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Großer Preis der Toskana:"Sind wir durchgekommen?"

2020 Tuscany GP MUGELLO CIRCUIT, ITALY - SEPTEMBER 12: Mario Isola, Racing Manager, Pirelli Motorsport and Sebastian Ve

Ratlos: Pirelli-Sportchef Mario Isola und Sebastian Vettel nach der misslungenen Qualifikation.

(Foto: Charles Coates/imago images/Motorsport Images)

In der Qualifikation für das Jubiläumsrennen der Scuderia setzt sich die Misere von Ferrari fort.

Für Sebastian Vettel war schon wieder alles vorbei, bevor es überhaupt richtig um die Pole Position ging. Als Vierzehnter schied der viermalige Formel-1-Weltmeister am Samstag im italienischen Mugello vor der entscheidenden dritten Phase in der Qualifikation aus. Während sich Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes zum siebten Mal in der Corona-Saison den ersten Startplatz sicherte, könnte das 1000. Rennen der Scuderia am Sonntag (15.10 Uhr/RTL und Sky) für den 33-Jährigen aus Heppenheim wieder ganz bitter werden. "Es ist einfach zu sehen, ich hatte zwei Ecken, die mir dieses Wochenende nicht gelegen haben. Da habe ich die meiste Zeit verloren", sagte Vettel: "Wir tun uns mit den Reifen ein bisschen einfacher hier, aber trotzdem ist es nicht zufriedenstellend."

Dieses Gefühl zieht sich für ihn schon durch das ganze Jahr. Kein Sieg, kein Podestplatz und nur Rang 13 in der WM-Wertung - viel zu wenig für die weiterhin hohen Ansprüche Vettels, der ab dem kommenden Jahr für den englischen Autobauer Aston Martin fährt. Diese Saison will er im Ferrari noch mit Anstand zu Ende bringen, doch die Ergebnisse frustrieren ihn mehr und mehr. Auch in der Toskana war einmal mehr zu sehen, dass er mit dem störrischen SF1000 einfach nicht in den Kampf um die Top-Plätze eingreifen kann.

Für Ferrari geht es in Mugello auch darum, das katastrophale vergangene Wochenende in Monza vergessen zu machen

Das Rennen um Platz eins war derweil erneut ein teaminternes Duell der Silberpfeile. Nachdem der Finne Valtteri Bottas in allen drei Trainings vorne war, fand Hamilton auf dem Hochgeschwindigkeitskurs, der Ferrari gehört, doch noch die schnellste Linie. Bottas wurde mit 0,059 Sekunden Rückstand Zweiter, Platz drei ging an Max Verstappen aus den Niederlanden im Red Bull. "Das war ein wirklich hartes Wochenende. Es ist sehr herausfordernd hier", sagte Hamilton: "Ich habe am Ende die Runde hinbekommen, die ich noch gebraucht habe." Etwas Glück war aber auch dabei. Nach einem Fahrfehler inklusive Dreher des Franzosen Esteban Ocon im Renault konnten die Top-Fahrer am Ende nicht noch mal auf die Jagd nach einer besseren Zeit gehen. Davon profitierte der souveräne WM-Spitzenreiter Hamilton, der am Sonntag den 90. Sieg seiner Karriere einfahren kann. Nur Michael Schumacher (91) war in seiner Laufbahn noch erfolgreicher.

Dass Ferrari ganz vorn ankommen kann, scheint eher unwahrscheinlich zu sein. Immerhin geht Vettels Teamkollege Charles Leclerc als Fünfter in den Grand Prix nördlich von Florenz und könnte in die Punkte fahren. Vor rund 3000 heimischen Fans geht es auch darum, das katastrophale vergangene Wochenende vergessen zu machen. Erstmals seit 1995 war beim Heimspiel in Monza kein Ferrari ins Ziel gekommen. Vettel war nach einem Bremsschaden ausgeschieden, Leclerc heftig in die Streckenbegrenzung gekracht. Vettel hatte in Mugello bereits in allen drei Trainingseinheiten zuvor Probleme und lag in der finalen Übungseinheit am Samstag sogar nur auf Platz 18. "Sind wir durchgekommen?", fragte Vettel nach dem ersten Abschnitt der Qualifikation am Boxenfunk. Als sein Team das bejahte, schien er fast schon überrascht, dass nicht noch früher Schluss war.

© SZ vom 13.09.2020 / dpa/and
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