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Halbfinale der Fußball-EM:Der Vorherbestimmte

"Es ist wichtig, dass man ihn wie eine Person und nicht wie eine Persönlichkeit behandelt", sagt Deschamps. Das geht aber längst nicht mehr. Sambou Tati, Pogbas Jugendtrainer beim Pariser Vorstadtklub US Roissy, hat im Sender Eurosport kürzlich einen Lagebericht von der Basis geliefert: "Hier will jeder wie Paul Pogba sein, bis hin zur Frisur", sagte er: "Paul ist eine Ikone, ein Idol. Die Kids reden von nichts anderem mehr als von ihm."

Frisurentechnisch ist es noch relativ einfach, wie Pogba zu sein. Man muss sich alle paar Tage ein neues Muster in die Schläfen rasieren und färben. Im Eröffnungsspiel zierte sein Haupt ein gallischer Hahn. Pogbas Weg ist schon schwerer zu kopieren: mit 16 von Le Havre in die Jugend von Manchester United und dann weiter zu Juventus Turin. Und sein Talent gibt es so vielleicht wirklich kein zweites Mal. In Italien haben sie für Alleskönner wie ihn einen Begriff aus dem eher semi-weltlichen Bereich: predestinato. Vorherbestimmt.

"Sir Alex verdanke ich gar nichts"

Mit dem Wirbel muss man halt leben. In Manchester kam er kaum zum Zug, und als sein Vertrag auslief, rief er der Trainerlegende Alex Ferguson hinterher: "Sir Alex verdanke ich gar nichts." Darauf Ferguson: "Es wäre mir am liebsten, Pogba wäre weit weg." Da ist es nicht ohne Ironie, dass sich United jetzt wieder um ihn bemüht. In England heißt es, Ed Woodward, der Exekutivdirektor, habe bereits Kontakt aufgenommen, und in Italien heißt es, Juve sei nicht abgeneigt, Pogba trotz eines Vertrages bis 2019 ziehen zu lassen. Ab einer gewissen Summe natürlich. So um die 100 Millionen Euro. Einen Jugendlichen in Le Havre zu entdecken und ihn jetzt für 100 Millionen noch mal zu kaufen: Den Vorwurf, normal zu sein, müsste Pogba nicht fürchten, käme es dazu. Eigentlich würde er aber lieber zu Real Madrid.

Und bei aller Exzentrik: Wer mit Pogba zu tun hat, der preist neben seinem Talent vor allem seine Professionalität. Eigener Ernährungsberater, eigener Koch, und jede Menge Extraschichten. Doch, er meint das mit dem Weltfußballer ernst. Er sollte sich halt bloß nicht immer einreden, er müsse auf dem Platz alles besonders spektakulär machen. "Paul, joue simple", ruft der Trainer Deschamps seiner Spitzhacke häufig zu. Spiel einfach!

Spitzhacke, den Namen haben ihm seine zwei Drillingsbrüder gegeben. "La pioche" ist eine Figur in einer Fernsehserie, die sie früher gern gesehen haben. Sie hüpft herum und macht die ganze Stadt platt. Das Bild, findet Paul Pogba, passt doch super zu ihm.