Hamburger SV Die Hannes-Wolf-Lösung strahlt eine gewisse Lässigkeit aus

Soll den HSV zurück in die Bundesliga führen: Hannes Wolf.

(Foto: dpa)

Dem Hamburger SV ist es in den vergangenen Jahren selten gelungen, eine charmante Trainerentdeckung zu präsentieren. Aber Hannes Wolf verkörpert zwei unterschiedliche Branchenmodelle.

Kommentar von Christof Kneer

Im Sommer 2016 standen die Verantwortlichen des VfB Stuttgart vor einer doppelt schwierigen Aufgabe. Nicht ganz einfach war es ja schon, einen Trainer für einen Verein zu finden, der nach 41 Jahren erstmals wieder in die zweite Liga abgestiegen war. Was die Sache aber besonders knifflig machte: dass die Verantwortlichen gar nicht wussten, ob sie überhaupt die Verantwortlichen waren.

Mit dem Abstieg hatte es neben diesem Übergangstrainer, dessen Namen man heute schon fast vergessen hat (na... na... ah, genau: Kramny), auch den Sportvorstand Robin Dutt und den Präsidenten ... na... na ... ach ja: Bernd Wahler hinweg gerafft, und so mussten nun also der Marketing- und der Finanzvorstand gemeinsam mit dem hauseigenen Kommunikationsexperten sowie ein paar externen Souffleuren einen Trainer suchen. Von dieser verzweifelten Trainerfindungskommission war keine fantasievolle Lösung zu erwarten, und so kam am Ende, wer kommen musste: der Trainer Jos Luhukay, dessen Vita heutzutage nur noch verzweifelte Trainerfindungskommissionen beeindruckt. Mit drei Klubs war Luhukay schon in die erste Liga aufgestiegen, also - so dachten sich die Kommissionisten beim VfB - würde er es auch ein viertes Mal schaffen können.

Nach wenigen Wochen wurde Luhukay entlassen, unter anderem, weil er den gut ernährten Brasilianer Ronny verpflichten wollte (wahrscheinlich, um ein Übergewicht im Mittelfeld zu bekommen). Für Luhukay kam ein unbekannter Jugendtrainer namens Hannes Wolf in die Stadt. Ein Dreivierteljahr später war der VfB Stuttgart aufgestiegen.

Der Trainer findet eine stilistisch verwirrte Mannschaft vor

Im Herbst 2018 haben die Verantwortlichen des Hamburger SV nun eine Entscheidung getroffen, die belegt, dass irgendwer in der Branche ganz schön Humor haben muss: Inzwischen suchen ja die Hamburger einen Aufstiegstrainer, und sie haben sich dabei nicht an... na ... na... also: Jos Luhukay erinnert, sondern an Hannes Wolf, der jetzt plötzlich kein ehemaliger Jugendtrainer mehr ist, sondern einer, der aus eigener Erfahrung genau weiß, wie man aufsteigt.

Dem HSV ist es in den letzten paar Jahrtausenden selten gelungen, eine charmante Trainerlösung zu präsentieren, aber die Lösung mit dem smarten Wolf strahlt tatsächlich eine gewisse Lässigkeit aus: Zwei bislang unterschiedliche Branchenmodelle (routinierter Aufstiegscoach versus ambitionierter Jugendtrainer) bündeln sich hier in einer Person.

Es wird sich zeigen müssen, wer stärker ist: Wolf - oder der HSV, der dem Trainer eine schwierige und stilistisch verwirrte Elf vorsetzt. Der naive Ballbesitzfußball des Trainers Titz, davor die Rustikaldefensive des Trainers Hollerbach, davor die etwas eindimensionale Umschalt-Idee des Trainers Gisdol - diese Elf hat erfolglos alle Stilformen durch, und so scheint erst mal nur eines sicher zu sein: Dass der Spieler Lewis Holtby, obwohl Titz-Sympathisant, demnächst ein Interview geben und den neuen Trainer loben wird. Wolf sollte sich dann nichts drauf einbilden. Das macht Holtby immer so.

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