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Formel 1 in Silverstone:Vettel macht den Rambo

Großer Preis von Großbritannien

Sebastian Vettel gegen Max Verstappen - diese Szene ereignete sich erst spät im Rennen in Silverstone.

(Foto: dpa)
  • Beim GP von Silverstone in England leistet sich Sebastian Vettel einen Verbremser und crasht mit Verstappen.
  • Lewis Hamilton gewinnt sein Heimrennen - und dominiert erneut das Feld.

Qualm stieg auf von Sebastian Vettels Reifen, die Vorderräder standen still, so hart stieg er auf die Bremse. Aber es war zu spät. Wie ein wütender Eber auf Rachefeldzug rammte er seine Front in das Heck des Red Bulls von Max Verstappen, spießte ihn förmlich auf. Der Red Bull drehte sich, stand quer in der Kurve, er hüpfte in die Luft und rutschte dann durch das Kiesbett.

Verstappens Helmmikrofon fing nun Worte, die in einer Familienzeitung nichts zu suchen haben. "Was hat er gemacht?", fragte Vettel unschuldig. Tja, nicht viel. Verstappen hatte Vettel 14 Runden vor Schluss beim Kampf um Platz drei in der Stowe-Kurve überholt - vor Kurve 16 war er dann etwas nach außen gezuckt mit seinem Wagen. Vettel probierte noch vergeblich, die Spur zu wechseln. Und dann erst bremste er. Zu spät. "Schon doof" sei der Unfall gewesen, sagte Vettel. "Geht auf meine Kappe." Er habe eine Chance auf der Innenseite gesehen. "In dem Moment ist die Lücke wieder zugegangen, da war ich dann zu dicht dahinter und zu spät."

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Ja, das war er. Die Szene war das Finale furioso eines spektakulären Grand Prix in Silverstone. Vettel ließ sich einen neuen Frontflügel verpassen, er erhielt dazu eine Zehn-Sekunden-Strafe. Er wurde Drittletzter. Verstappen, der es locker aufs Podium geschafft hätte, wurde nur noch Fünfter. Und der Gewinner war mal wieder Lewis Hamilton, vor dem zweitplatzierten Valtteri Bottas, seinem Teamkollegen im Mercedes - und dem Dritten Charles Leclerc im Ferrari. So sah das blanke Ergebnis aus, aber Zahlen konnten die Dramatik dieses Rennens nicht wiedergeben.

Was sich am Sonntag auf der Strecke von Silverstone abspielte, das entschädigte für die vielen müden Rennen der jüngeren Vergangenheit. Es gab in England massenhaft Überholversuche, viele schöne Rad-an-Rad-Duelle, und es gab die Fortsetzung des in Spielberg begonnenen Duells zwischen Verstappen und Charles Leclerc. Ach was, Fortsetzungen. Plural!

In Österreich hatte der Niederländer dem Monegassen drei Runden vor Schluss noch den Sieg entrissen mit einem knallharten Manöver. Mehr als drei Stunden hatten die Kommissare nach Rennende beraten, ob sie Verstappen den Pokal nachträglich entwinden sollten. Das taten sie nicht. Ermutigt von dieser Entscheidung fuhren Leclerc und Verstappen 14 Tage später so wild gegeneinander, als gäbe es keinen Strafenkatalog in der Formel 1. Zumindest solange, bis Vettel Verstappen mit seinem Rammstoß aus dem Verkehr zog.

Wieder Doppelsieg Mercedes

"Das vergangene Rennen hat mir die Augen geöffnet, wie weit man gehen kann in der Formel 1", sagte Leclerc in Silverstone.

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Nie zuvor habe er ein Rennen in der Königsklasse so sehr genossen wie das soeben beendete. Der nächste Doppelsieg für Mercedes also. Und für Hamilton, der sich letztlich nur dank einer Safety-Car-Phase an Bottas vorbeimogeln durfte, war es der sechste Triumph bei seinem Heimrennen, was ihn zum Rekordhalter auf der Strecke macht. Bottas hatte auf der Pole Position geparkt, auf Platz drei hatte der Ferrari von Leclerc gestanden, der das ganze Wochenende über bewiesen hatte, dass die Techniker der Scuderia die Wagen so verbessert hatten, dass sie auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke um die schnellste Runde mitfahren konnten. Zumindest Leclerc konnte das. Vettel wirkte sehr ratlos, nachdem er am Samstag aus dem Wagen geklettert war und zuvor lediglich die sechstschnellste Zeit vorgelegt hatte. Noch schlimmer als der Startplatz war seine ernüchternde Geschwindigkeit: Mehr als sechs Zehntelsekunden war er langsamer als Leclerc. "Ich war immer gleich schnell, die anderen wurden immer schneller", staunte Vettel.

Mattia Binotto, Teamchef der Scuderia, wagte wie schon in Österreich eine andere Rennstrategie als Mercedes und Red Bull. Vettel und Leclerc rollten los auf der weichen Reifenmischung, die vier anderen Spitzenfahrer auf mittelharten Gummis. "Die Karten anders auszuspielen als die Gegner, das ist vielleicht das Ass, das letztlich sticht", philosophierte Binotto.

Bevor die Ampeln ausgingen, wurde es hektisch bei Red Bull. Mechaniker tauschten an Verstappens Wagen die Heckflügelendplatte. 225 Meter sind es von der Pole Position bis zur ersten Kurve. Vettel reagierte blitzschnell, schob sich vorbei am Red Bull von Pierre Gasly. Hamilton, der schneller losrollte als Bottas, probierte in Kurve sechs, sich an die Spitze zu setzen, ging aber kein unnötiges Risiko. Zunächst. In der vierten Umdrehung griff er Bottas wieder an: Nebeneinander fuhren die Silberpfeile durch die Kurven sechs und sieben, Rad an Rad hielten sie auf Copse Corner zu. Hamilton war vorbei, doch Bottas hielt sich im Windschatten, saugte sich nach vorne, konterte - und blieb vorne.