Bundesliga-Start des HSVEin 0:0 als Beweis für Hamburgs Abenteuerbereitschaft

Lesezeit: 3 Min.

„Sehr, sehr, sehr, sehr gut gemacht“: Yussuf Poulsen war nach dem Spiel sehr zufrieden.
„Sehr, sehr, sehr, sehr gut gemacht“: Yussuf Poulsen war nach dem Spiel sehr zufrieden.
Frederic Scheidemann/Getty Images
  • Der Hamburger SV erkämpft sich bei seiner Bundesliga-Rückkehr nach sieben Jahren ein 0:0 bei Borussia Mönchengladbach.
  • Das torlose Remis wird vom HSV als Beweis für die Erstliga-Tauglichkeit des Kaders gewertet, nachdem es zuvor Zweifel aufgrund mäßiger Vorbereitungsspiele gab.
  • Am kommenden Freitag steht für den HSV das erste Bundesliga-Heimspiel seit Mai 2018 an, ein Stadtderby gegen den FC St. Pauli.
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Nach einer mäßigen Vorbereitung gab es beim Aufsteiger schon Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit des Kaders. Entsprechend groß ist beim HSV die Freude über das zäh erkämpfte Remis in Gladbach − und noch größer ist die Vorfreude aufs Stadtderby.

Von Ulrich Hartmann

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Merlin Polzin klang fast überschwänglich: „Viele Menschen, die es mit dem HSV halten, haben lange auf die Rückkehr in die Bundesliga gewartet“, sagte der Trainer des Hamburger SV in der Pressekonferenz nach dem 0:0 am Sonntagabend bei Borussia Mönchengladbach. „Und heute hat man gesehen, dass wir definitiv bereit sind für dieses Abenteuer in der Bundesliga.“

Der Gladbacher Trainer Gerardo Seoane wirkte leicht angesteckt von Polzins Überschwang. Er schien dem eloquenten jungen HSV-Coach etwas Bestätigendes und Motivierendes mit auf den Heimweg geben zu wollen und sagte auf dem Podium fast gönnerhaft zu ihm: „Glückwunsch zum Punkt!“ Dabei hätten Seoanes Gladbacher den ihren in der Schlussphase beinahe noch verloren. Der prominente HSV-Zugang Yussuf Poulsen, 31, der nach zwölf langen Jahren bei RB Leipzig nun auch in Hamburg ein Anführer werden soll, hatte jedenfalls ein paar Meter weiter im Kabinengang kurz zuvor nicht ganz zu Unrecht befunden: „Am Ende waren wir dem Sieg fast näher als die Gladbacher.“

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In der Pressekonferenz herrschte bei beiden Trainern gute Laune, dabei hatte das vorangegangene Auftaktspiel der Saison nicht nur keine Tore, sondern auch sonst wenig zu bieten gehabt. Das Fachmagazin Kicker vergab die Spielnote 5, die Partie hatte eher Zweitliga-Niveau, sie bot kaum kreativ herausgespielte Chancen, kaum individuelle Höhepunkte, kaum Anzeichen von Entertainment.

Der bisher letzte Erstliga-Heimsieg des HSV gegen St. Pauli liegt schon fast 24 Jahre zurück

Den Hamburgern genügte dieses Ergebnis verständlicherweise trotzdem. Sie hatten ihr Tor sauber halten wollten und schafften das auch deshalb, weil der Gladbacher Offensivabteilung so gar nichts einfiel. „Defensiv haben wir das sehr, sehr, sehr, sehr gut gemacht“, sagte der in der 74. Minute eingewechselte Poulsen. Er sagte wirklich viermal „sehr“. Auf Gladbacher Seite war man schlicht nicht in der Lage gewesen, mit dem Spielgestalter Kevin Stöger, dem neuen Mittelstürmer Haris Tabakovic (aus Hoffenheim) und mit den Flügelmännern Robin Hack und Franck Honorat mehr als ein Mal (Honorat, 28. Minute) richtig torgefährlich zu werden. Bei den Gastgebern zeigte man sich daher mit dem Unentschieden allenfalls zähneknirschend zufrieden. „Das Gute ist: Wir haben zu null gespielt“, sagte Borussia-Sportvorstand Roland Virkus, „als Nächstes müssen wir daran arbeiten, Torchancen zu kreieren.“

Sieben Jahre und drei Monate war es her gewesen, dass der HSV zuletzt ein Bundesligaspiel hatte bestreiten dürfen. Am 12. Mai 2018 hatte man im Volksparkstadion 2:1 gewonnen − gegen eine Gladbacher Borussia, bei der von damals heute nur noch der Innenverteidiger Nico Elvedi mitspielt. Trotz des Sieges war der HSV damals in die zweite Liga abgestiegen und hing dort sieben Jahre fest. Nun ist der einstige Bundesliga-Dino zurück im Oberhaus und wertet das 0:0 in Gladbach als Indiz für seine Wettbewerbsfähigkeit. „Wir haben den Skeptikern gezeigt, dass mit uns zu rechnen ist“, sagte Daniel Elfadli, der Abwehrchef und zentrale Innenverteidiger in der Hamburger Dreierkette.

Nach eher mauen Leistungen in der Vorbereitung und dem wahrlich glücklichen 2:1-Sieg in der Verlängerung im Pokalspiel beim Fünftligisten FK Pirmasens hatte es im HSV-Umfeld bereits hier und da Zweifel an der Erstliga-Tauglichkeit dieses Kaders gegeben. Das nun leidenschaftlich erkämpfte Remis im Borussia-Park genügt den Hamburgern als vorläufiger Gegenbeweis. „In der Vorbereitung haben wir von außen viel Ungewissheit gespürt“, sagte HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes. „umso mehr Freude herrscht bei uns jetzt über die Art und Weise, wie wir hier aufgetreten sind.“

Nun sollen vier Tage des Trainings, aber auch der Vorfreude folgen, denn bereits an diesem Freitag bestreitet der HSV sein erstes Bundesliga-Heimspiel seit Mai 2018, und zwar nicht irgendeines, sondern direkt das Stadtderby gegen den FC St. Pauli. Dieses Derby hat es in den vergangenen sieben Jahren zwar zwölfmal in der zweiten Liga gegeben, aber in der ersten Liga fand diese Hamburger Meisterschaft zuletzt im Februar 2011 statt. Der HSV verlor damals im Volkspark mit 0:1. Der bisher letzte HSV-Heimsieg gegen St. Pauli in der Bundesliga datiert vom 2. Dezember 2001.

Damals spielten für den HSV Fußballer wie Bernd Hollerbach, Sergej Barbarez, Jörg Albertz, Martin Pieckenhagen, Stig Töfting und Roy Präger. Fast 24 Jahre später werden nun Spieler wie Giorgi Gocholeishvili, Warmed Omari, Nicolas Capaldo, Jordan Torunarigha, Nicolai Remberg und Alexander Rössing-Lelesiit versuchen, ihnen das nachzumachen. Yussuf Poulsen sagt: „Ich freue mich unfassbar auf das erste Heimspiel, und dass das dann gleich ein Derby ist – besser geht’s ja gar nicht.“

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