Halbfinalisten der Snooker-WM:Experten für Hochrisiko-Bälle

Shaun Murphy ist erst erfolgreich, seit er weniger Schokolade isst, Judd Trump spielt frech wie kein anderer. Wer sind die vier Halbfinalisten bei der Snooker-WM? Die Spieler im Kurzporträt.

Von Carsten Eberts

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Judd Trump

2015 Betfred World Snooker Championship - Day 5

Quelle: Getty Images

Das Halbfinale der Snooker-WM in Sheffield steht fest und es sind Überraschungen dabei. Viele hatten Ronnie O'Sullivan hier erwartet, Neil Robertson oder Mark Selby - doch sie alle sind ausgeschieden. Dafür kämpfen Judd Trump, Shaun Murphy, Barry Hawkins und Stuart Bingham um den Einzug ins Finale. Wer hat die besten Chancen? Die Halbfinalisten in Kurzporträts.

Wenn Ronnie O'Sullivan eine Safety spielt, also einen sicher abgelegten Ball, trügt ihn sein Gefühl selten. Ein Ball an der Kopfbande, weit weg von den roten Kugeln, da kann der Gegner in der Regel nicht viel tun - es sei denn, er heißt Judd Trump. Diese Geschichte hat O'Sullivan erzählt und sie zeigt seine Hochachtung für den erst 25-jährigen Briten. Trump ist der risikofreudigste aller Halbfinalisten in Sheffield. Frech nimmt er sich Bälle, die sich sonst keiner nimmt. Seine Spielweise folgt dem Motto "Alles oder nichts", wobei selten "nichts" dabei herauskommt.

Geht Trumps Spiel auf, überrollt er seine Gegner, so wie Ding Junhui im Viertelfinale, den er mit 13:4 nach Hause schickte. Er agiert taktisch gewiefter als vor vier Jahren, als er schon einmal im WM-Finale stand und gegen den ausgebufften John Higgins verlor. In diesem Jahr dürfte der WM-Titel nur über ihn gehen. Nicht nur O'Sullivan sieht in ihm "momentan den Spieler, der vorne ist". Ins Halbfinale gegen Stuart Bingham geht er als klarer Favorit.

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Stuart Bingham

2015 Betfred World Snooker Championship - Day 12

Quelle: Getty Images

Er ist die Überraschung unter den vier Halbfinalisten: Stuart Bingham. Ein grundsolider Snookerprofi, der schon die Nummer vier der Weltrangliste war. 38 Jahre alt, seit 1995 Profi. Trotzdem konnte Bingham, Spitzname "Ball-run", erst zwei Ranglistenturniere gewinnen, zuletzt 2014 in Shanghai. Auf der Tour ist er überaus beliebt, allerdings galt er lange als nervenschwach, wenn es in die entscheidenden Frames ging. Da hat er an sich gearbeitet. Sein Spiel ist weder spektakulär noch inspirierend, aber: sehr solide.

Das kann seine Gegner zur Verzweiflung bringen, wenn sie Bingham fordern und triezen, der aber einfach keine Fehler machen will. So wie gegen Ronnie O'Sullivan im Viertelfinale dieser WM, als Bingham in einer ganz starken dritten Session davonzog und den fünffachen Weltmeister mit 13:9 nach Hause schickte. Natürlich weiß auch Bingham, dass er O'Sullivan an einem seiner schwächeren Tage erwischt hat. Und so weiß Bingham auch, dass Favoriten auf den Titel weiter andere sind.

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Shaun Murphy

2015 Betfred World Snooker Championship - Day 12

Quelle: Getty Images

Shaun Murphy ist ein Schwergewicht der Szene, aber erst, seit er kräftig abgenommen hat. Vor etwas über einem Jahr befand sich der bis dahin eher dickliche Engländer an einem Scheideweg. Sollte er als Profi aufhören? Oder sein Leben komplett umkrempeln? Glücklicherweise entschied sich Murphy, 32, für die zweite Option. Seitdem isst er nicht nur weniger Schokolade, sein Spiel ist auch facettenreicher geworden. Nach Hochrisiko-Snooker zu Karrierebeginn, als er zwar 2005 als ungesetzter Spieler Weltmeister wurde, spielt Murphy mittlerweile kontrollierter, taktischer, mehr auf Absicherung bedacht.

Im Januar holte er das Masters in London und darf sich seitdem Mitglied der "Triple Crown" nennen, also jener Spieler, die die drei größten Turniere (WM, Masters, UK Championship) gewinnen konnten. Bei dieser WM zeigte er im Viertelfinale dem aufstrebenden Anthony McGill mit 13:8 die Grenzen auf, als er mit zwei Century-Breaks startete und sicher ins Halbfinale einzog. Dort trifft er auf Barry Hawkins.

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Barry Hawkins

2015 Betfred World Snooker Championship - Day 12

Quelle: Getty Images

Die Spielstile der besten Snookerprofis der Welt sind bis ins Detail ausgeleuchtet. Bei Barry Hawkins ist den Experten eine Besonderheit aufgefallen: Der 36-jährige Brite ist Linkshänder; braucht er für komplizierte Bälle aber eine Verlängerungshilfe für seinen Queue, stellt er auf die rechte Hand um - sein Zielauge, mit dem er den Ball erfasst, ist nämlich das rechte. Abseits dieser Spitzfindigkeiten ist über den stets freundlichen Hawkins bekannt, dass er seit Jahren zur erweiterten Weltspitze gehört - auch wenn ihm die ganz großen Erfolge verwehrt blieben. 2013 stand er im WM-Finale. Gelingt dem Weltranglistenfünften in diesem Jahr der große Coup?

Denkbar. Auch wenn bei den Buchmachern Trump und Murphy als Titelkandidaten gehandelt werden, hat Hawkins im hochklassigen Viertelfinale gegen Neil Robertson gezeigt, in welch formidabler Form er sich befindet. Beide Spieler pfefferten sich hohe Breaks um die Ohren, am Ende siegte Hawkins gegen den favorisierten Australier nervenstark mit 13:12. Gewinnt er nun gegen Murphy, ist ihm auch der Titel zuzutrauen.

Die Halbfinals bei der Snooker-WM werden ab Donnerstag, 14 Uhr, ausgespielt. Das Finale beginnt am Sonntag, 15 Uhr, mit der ersten Session. Die vierte und entscheidende Session startet am Montag um 20 Uhr.

© Süddeutsche.de/ebc/sonn/rus
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