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Guardiola und Mourinho:Höflich statt hitzig

FILE PHOTO: Premier League - Manchester United vs Manchester City

Als Pep Guardiola und José Mourinho Trainer zwar bei unterschiedlichen Vereinen, aber in der gleichen Stadt (nämlich Manchester) waren, hat sich auch ihr Verhältnis normalisiert.

(Foto: Carl Recine/Action Images via Reuters)
  • Am Sonntagnachmittag treffen Pep Guardiola und José Mourinho beim Premier-League-Spitzenspiel zwischen Manchester City und Tottenham Hotspur wieder aufeinander.
  • Hinter beiden Trainern liegt eine lange Rivalität.
  • Zuletzt waren aber wieder freundlichere Töne zu vernehmen - auch im Vorfeld der nun anstehenden Partie.

Der 31. Januar 2020 dürfte in die Geschichte eingehen: Es war der Tag, an dem das Vereinigte Königreich die EU verlassen hat - und es war auch der Tag, an dem José Mourinho und Pep Guardiola auf Pressekonferenzen freundlich lachten - was aus sporthistorischer Perspektive ein wesentlich bedeutsamerer Moment war, als man denken könnte. Mourinho saß bei einer Pressekonferenz in Nord-London und scherzte mit den Journalisten über den letzten Transfertag, Guardiola saß fast zur selben Zeit in Manchester und lächelte über Fragen zur Kaderplanung der Citizens. Dass sich beide Trainer vor einem Spiel gegeneinander auf keine Art und Weise kritisierten, charakterliche Unterschiede aufzeigten oder zumindest übereinander spotteten, war in den vergangenen zehn Jahren eigentlich nie der Fall gewesen.

Es könnte bedeuten, dass mit dem Premier-League-Spitzenspiel am Sonntagnachmittag (17.30 Uhr) zwischen Tottenham und Manchester City eine der langwierigsten Trainerfehden im europäischen Fußball zu Ende geht - oder wenigstens eine kleine Pause einlegt. Mourinho gegen Guardiola, kurz: Mou gegen Pep, war mehr als nur ein Duell zweier Trainer mit unterschiedlichen Herangehensweisen an ein Fußballspiel. Es war die Auseinandersetzung zwischen dem emotionalen, großspurigen Mourinho, der seinen Erfolg allein in gewonnenen Titeln misst und dem genialischen Denker Guardiola, für den Perfektion auch in der Niederlage erreichbar war.

Was in Barcelona Anfang der 2000er-Jahre einst als Freundschaft zwischen dem Spieler Guardiola und dem Trainer-Quereinsteiger Mourinho begonnen hatte, wurde 2008 zur Rivalität, als der Portugiese sich beim FC Barcelona für das Traineramt bewarb, am Ende jedoch Guardiola den Job bekam. Mourinho wurde in den Folgejahren zum größten Widersacher der Katalanen, erst mit Inter Mailand in der Champions League, dann mit Real Madrid in der spanischen Liga. 2011 wurde aus einer Rivalität schließlich noch größere Abneigung, als sich Barca und Real in einer Serie hitziger Clasicos duellierten.

In einer legendären Pressekonferenz sagte Guardiola über Mourinho: "Er ist der f**king Boss, der f**king Mann, er kann seinen eigenen Titel dafür bekommen. Ich will mich mit ihm zu keiner Sekunde darin messen. Abseits des Platzes ist er der Gewinner - aber das hier ist ein Fußballspiel." Mourinho attackierte später Barcelonas Assistenten Tito Vilanova während des Spiels, die hitzige Atmosphäre zwischen den beiden Trainern hatte sich da längst auf Spieler und Zuschauer übertragen.

Mourinho hat Guardiola "emotional fertiggemacht", schrieb sein Biograph

Guardiola gewann die Duelle auf dem Platz tatsächlich in der Mehrheit, auch wenn Mourinho als dreimaliger Champions-League-Sieger mit drei verschiedenen Vereinen das Kunststück schaffte, das der Katalane verpasst hat. Abseits des Platzes jedoch siegte Mourinho eindeutig. Im Sommer 2012 nahm sich der müde Guardiola eine einjährige Auszeit, sein Biograph Guillem Balague schrieb damals, Mourinhos öffentlicher Krieg habe eine Teilschuld gehabt: "Er (Guardiola) würde es nie zugeben, aber Mourinho hat ihn lange emotional destabilisiert, er hat ihn emotional fertiggemacht bis zu dem Punkt, an dem Guardiola keine Freude mehr hatte, seinen Beruf auszuüben."

Vier Jahre später begann die englische Phase des Trainerduells, in der sich andeutete, dass sportlich mittlerweile Unterschiede bestanden: Während Guardiola mit Manchester City Titel gewann, rutschte Mourinho mit Manchester United aus den Champions-League-Plätzen und wurde schließlich entlassen. Wie normal unterdessen das persönliche Verhältnis der beiden in Manchester geworden war, zeigten Guardiolas Worte nach Mourinhos Entlassung: "Ich bin auf seiner Seite", sagte der Katalane damals: "Wir Trainer sind allein. Er ist ein starker Mann, er wird bald zurückkehren."

Im November 2019 kehrte Mourinho tatsächlich zurück und übernahm Tottenham Hotspur. Aus dem "Special One" ist mittlerweile zumindest vorgeblich ein gemäßigter Trainer geworden, der sich öffentlich inzwischen häufiger witzig als arrogant gibt - der aber wie schon in Manchester Probleme hat, seiner Mannschaft den Defensiv-Fußball näherzubringen, der ihn einst erfolgreich gemacht hat. Acht Siege, vier Unentschieden, fünf Niederlagen, Tabellenplatz acht und sieben Punkte Rückstand auf einen Champions-League-Platz, so lautet die bislang nicht gerade herausragende Bilanz bei den Spurs. Auf die Frage, ob Mourinho Tottenham seit November besser gemacht habe, antwortete Guardiola auf ebenjener Pressekonferenz höflich ausweichend: "Er hat neuen Schwung reingebracht".

Besserung allerdings ist derzeit kaum in Sicht, auch weil Harry Kane langfristig ausfällt und man in der Winterpause keinen adäquaten Ersatzstürmer finden konnte - im Gegenteil verließ in Christian Eriksen (Inter Mailand) einer der kreativen Offensivspieler die Mannschaft. Vielleicht herrscht also auch deshalb gerade Frieden, weil Mourinhos Mannschaft sportlich nicht mit der von Guardiola mithalten kann.

© SZ vom 02.02.2020/chge
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