Vier Tore in der Champions League:Haller glänzt in allen Disziplinen

Champions League - Group C - Sporting Lisbon v Ajax

Sébastien Haller (Mitte) war nicht aufzuhalten in Lissabon: Vier Tore, da kommt man mit dem Zählen fast durcheinander.

(Foto: PEDRO NUNES/REUTERS)

Huntelaar hört auf, der nächste große Stürmer bei Ajax ist schon in Sicht: Sébastien Hallers vier Treffer in Lissabon bringen ihn in illustre Gesellschaft - dabei war er bisher ein Mann für die zweite Reihe.

Von Jonas Beckenkamp

Vielleicht müssen sie sich beim Amsterdamsche Football Club Ajax jetzt erst einmal wieder sortieren, es war ja schon ein bisschen viel los die letzten Tage. Erst verbot die Uefa dem Klub, in der Champions League mit Bob-Marley-Symbolik aufzulaufen. Drei kleine Vögel und drei Kreuze in den Farben rot, gelb und grün auf dem schwarzen Ausweichtrikot, diese Reminiszenz an die Reggae-Hymne "Three Little Birds" war dem europäischen Verband dann doch zu bunt.

Dann folgte am Dienstag die Ankündigung von Klaas-Jan Huntelaar, mit 38 seine lange Zeit strahlende Karriere zu beenden. Nach weit mehr als 100 Toren in all den Jahren für Ajax kann man ihn durchaus als Legende des Vereins bezeichnen. Und schließlich bewies sein Nachfolger Sébastien Haller in Lissabon, dass es dem ruhmreichsten Klub der Niederlande auch in Zukunft nicht an fähigen Angreifern fehlen wird.

Vier Tore gelangen dem früheren Frankfurter zum Auftakt in die neue Champions-League-Saison beim 5:1 (3:1) gegen Sporting, den Meister Portugals. Haller überrollte das Heimteam im Estádio José Alvalade fast ganz alleine (die weiteren Tore erzielten Steven Berghuis für Ajax und Paulinho für Sporting).

"Es war tatsächlich das beste Spiel meiner Karriere"

Er zeigte sich bei seiner Gala als Meister in allen Disziplinen: Er traf per Kopf, mit rechts, mit links, und wenn die Partie noch weiter gegangen wäre, hätte er wohl auch mit Nase und Ohrläppchen noch einen reingemacht. Haller hatte schlicht einen dieser Abende erwischt.

"Im ersten Spiel, dass ich in der Champions League spiele, treffe ich viermal und werde zum Mann des Spiels gewählt", sagte er hinterher einigermaßen überwältigt im niederländischen TV. "Es könnte besser nicht sein. Das fühlt sich wirklich großartig an." Haller ist als Stürmer ja schon eine Weile unterwegs in Europas Fußball - nur eben nicht ganz oben.

Geboren als Sohn eines Franzosen und einer Ivorerin vor den Toren von Paris, großgeworden bei AJ Auxerre, Stationen beim FC Utrecht, in Frankfurt und bei West Ham United. Der Schlaks mit den breiten Schultern war bisher meist ein Mann für die Klubs aus der zweiten Reihe.

In diesem Sommer holte ihn Ajax für geschätzte 22,5 Millionen Euro aus England, wo er zuletzt fürstlich verdiente, aber die Königsklasse knapp verpasst hatte. Haller verbrachte viel Zeit auf der Bank, für einen Typ mit seinem Können zu viel. Dass er nun als Spätstarter auch die größte Bühne des Klubfußballs kennenlernen darf, führte bei ihm zu Gefühlswallungen im Superlativ. "Das war eine Art Traum. Es war tatsächlich das beste Spiel meiner Karriere", erklärte Haller, der auch in der Eredivisie prächtig in die Saison gestartet ist (vier Treffer in vier Partien).

In der Champions League tummelt er sich jetzt sogar unter den ganz Großen: In einer Reihe mit Cristiano Ronaldo, Robert Lewandowski, Marco van Basten oder auch Zlatan Ibrahimovic. All diese nimmermüden Rekordmänner trafen in Europas Eliteklub ebenfalls vierfach in einem Spiel. Fünf Treffer in einer Partie gelangen seit Einführung der Königsklasse in diesem Wettbewerb übrigens nur Messi (2012 gegen Leverkusen) und dem Brasilianer Luiz Adriano (mit Donezk 2014 gegen Bate Borrissow).

Dass solche Ein-Mann-Büffelherden beim Gegner auch einen gewissen Schaden hinterlassen, verriet anderntags ein Blick in die portugiesische Presse: Sporting sei schlichtweg "terrorisiert" worden vom Quälgeist Haller, schrieb das Blatt A Bola. Bei der Zeitung Record lautete das Fazit: "Sporting wurde plattgewalzt". Das klang harsch, war aber anerkennend gemeint.

© SZ/klef
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