SpVgg UnterhachingFast schon alte Hasen

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Eingespieltes Duo: Leander Popp mit Fabio Torsiello (Nummer 11) beim U19-Freundschaftsspiel Deutschland gegen Dänemark im vergangenen Mai.
Eingespieltes Duo: Leander Popp mit Fabio Torsiello (Nummer 11) beim U19-Freundschaftsspiel Deutschland gegen Dänemark im vergangenen Mai. Niklas Heiden/Imago

Trotz des 1:3 in Ingolstadt macht sich beim Drittliga-Schlusslicht eine Jetzt-erst-recht-Stimmung breit. Verantwortlich dafür sind auch die geliehenen U19-Nationalspieler Fabio Torsiello und Leander Popp. Das Duo ist in jeglicher Hinsicht ein Gewinn – auch in finanzieller.

Von Christoph Leischwitz

Heiko Herrlich schloss sein Statement zum Spiel mit dem Satz: „Jetzt erst recht.“ Das war an sich schon beachtlich. Der ehemalige Bundesliga-Trainer hatte die SpVgg Unterhaching in der Winterpause übernommen, als sie auf dem letzten Tabellenplatz stand. Diesen letzten Platz hatten sie am Sonntag beim FC Ingolstadt auch gefestigt, mit einem frustrierenden 1:3 – fünf Punkte fehlen schon auf den Vorletzten der dritten Liga. Aber es war auch so, dass die Mannschaft erstmals seit langer Zeit nicht mehr spielte wie ein Absteiger, sie hatte vielmehr unglücklich verloren. Das mag auch in gewisser Hinsicht der Anleitung des neuen Trainers geschuldet sein, für die Jetzt-erst-recht-Stimmung waren aber vor allem zwei Personen ausschlaggebend, die zusammen nicht annähernd so alt sind wie der 53-jährige Herrlich.

Wozu doch Testspiele manchmal gut sind. Anfang Januar begann das Arbeitsjahr der Spielvereinigung mit einem 0:0 gegen Greuther Fürth. In der zweiten Halbzeit fiel den Hachingern ein 19-jähriger Gegenspieler auf, der auf dem Flügel mächtig Betrieb machte. Sie erkundigten sich, weil Leandro Popp beim Kleeblatt kaum zum Einsatz gekommen war, selbst in der zweiten Mannschaft nur selten. SpVgg-Präsident Manfred Schwabl ließ seine guten Kontakte zu Fürths Sportdirektor Stephan Fürstner spielen. Über Popps Spielerberatung tat sich noch eine zweite Personalie auf, und am vergangenen Donnerstag trainierten Popp und der Deutsch-Italiener Fabio Torsiello erstmals in Haching mit.

Die beiden kennen sich, sie debütierten im vergangenen Herbst zeitgleich in der deutschen U19-Nationalmannschaft, Torsiello gelang beim 1:5 gegen Dänemark sogar das Tor. Das fehlte freilich am Sonntag in Ingolstadt noch, weil die Schanzer auch den Gegentreffer erzielten – ins eigene Tor. Aber: „Ich finde, wir haben es ganz gut gemacht. Das einzige Problem ist, die Chancen zu nutzen“, sagte Popp im Kabinentrakt nach dem Spiel. Die beiden hatten zahlreiche Abschlüsse, Torsiello verfehlte nach nur drei Minuten mit einem Heber den leeren Kasten. „Wir haben versucht, die ganze Zeit Druck zu machen, da zu sein, Tempo reinzubringen“, fasste Popp zusammen.

In diesen Tagen ist viel in Bewegung in der dritten Liga. Gerade die Teams im Abstiegskampf versuchen, ihre Kader zu optimieren, wie auch das Hickhack um den ehemaligen Haching-Stürmer Patrick Hobsch beweist, der jetzt für Sechzig spielt und von Rot-Weiss Essen umworben wird. Zu Beginn stellt sich dabei immer die Frage, was man sich leisten kann. Umso überraschender ist es deshalb, dass die beiden Vorstadt-Zugänge quasi nichts kosten, obwohl sie, das zeigt sich schon jetzt, die Mannschaft eindeutig besser machen: Popp als Flügelangreifer, Torsiello als Mittelstürmer. Wobei die beiden auch getrost die Positionen tauschen könnten. „Das ist eine Win-win-Situation“, erklärt Präsident Schwabl auf Nachfrage.

Mit Geld kann Haching wahrlich nicht locken, aber mit einer De-facto-Einsatzgarantie. Popp in Fürth und Torsiello in Darmstadt sollen nicht abgegeben werden, also werden sie verliehen. Torsiello übrigens bringt es immerhin schon auf 160 Abstiegskampf-Einsatzminuten – in der ersten Bundesliga. Offensichtlich hat er bei den Lilien aber nicht nur große Konkurrenz, sondern in Florian Kohfeldt einen nicht ganz so wohlgesonnenen Trainer, wie es davor Torsten Lieberknecht gewesen war. Das Preis-Leistungs-Verhältnis darf fast schon als sensationell gelten: Laut Schwabl zahlt der Verein lediglich ein gewöhnliches Gehalt. Das wiederum wird aber zu einem guten Teil kompensiert durch den DFB-Fördertopf, der Geld für jede Spielminute vorsieht, die deutsche U-23-Spieler im Profifußball in der dritten Liga dem Feld stehen.

Schnell in Unterhaching angekommen: Fabio Torsiello.
Schnell in Unterhaching angekommen: Fabio Torsiello. Niklas Heiden/Imago

„Uns ist Tempo verloren gegangen“, sagt Schwabl, womit er die Weggänge von Aaron Keller und Maurice Krattenmacher meint. Grundsätzlich stelle sich ja immer die Frage: „Helfen dir 19-Jährige weiter?“, und in diesem Fall lag die Wahrheit auf dem Platz. Viel zu statisch war die Mannschaft dahergekommen, jetzt machen sogar die vielen langen Bälle wieder Sinn, weil es jetzt wieder zwei Spieler gibt, die ihnen hinterherjagen können, und noch dazu das Pressing näher in Richtung gegnerisches Tor verlagern. Ob das reicht, um die Liga zu halten? Womöglich nicht, „das wird von Spiel zu Spiel schwerer“, findet auch Schwabl. Doch immerhin sind Popp und Torsiello schon halbwegs eingespielt, wenn Unterhaching am Sonntagnachmittag den Vorletzten Osnabrück empfängt.

Konstantin Heide ist erst am Montag 19 Jahre alt geworden, am Sonntag hatte er unnötigerweise dem Gegner ein Geschenk gemacht. So sehr der Torwart, der U17-Weltmeister wurde, in der zweiten Halbzeit auch mit Paraden glänzte, so sehr hatte seine schlechte Faustabwehr die Ingolstädter Führung ermöglicht. Heides Leistungen sind unstet, was die große Frage aufwirft, ob die Mannschaft reif genug ist für den Abstiegskampf. „Er ärgert sich bestimmt. Ich hatte auch solche Phasen, wo mir so was passiert ist“, sagte Popp, auf die Szene angesprochen. Er ist sieben Monate älter – und hört sich bisweilen schon an wie ein alter Hase.

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