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Hängende Spitze:Komische kölsche Oper

Der Manager einer rheinischen Fußballmannschaft, die in einem ganz bestimmten westfälischen Stadion 29 Jahre lang kein Spiel mehr hat gewinnen können, will den Bannstrahl endlich brechen. Als es ihm gelingt, wird er als Held gefeiert.

Glosse von Ulrich Hartmann

Idee für eine Fußball-Oper, mystisch angehaucht, Arbeitstitel "Der doppelte Freischütz": Der Manager einer rheinischen Fußballmannschaft, die in einem ganz bestimmten westfälischen Stadion 29 Jahre lang kein Spiel mehr hat gewinnen können, will den Bannstrahl endlich brechen (1. Akt: "Verflucht sein woll'n wir nimmermehr"). Zu diesem Zweck gießt er in der Nacht vor dem Spiel im Keller jenes Hauses am Borsigplatz, in dem der gegnerische Verein in einer Gaststätte namens "Wildschütz" einst gegründet wurde, zwei Freikugeln, jede für einen Treffer (2. Akt: "Den Eckball drück' ruhig zwei Mal rein!").

Als das Ritual im Keller zu eskalieren droht, gibt sich der Manager den dunklen Mächten zu erkennen - als einer jener Spieler, die vor 29 Jahren, beim bisher letzten Sieg der rheinischen Elf in besagtem Stadion, selbst mit auf dem Platz gestanden haben (Intermezzo: "Weiß gut, wovon ich singe hier"). Tags darauf wird das Spiel in einer gespenstisch leeren Arena ausgetragen. Der leidgeprüften Mannschaft gelingen tatsächlich zwei Treffer und der umjubelte Sieg. Der Manager wird als Heldt gefeiert (Heldten-Arie: "Wenn zum Prinzen Ihr mich macht, mein Herz noch 100 Jahre lacht"). Im großen Finale werden die historischen beiden Treffer in Zeitlupe gezeigt, dazu hängen die Darsteller an dünnen Seilen. Der Schütze steht zweimal sträflich frei. (Chor: "Unser Frei-Schütz lebe hoch").

Das Schlusslied gebührt dem erleichterten Trainer (eher gerappt als gesungen: "Die Serie ist vorbei, ein Anfang ist gemacht, wir sind nicht mehr verflucht, das Glück kam über Nacht"). Dreifacher Tusch. Vorhang. Applaus. Uraufführung: 28. November 2021 im Brauhaus "Päffgen".

© SZ vom 30.11.2020
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