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Hängende Spitze:Mount Magath muss bleiben!

Der berühmte Hügel, den der berühmteste Quälix der Welt einst errichten ließ, hat seine Daseinsberechtigung - als Monument, als Erinnerung daran, dass doch mal wieder was gehen könnte gegen die Allmacht des FC Bayern.

Von Klaus Hoeltzenbein

Dass Felix Magath, 66, heute noch hoch hinaus will, ist in seiner aktuellen Berufsbezeichnung dokumentiert. Bei den Würzburger Kickers hat er jüngst als "Head of Global Soccer" angefangen. An Pfingsten waren Magaths Globetrotter im platten Emsland unterwegs, beim SV Meppen gab es ein 3:1. Sollte es raus aus der dritten Liga gehen, wären die Kickers bereits in Heidenheim und Sandhausen angelangt, in globalen Zentren des Zweitliga-Fußballs. In Würzburg selbst, dies sei erwähnt, geht, was Höhenluft betrifft, nicht viel: Über den Weinreben thront die Festung Marienberg, doch nur bescheidene hundert Meter überm Main.

Das könnte dem Felix auf Dauer zu wenig sein. Wer außer ihm kann von sich behaupten, einen Berg erbaut zu haben? Keine zweite Zugspitze zwar, doch viel, viel mehr als nur einen Sandberg am Strand. Einen Berg, der sogar nach ihm benannt worden ist: einen Mount Magath.

In die Wiege gelegt war ihm das Bergbauen nicht. Geboren ist Felix, aus dem der Quälix werden sollte, in Aschaffenburg, also knapp oberhalb von Meppen. Es verschlug ihn nach Hamburg, wo es 1983 immerhin gelang, Europas höchsten Fußball-Gipfel zu erklimmen und mit dem HSV den Cup der Landesmeister zu gewinnen. Aller Ehren wert, doch für die Bergwertung gab das keine Punkte, auch nicht auf Offenbachs Bieberer Berg oder Gladbachs Bökelberg, wo der Spieler Magath vorbeischaute. Der Bökelberg war nicht mal ein Berg, er war eine Grube. Und Kaiserslauterns Betzenberg wurde zwar gefürchtet, aber auch der liegt gerade mal 285 Meter über Null.

Ein Berg, der ein Berg sein will, ist kaum unter 1722 Metern zu haben. So hoch jedenfalls ist der Wallberg am Tegernsee. Dort, so geht die Legende, habe der Trainer Magath die Basis für die Meisterschaften des FC Bayern 2005 und 2006 gelegt. Im Tal ließ er die Lucios, Schweinsteigers und den Roy Makaay unter schnaufendem Protest Medizinbälle schleppen, anschließend durften sie den Wallberg zu Fuß erklimmen. Die Seilbahn knarzte nebendran.

Seine Idee vom Berg hat Magath später ins platte Niedersachsen exportiert. Im Frühjahr 2009 ließ er den "Hügel der Leiden" aufschütten, mit Kletterstufen an den Seiten und zwei Sprintbahnen, die bis auf 3,5 Meter Höhe führen - alsbald war Quälix Felix deutscher Meister. Mit Wolfsburg! Demnächst aber sollen die Bagger kommen, es heißt, Mt. Magath werde abgetragen, er stehe nur noch nutzlos rum.

Man sollte ihn stehen lassen. Als Monument, als Erinnerung daran, dass doch mal wieder was gehen könnte gegen die Allmacht des FC Bayern. Man muss nur Berge versetzen. Denn den Bayern gehören nun mal die Alpen.

© SZ vom 02.06.2020

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