ebenfalls nicht kleinreden lassen: "Wir lassen uns davon jetzt nicht runterziehen, das passiert auch anderen Mannschaften. Meine Jungs haben gekämpft, und die Zuschauer waren da. Die positive Grundstimmung lassen wir uns jetzt nicht zerstören."
"Kiel war einfach eine Nummer zu groß für uns", konstatiert HCE-Trainer Michael Haaß
In der Tat hielten die Erlanger in der ersten Halbzeit lange mit und schafften nach Treffern von Hampus Olsson, Sebastian Firnhaber und Simon Jeppsson den 7:7-Ausgleich. Der slowenische Nationaltorhüter Klemen Ferlin, der gerade bis 2026 verlängert hat, glänzte hinter einer bissigen Abwehr und im Angriff wurde sicher abgeschlossen. Aber der THW Kiel reagierte im Stile einer Klassemannschaft, legte einen 7:0-Lauf hin und ging mit 14:7 in die Pause.
In dieser Phase zeigte sich, dass der Abstand der zweifellos stark besetzten Gastgeber zu einem Team vom Zuschnitt des viermaligen Champions-League-Siegers noch groß ist. Der Innenblock um Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler, gleichzeitig das Herz der deutschen Nationalmannschaft, wurde zur schier unüberwindbaren Mauer, dahinter zeigte der dänische Auswahltorhüter Niklas Landin, warum er nach wie vor als weltbester seines Fachs gilt. Dieses Bollwerk provozierte Erlanger Fehler, von denen jeder postwendend mit einem Kontertor bestraft wurde. "Kiel war einfach eine Nummer zu groß für uns", konstatierte HCE-Trainer Michael Haaß, "unser Problem war die schwache Leistung unseres Angriffs, außerdem war auch Landin sehr stark." Da half auch die Anfeuerung der 4533 Zuschauer nichts, die der große Name in die Nürnberger Arena gelockt hatte - Bestwert nach drei Heimspielen.
In Halbzeit zwei kamen die Gastgeber dem Favoriten noch einmal etwas näher (8:14, 39.), der konterte erneut eiskalt und zeigte den Mittelfranken letztlich die Grenzen auf. Bester Torschütze der Erlanger war erneut Christoph Steinert, dem es gelang, den famosen Landin sechsmal zu überwinden. Damit kassierte Erlangen gegen den Rekordmeister die zwölfte Niederlage im zwölften Spiel, nächster Gegner sind am kommenden Sonntag die Füchse Berlin. Die Hauptstädter haben wie Kiel vier Siege aus vier Spielen und sind in eigener Halle klarer Favorit. Doch auch eine weitere Niederlage wird den HC Erlangen nicht aus der Bahn werfen.
