Hamburger SV: Armin Veh:"Eines Aufsichtsrates unwürdig"

Hauptkritikpunkt ist nicht allein die Trennung von Hoffmann, sondern mehr noch das amateurhafte Vorgehen. "Es ist eines Aufsichtsrates unwürdig, nur eine Entscheidung gegen etwas zu treffen, ohne eine Alternative zu haben", heißt es in dem Aufruf. Daran zeige sich, dass es hier "nur um Eigeninteressen geht und nicht um das Wohl des Vereins". So wird beispielsweise dem neuen Rat Marek Erhardt unterstellt, er habe mit seinem Nein zu Hoffmann nur Rache nehmen wollen, weil ihn der Vorstand 2008 als Stadionsprecher abgesetzt habe.

Erhardt, Schauspieler und Enkel des Komikers Heinz Erhardt, brachte es auf diese Weise sogar zum Aufmacher der Hamburger Morgenpost. Hätte er - anders als die offenen Hoffmann-Gegner Jürgen Hunke, Manfred Ertel, Hans-Ulrich Klüver und Björn Floberg - für eine Verlängerung mit Hoffmann/Kraus wenigstens für ein Jahr gestimmt, wäre die derzeitige Konfusion ausgeblieben - denn dann hätte das Duo die notwendige 8:4-Mehrheit gehabt. Nun aber ist es schwer vorstellbar, dass Hoffmann und Kraus noch das Feld für ihre Nachfolger nachhaltig bestellen wollen.

Vermutlich ist Rieckhoff also ziemlich allein mit der Vorstellung, die "Alten" würden die Sache "hoch professionell" abarbeiten, wie er am Dienstag wiederholte. Seine ehrliche Antwort, man habe derzeit keine Alternative und man wolle "irgendwann im Laufe des Jahres einen Nachfolger präsentieren", ist nicht viel anders als die Aussage eines Magiers, der behauptet, der Ball finde auch ohne Regisseur ins gegnerische Tor.

Der Spielerberater Volker Struth sieht bei der derzeitigen Situation "längerfristigen Schaden" auf den Verein zukommen. Die meisten Klubs seien in ihren Planungen für die nächste Saison schon weit, sagte er, aber beim HSV sei derzeit "das Schwierige, dass man keinen konkreten Ansprechpartner hat". Nicht nur, weil man den bisherigen Sportchef Bastian Reinhardt entmachtet hat und der wichtigste Mann der Zukunft, der künftige Sportchef Frank Arnesen, noch beim FC Chelsea weilt. Sondern auch, weil es mit dem Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden "nicht einfacher" werde.

Der zuletzt mäßig erfolgreiche Fußballlehrer Armin Veh wird sich mit derlei Problemen bald nicht mehr herumschlagen. Er sagte nur: "Hier herrscht Unruhe, die ich so noch nie erlebt habe." Sein Team steht derzeit auf Rang sieben, zum angestrebten Europa-League-Platz fehlen in der Bundesliga fünf Punkte. Am Samstag geht's zum FC Bayern, wo der HSV auf eine interessante Parallele trifft. Auch der dortige Trainer, Louis van Gaal, weiß wie Veh, dass er in Kürze gehen wird.

© SZ vom 09.03.2011/ebc
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