Hamburger SV Der HSV braucht jeden Cent

HSV-Hoffnungsträger in der zweiten Liga: Lewis Holtby (links) und Trainer Christian Titz.

(Foto: dpa)
  • Der Hamburger SV braucht in der zweiten Liga weiter jeden Cent - und träumt dabei von finanzieller Unabhängigkeit.
  • So soll unter anderem Filip Kostic, der serbische WM-Fahrer, dringend verkauft werden.
  • Das Verhältnis zum ungeliebten Investor Klaus-Michael Kühne ist weiterhin angespannt.
Von Jörg Marwedel, Hamburg

Selten haben 28 000 Zuschauer ihr Team nach einer 1:4-Niederlage so beklatscht wie die des Hamburger SV im Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern München. Auch dessen neuer Trainer Niko Kovac attestierte dem gerade erstmals aus der ersten Liga abgestiegenen Klub, er habe besonders in der ersten Halbzeit "auf Bundesliga-Niveau agiert". Eindrucksvoll war, dass der HSV mindestens so viele verheißungsvolle Talente aufs Feld schickte wie der Rekordmeister (beide setzten 22 Spieler ein). Eines davon war der vom FC Bayern umworbene Jann-Fiete Arp, der sich allmählich aus seinem Tief herauskämpft. Er hätte fast ein Tor erzielt und bereitete außerdem das 1:0 des HSV vor.

Zudem hat der HSV auch außerhalb der Stadt noch eine Menge Freunde. Etwa Kovac und FC-Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic, die einst auch mit der HSV-Raute aufliefen. Als sie einen Gegner zum Abschluss der Saisonvorbereitung suchten, hätten sie sich nur angeguckt und sich für Hamburg entschieden, offenbarte Kovac. Dann ergänzte er: "Der finanzielle Aspekt ist für den HSV ja auch nicht schlecht." Der Klub braucht bei seinem Ausflug in Liga zwei weiterhin jeden Cent, denn der Abstieg kostet für ein Jahr 20 Millionen Euro.

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250 000 Euro kamen nun in die Kasse, nachdem die Einnahmen aus dem Testspiel geteilt wurden. Auch der nun besiegelte Transfer des schwedischen WM-Teilnehmers Albin Ekdal für etwa 2,5 Millionen Euro an Sampdoria Genua hat die Verantwortlichen ein wenig aufatmen lassen. Denn die mit mehr als 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten belastete HSV Fußball AG hat noch immer Profis unter Vertrag, die sie sich eigentlich nicht leisten kann.

Das Verhältnis zwischen dem HSV und Kühne ist arg getrübt

Zum Beispiel Filip Kostic, den serbischen WM-Spieler, der zuletzt Gespräche mit dem VfL Wolfsburg und dem englischen Premier-League-Klub Burnley platzen ließ. Der teuerste Profi der HSV-Historie (er wurde 2016 für 14,5 Millionen Euro vom VfB Stuttgart abgelöst) hat quasi den Auftrag bekommen, sich einen neuen zahlungskräftigen Arbeitgeber zu suchen. Eingesetzt wird er vorsichtshalber nicht mehr.

Womit man mal wieder bei Klaus-Michael Kühne ist, dem Logistik-Unternehmer und Haupt-Anteilseigner an der Fußball AG. Kostic wurde vor rund zwei Jahren mit Kühnes Geld verpflichtet, weshalb er angeblich zwölf Millionen Euro zurück erhielte, würde der Linksaußen verkauft. Und darauf hat er bis vor kurzem auch bestanden, wenngleich er dem Hamburger Abendblatt in diesen Tagen mitteilen ließ: "Herr Kühne steht mit der HSV Fußball AG im Dialog und ist zuversichtlich, dass eine Regelung gefunden wird, die den wohlverstandenen Interessen aller Beteiligten gerecht wird." Überlässt er dem Klub also doch etwas mehr, als einst vereinbart?

Dabei ist das Verhältnis zwischen dem Milliardär und dem HSV wieder einmal arg getrübt. Kühne beklagt, dass die Führung es abgelehnt habe, seine Anteile im Sommer erneut aufzustocken. Nachdem er im April 2017 zur Rettung der Lizenz noch einmal Aktien dazu gekauft und im November 2017 seine Anteile erhöht hatte, wollte er seine Beteiligung im Juni erneut vergrößern. Wie sehr ihn die Ablehnung des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann getroffen hat, wurde jetzt in einem Interview mit der Sport-Bild deutlich: Anstatt sich durch eine Kapitalerhöhung zu stabilisieren, lebe man beim HSV "weiter von der Hand in den Mund", klagte Kühne. Man meine, "mit dieser B-Variante ans Ziel zu kommen". Aber das könne kaum klappen.

Kühne soll auf seine Sperrminorität verzichten

Hoffmann, einst Initiator des Kühne-Modells, will dagegen versuchen, aus dem HSV "wieder einen normalen Verein zu machen". Bei einer Erhöhung auf mehr als 24,9 Prozent hätte Kühne eine Sperrminorität und könnte Beschlüsse verhindern, die eine Dreiviertel-Mehrheit erfordern. Dann könnte der HSV keine zentrale Entscheidung mehr ohne Zustimmung seines Minderheitsaktionärs treffen. Hoffmann ließ Kühne bei einem Gespräch wissen, eine Erhöhung sei nur durchzusetzen, wenn die Mitglieder dafür stimmten. Zudem müsse der Investor auf die Sperrminorität verzichten und schriftlich einräumen, dass der HSV die Kühne-Anteile für den Ausgabepreis zurückkaufen könne.

Kühne soll laut Abendblatt zunächst zugestimmt haben, es sich aber am Tag danach anders überlegt haben. Seitdem gilt das Verhältnis zwischen dem HSV und seinem reichsten Fan als noch schwieriger. Für den Klub ist es bei diesem Status fast unmöglich, anstelle des launenhaften Kühne einen strategischen Partner ins Boot zu holen.

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