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Bundesliga:Haaland ist nicht "Bayern-like"

Auch den Rekord von Oliver Kahn (Torwart mit den meisten Zu-null-Spielen/204) verfehlt Dortmunds Erling Haaland deutlich.

(Foto: AFP)

Der junge Stürmer von Borussia Dortmund wird in Zukunft einige Rekorde verfehlen, manche sogar deutlich. Kritik wird schon bald aufkommen.

Am kommenden Wochenende wird Erling Braut Haaland, 19, seine Saisontore acht, neun und zehn schießen, und er wird dabei natürlich wieder einen Rekord brechen: Der Stürmer aus Dortmund ist dann der erste Winterzugang in der Geschichte der Bundesliga, der in seinen ersten vier Spielen zehn Tore erzielt hat. Haaland wird diesen Rekord aber nicht lange feiern, weil er an den folgenden Wochenenden auch noch die Rekorde von Dieter Müller (sechs Tore in einem Spiel), Moritz Stoppelkamp (Tor aus der größten Entfernung/83 Meter) sowie von Karim Bellarabi und Kevin Volland (schnellste Tore nach je neun Sekunden) brechen wird. Den Rekord "meiste Saisontore eines Ausländers" (bisher: 31, Aubameyang) stellt Haaland aber erst Anfang April im Spiel gegen den FC Bayern ein. In dieser Zeit kommt erste Kritik auf.

"Hoppla, Haaland!" titelt Bild, als der BVB-Stürmer den Lewandowski-Rekord "Schnellster Fünferpack innerhalb von neun Minuten" um einige Sekunden verfehlt. Erste Medien beginnen die Zeit zu messen, die zwischen seinen Treffern vergeht ("Haaland seit siebeneinhalb Minuten ohne Tor"), und ein Fachmagazin enthüllt unter der Überschrift "Der Braut, der sich nicht traut", dass Haaland bis zu Gerd Müllers Bundesligarekord (365 Tore) noch weit über 300 Tore fehlen. Auch Claudio Pizarros Marke (ältester Ligaschütze, 40 Jahre und 136 Tage) sei für Haaland derzeit unerreichbar, meldet das Blatt.

"Ohne Haaland fahr'n wir zur EM"

Verunsichert von den öffentlichen Debatten rutscht der Stürmer in eine Formkrise, Gerd Müllers Saisonrekord (40 Tore) schafft Haaland nach einigen müden Doppelpacks erst am 33. Spieltag in Leipzig. Auch die Rekorde von Nils Petersen (22 Tore als Einwechselspieler), Oliver Kahn (Torwart mit den meisten Zu-null-Spielen/204) sowie Friedhelm Funkel (sechs Aufstiege) verfehlt er deutlich. Als auch noch herauskommt, dass der Norweger nicht mal an der Europameisterschaft teilnimmt, widmen ihm die Schalke-Fans Spottlieder ("Ohne Haaland fahr'n wir zur EM"), und BVB-Boss Watzke muss sich öffentlich dafür entschuldigen, den Stürmer Alcácer verkauft zu haben.

Erstaunlicherweise halten sich dennoch Gerüchte, wonach der Big-City-Klub Hertha BSC eine Verpflichtung Haalands erwäge (Trainer Klinsmann: "Erling isch enorm gewachsen"). Auch Manchester City gilt als interessiert (Trainer Guardiola: "Erling is a top-top-top-player"), ebenso der FC Liverpool (Trainer Klopp: "Scheiße, ey, ist der Typ gut, den müssen wir uns nicht mal schönsaufen"). Beim FC Bayern dementieren sie Kontakte zu Haaland. Ehrenpräsident Franz Beckenbauer äußert sich am Rande eines Golfturniers ausweichend ("jaguttt, der Volland"), deutlicher wird Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Ein Spieler, der bisher nur bei kleineren Klubs in Österreich und Westfalen gespielt habe, sei "nicht Bayern-like", Erfahrung bei Topklubs sei "eine Conditio sine qua non". Außerdem, so Rummenigge, ergebe es keinen Sinn, nur einen Back-up für Lewandowski zu verpflichten. Das bringe "am Ende des Tages nur Unruhe".

© SZ vom 03.02.2020
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