Hallenhockey:Das Feuer brennt

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Hallenhockey: Die erste eigene Geschichte: Der Münchner SC, hier Julius Mayer, hat den Ligaverbleib im Schlussspurt geschafft.

Die erste eigene Geschichte: Der Münchner SC, hier Julius Mayer, hat den Ligaverbleib im Schlussspurt geschafft.

(Foto: Juergen Kessler/imago)

Die Hockey-Männer des Münchner Sportclubs bleiben in der Halle erstklassig, Nürnberg steigt in die zweite Liga ab.

Von Katrin Freiburghaus

Die Hockey-Männer des Münchner Sportclubs und den Abstiegskampf in der ersten Hallenbundesliga verbindet seit Jahren eine außergewöhnlich leidenschaftliche Beziehung. Ob Rettung in letzter Minute, letzter Sekunde oder durch unverhoffte Schützenhilfe der Konkurrenz: Es gibt wenig, was die Münchner bisher an Dramatik ausgelassen hätten. Für den extrem jungen und in der Halle großteils unerfahrenen Kader war der diesjährige Klassenerhalt durch das 6:4 (4:2) am vergangenen Sonntag gegen Frankenthal hingegen ein Novum - und aus Sicht von Trainer Patrick Fritsche weit mehr als der glückliche Ausgang einer turbulenten Indoor-Saison. "Jetzt hat diese Mannschaft endlich die erste eigene Geschichte, die sie erzählen kann", sagte der 32-Jährige.

Aus dramaturgischer Sicht kann sie mit dem bisherigen MSC-Kanon durchaus mithalten. Denn lange hatte es auch in dieser Saison gedauert. Nach diversen coronabedingten Spielverschiebungen war die Südstaffel mit ihrer Abstiegsentscheidung so spät dran, dass die Datenbank des Deutschen Hockey-Bundes die Spielzeit bereits vor dem finalen Fernduell zwischen MSC und dem Nürnberger HTC für beendet erklärt hatte. Durch aus technischen Gründen nötige Platzhalter-Ergebnisse hatte der MSC den Nimbus der Unabsteigbaren zumindest im Internet bereits am Freitag gewahrt. In der Realität hatte er noch bis zum frühen Sonntagnachmittag gezittert. Denn die Nürnberger hatten ihre Chancen aufgrund der tabellarischen Ausgangslage von einem Zähler Rückstand zwar selbst als gering eingestuft, sich aber keinesfalls aufgegeben.

Für den letzten Spieltag mobilisierten sie noch einmal alle Kräfte und holten unter anderem Olympiasieger Christopher Wesley zurück in den Kader. Ihre Bemühungen wurden am Samstag mit einem 11:9 gegen Frankenthal belohnt. Auf diese Weise gelang dem NHTC mit je einem Erfolg im ersten und letzten Saisonspiel eine interessante statistische Stilfigur, für den Klassenerhalt waren die sechs Punkte aber zu wenig. Die Leistungssteigerung im letzten Saisonspiel kam zu spät, um den MSC noch einmal unter Druck zu setzen. Die Münchner waren trotz ihres knappen Vorsprungs sehr selbstbewusst in ihr Duell mit Frankenthal gegangen.

Stefan Kermas, der den MSC betreut hatte, während Fritsche zu Saisonbeginn als Assistenztrainer der U21-Nationalmannschaft in Indien gewesen war, hatte vor der Partie gesagt: "Die Mannschaft wird immer besser, die Geschichte ist bisher großartig - und deshalb werden wir sie auch großartig beenden." Tatsächlich setzte das Team den spielerischen Aufwärtstrend der vergangenen Wochen fort und belohnte sich - anders als noch im ergebnistechnisch ernüchternden Dezember - auch mit dem entsprechenden Ergebnis.

"Wir wussten, dass das mit einer Mannschaft, in der sieben von zehn Spielern keine Bundesliga-Erfahrung haben, kein Selbstläufer wird, aber die Lernkurve war steil"

Drei Routiniers waren nach dem Jahreswechsel als Unterstützung ins Team zurückgekehrt, darunter Torwart Felix Reuss, der gegen Frankenthal erneut eine starke Leistung als Torwart und "Trainer auf dem Feld" zeigte, wie es Fritsche formulierte. Die Entscheidung für Reuss war keine sportliche gewesen. "Die Torwartleistungen waren ja völlig in Ordnung", sagte Reuss, "aber mein Spiel ist es, laut zu sein und viel zu coachen, das fehlte der jungen Truppe." Kermas klang mit Blick auf die anstehende Hockey-Pause fast wehmütig. "Wir wussten, dass das mit einer Mannschaft, in der sieben von zehn Spielern keine Bundesliga-Erfahrung haben, kein Selbstläufer wird, aber die Lernkurve war steil", sagte er, "wenn wir jetzt noch vier Wochen weiterspielen würde, würden wir noch mehr gewinnen; ich freue mich darauf, die Jungs nächste Saison mit einem Jahr mehr Erfahrung spielen zu sehen."

Auch Fritsche richtete den Blick bereits in die Zukunft, allerdings zunächst auf die Feldrückrunde im Frühjahr, an deren Ende der Aufstieg und damit ebenfalls Erstklassigkeit stehen soll. Im vergangenen Jahr hatte der Saisonabbruch die Münchner Hoffnungen noch zunichte gemacht. Das Erlebte in der Halle wertete Fritsche als gute Grundlage für den nächsten Versuch: "Es gab in dieser Mannschaft immer wieder diesen Funken, aber das Feuer ist noch nie richtig angegangen. Das hier ist die erste große gemeinsame Party nach dem Generationswechsel." Es war eine hübsche humoristische Randnotiz, dass als Kabinen-DJ ausgerechnet der reaktivierte Reuss eingeteilt wurde. Aber sicher ist sicher.

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