Hamburger SV Der Floskel-König stößt an seine Grenzen

"Wir wollen den Bock umstoßen", sagt Bernd Hollerbach gerne. Das Umstoßen klappt allerdings nicht so richtig.

(Foto: Christian Charisius/dpa)
  • Der HSV steht vor dem Heimspiel gegen Mainz 05 vor einem Schlüsselspiel um den Klassenverbleib.
  • Seit dem Amtsantritt von Trainer Bernd Hollerbach hat sich der Rückstand auf den Relegationsplatz auf sieben Punkte vergrößert.
  • Die Rettungsmaßnahmen des neuen Trainers kommen nicht bei jedem gut an.
Von Jörg Marwedel, Hamburg

Bernd Hollerbach ist derzeit außerhalb von Pressekonferenzen praktisch nicht zu sprechen. Der Trainer des Hamburger SV hat sich mit seinem Team zurückgezogen in das Golf-Hotel "Treudelberg" im vornehmen Alstertal. Wie es heißt, will er bei dieser Auszeit in der eigenen Stadt auch Team-Building-Maßnahmen und Einzelgespräche abhalten. Genaues weiß man nicht, ganz anders etwa als 2015. Damals hatte Bruno Labbadia bei zwei Mini-Trainingslagern in Malente Einblick in sein Rettungsprogramm gegeben. Auch die Spielerfrauen waren zu Gast, es gab ein Lagerfeuer, alles diente dazu, den Gemeinschaftssinn zu stärken.

Womöglich weiß Hollerbach, 48, inzwischen, dass er sich bei seinem vor gut fünf Wochen angetretenen Job überhoben hat, weil das Team längst dabei ist, weiter auseinanderzufallen. Vor dem Heimspiel gegen Mainz 05 am Samstag, bei dem es wohl um die letzte Chance auf den Klassenverbleib geht, hat auch er eine verheerende Bilanz vorzuweisen. Als er am 22. Januar seinen Dienst antrat, hatte der HSV nur einen Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz; fünf Spiele später, in denen Hamburg gerade mal zwei Zähler erkämpfte, sind es sieben. Das Fachmagazin Kicker hat ihm vorgehalten, dass auch er keine Impulse für die Wende geben konnte - "weder emotional noch handwerklich".

Im Aufsichtsrat herrscht Unordnung

Womöglich ist das auch schwer, wenn im Aufsichtsrat längst über die Ablösung des sportlichen Führungs-Trios Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender), Jens Todt (Sportdirektor) und eben Hollerbach diskutiert wird. Hinzu kommt, dass Letzterer selbst inzwischen 22 erfolglose Spiele als Trainer in Serie hinter sich hat. Auch bei den Würzburger Kickers, die er in die zweite Liga geführt hatte, folgten nach einer außergewöhnlich guten Hinrunde 17 Partien ohne einen Sieg - und am Ende der Abstieg.

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Es verdichten sich die Anzeichen, dass Hollerbach, der in Wolfsburg und Schalke "mehr war als ein Assistent", wie sein ehemaliger Chef Felix Magath erzählte, an seine Grenzen stößt. Dass er Hamburg als seine "zweite Heimat" bezeichnete, weil er dort als Profi acht schöne Jahre beim HSV verlebt hatte, wird ihm kaum helfen. Der Franke gilt jetzt schon als Floskel-König. Sein Lieblingsspruch ist: "Wir wollen den Bock umstoßen." Doch der Bock steht immer noch. Hollerbach hat dem Team in der Defensive eine gewisse Stabilität gegeben, das war aber auch seinem Vorgänger Markus Gisdol weitgehend geglückt. Die Offensive aber hat Hollerbach auch nicht verbessern können.

Was der aktuelle Trainer, der mit einem Vertrag bis 2019 sogar für die zweite Liga ausgestattet wurde, anders macht als Gisdol, kam nicht bei jedem gut an. Den Hockey-Olympiasieger Tobias Hauke hat er als Teammanager ausgemustert und dafür seine langjährige Weggefährtin Maria Wallenborn zum HSV geholt. Die begleitete ihn schon in Wolfsburg und Würzburg. Wallenborn deckt organisatorische Themen der Mannschaft ab, unterstützt aber auch Hollerbach bei der Gestaltung seines Arbeitstages.