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Hamburger SV:Der nächste teure Kurswechsel

Boldt ist neuer Sportvorstand beim HSV

Der Neue im Volkspark: Sportchef Jonas Boldt.

(Foto: dpa)
  • Der nächste Rauswurf beim HSV: Jonas Boldt beerbt Ralf Becker als Sportchef.
  • Boldt gilt in der Branche als "heißer Chip". Er soll den Klub zurück in die erste Liga führen.
  • Spannend wird es sein, wie Boldt mit bescheidenen Mitteln eine Aufstiegsmannschaft zusammenstellen will.

Der Klubchef Bernd Hoffmann und der Aufsichtsrat des Hamburger SV denken noch immer ganz groß, obwohl der schwer verschuldete Zweitligist seit Jahren nur noch mit fremdem Geld Geschäfte machen kann. Am Freitag haben sie mal wieder für eine Personalie mit bundesweitem Aufsehen gesorgt. Sportvorstand Ralf Becker wurde vom Aufsichtsratsvorsitzenden Max-Arnold Köttgen in einem kurzen Gespräch beurlaubt und schon um 14 Uhr Beckers Nachfolger vorgestellt. Dieser ist ein "heißer Chip", wie man in der Branche sagt. Jonas Boldt, 37, bisher Manager von Bayer Leverkusen, war von Klubs wie Schalke 04, Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig umworben. Er soll nun vollenden, woran Becker in der Rückrunde gescheitert war: an der schnellen Rückkehr des HSV in die erste Liga.

Noch am Donnerstag hatte Becker Gespräche über die Kaderplanung geführt. Laut Hamburger Abendblatt soll er da sogar mit dem bisherigen Gladbacher Trainer Dieter Hecking weitgehend einig geworden sein. Dieser sollte die Nachfolge des vier Tage zuvor entlassenen Hannes Wolf antreten. Die Frage, ob es bei dieser Abmachung bleibe, ließ Boldt offen. Er suche aber niemanden, "der den Fußball neu erfindet". Er könne auch nicht sagen, ob der "noch nicht final zusammengestellte Kader" Ballbesitzfußball spielen solle. Vielmehr sei es zunächst wichtig, das "Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen".

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Die Verpflichtung des früheren Leverkusener Coaches Roger Schmidt, von dem er ebenso viel hält wie Hoffmann, sei aber "aktuell kein Thema", ließ er wissen. Er habe Schmidt zwar vor kurzem besucht, aber dieser wolle seinen Vertrag beim chinesischen Klub Beijing Guoan erfüllen. Der ist ja extrem gut bezahlt. Auch ohne Schmidt sind die neuesten Umwälzungen wohl wiederum nur mit Hilfe des Investors und Mäzens Klaus-Michael Kühne zu finanzieren. Von dem wollte sich der HSV eigentlich etwas befreien. Stattdessen erträgt man aus Geldnot weiter die meist nicht sehr konstruktiven Aussagen des Oberfans.

Wie will Boldt eine Aufstiegsmannschaft zusammenstellen?

Auch Boldt, der einen Vertrag bis 2021 unterschrieb, sagte, es sei schon "ein großer Erfolg", wenn er die zwei Jahre für diese "enorme Herausforderung" überstehen würde. Er ist immerhin der elfte Sportchef seit 2000. Die Unterschiede zwischen dem solide geführten Klub Bayer 04 und dem HSV könnten ja größer kaum sein, stellte er selbst fest. In Leverkusen, wo er 16 Jahre arbeitete, sei alles ein bisschen kleiner als in Hamburg. Und vermutlich reden auch deutlich weniger Leute mit.

Seinen guten Ruf im Fußballgeschäft hat Boldt sich schon früh als Bayer-Scout gesichert. Zu seinen Entdeckungen gehören angeblich Arturo Vidal und der Real-Verteidiger Dani Carvajal. Spannend wird es sein, wie Boldt mit den bescheidenen Mitteln, die dem HSV noch für neues Personal zur Verfügung stehen, eine Aufstiegsmannschaft zusammenstellen will. Bisher hat Becker die beiden Bochumer Jan Gyamerah und Lucas Hinterseer, den Kieler David Kinsombi und vom Nachbarn FC St. Pauli Jeremy Dudziak verpflichtet.

Die Anfangs harmonische Zusammenarbeit zwischen Hoffmann und Becker bekam im Winter erste Risse. Als der HSV-Boss nach dem verpassten Aufstieg öffentlich davon sprach, der sportliche Bereich habe "im Winter begonnen, zu kollabieren", traf das besonders Becker und führte mal wieder zu einer desaströsen Außendarstellung. Der Schwabe, der im Vorjahr fast Holstein Kiel in die Bundesliga geführt hätte, musste aber zugeben, dass er die Krisenzeichen beim damaligen Herbstmeister falsch bewertet hatte. Er verzichtete bis auf den Stuttgarter Berkay Özcan auf weitere Verstärkungen.

Auch bei Wolfs Nachfolge waren sich Hoffmann und Becker anfangs nicht einig: der Vorsitzende wollte einen erfahrenen, renommierten Trainer, der Sportchef konnte sich erneut ein Trainertalent vorstellen. Hoffmann setzt mit dem neuerlichen, teuren Kurswechsel auf eine Art letzte Chance. Wenn das nicht klappt, wird auch er wohl gehen müssen. Nicht wenige Fans verübeln ihm, im Oktober den sehr populären Trainer Christian Titz entlassen zu haben. Dem hätten viele - anders als der Vorstand - vielleicht sogar einen verpassten Aufstieg verziehen.

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