Fußball Reizstimmung um DFB-Chef Grindel

In Erklärungsnot: DFB Präsident Reinhard Grindel.

(Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
  • DFB-Präsident Reinhard Grindel gerät wegen eines Spiegel-Berichts über intransparente Zahlungen von Juli 2016 bis Juli 2017 noch stärker in die Kritik.
  • Die Affäre wirft nicht nur ein Licht auf den angeblich runderneuerten, Compliance-bewussten DFB, sondern auch auf Grindel selbst.
Von Thomas Kistner

Ein Vorteil schriftlicher Mitteilungen ist, dass man die Verfasser nicht hören kann. So war am Freitagabend kein Schnauben und Zähneknirschen zu hören, als die DFB-Oberen ihre jüngste Stellungnahme auf die Verbands-Website rückten. "Die Angaben zu seinen Einkünften bei Amtsantritt waren korrekt, weil Herr Grindel erst am 6.7.2016 zum Aufsichtsratsvorsitzenden der DFB-Medien GmbH gewählt wurde", tat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kund. Die Mitteilung bezog sich auf einen Artikel des Spiegel, der von intransparenten Zahlungen an den DFB-Präsidenten von Juli 2016 bis Juli 2017 berichtet hatte.

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In dieser Zeit kassierte Reinhard Grindel 78 000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien GmbH - zusätzlich zu den 14 400 Euro monatlich, die er beim Amtsantritt als DFB-Boss kurz zuvor hatte publizieren lassen. Dass ein sattes Aufsichtsratsmandat dazu kam, erfahren Öffentlichkeit und viele Topfunktionäre erst jetzt.

Strikt formal ist Grindels Verteidigungslinie korrekt, jedoch ist sie so dünn, dass sich Vorstandskollegen mit Grausen winden. Man könne doch nicht der Öffentlichkeit mit großem Tamtam 14 400 Euro Monatssalär verkünden (kompiliert aus einer Aufwandsentschädigung von 7200 Euro und einem Verdienstausfall in gleicher Höhe), um Wochen später ganz diskret weitere 6000 Euro monatlich mitzunehmen, sagt ein Spitzenfunktionär der SZ: "Wir wussten nicht, dass er die Zahlungen einfach übernimmt!"

Dem Gros der Präsidiumsmitglieder war nur bekannt, dass Grindel nach seiner Inthronisierung an der DFB-Spitze auch den Aufsichtsratsvorsitz der DFB-Medien GmbH von dem demissionierten Vorgänger übernommen hatte. Wolfgang Niersbach musste im Zuge der Sommermärchen-Affäre zurücktreten; als er 2012 aus dem hauptamtlichen Generalsekretariat ins Präsidentenbüro übergewechselt war, ersann der DFB fantasievolle Konstrukte, um ihm im Ehrenamt finanzielle Einbußen zu ersparen. Bei einer diesbezüglichen Untersuchung hielt der Compliance-Stab des Weltverbandes Fifa 2015 gar fest, der DFB habe die Öffentlichkeit getäuscht bei Niersbachs Vergütungsregelung.

Diese 6000 Euro für den mäßig aufreibenden Job als Aufsichtsratschef der Medien GmbH seien, bezeugt ein hoher Funktionär, dem raffinierten Vergütungskonstrukt im Fall Niersbach geschuldet gewesen. Dass Nachfolger Grindel mit dem kommoden Job auch das satte Salär übernahm, sei nicht breit an der Verbandsspitze kommuniziert worden. So kamen für Grindel diskret weitere 78 000 Euro zusätzlich zusammen, die letzte Tranche floss im Juli 2017.

Fortan vergrößerten sich die Geldflüsse für den ehrenamtlichen Funktionär: Grindel rückte in die Vorstände von Fifa und Europa-Union Uefa ein, was mit acht Sitzungen pro Jahr verbunden ist - und mit Gesamtzahlungen von knapp einer halbe Million Euro per annum. Da ließ sich gut Verzicht üben auf 6000 Euro monatlich von einer DFB-Tochter. Auch die 7200 Euro Verdienstausfall gibt es nicht mehr.

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Die Affäre um intransparente Zahlungen an der Verbandsspitze wirft nicht nur ein Licht auf den angeblich runderneuerten, Compliance-bewussten DFB, der aufgrund der ungeklärten Affäre um die WM 2006 unter Beobachtung steht. Sie weist ein weiteres Mal den Präsidenten selbst als Problemfall aus. Grindel reiht Fehltritte aneinander, im Umgang mit dem Nationalteam hat er die Tolpatschigkeit zum Führungsprinzip erhoben. Die Vertragsverlängerung ohne Not mit Joachim Löw vor der WM 2018, die desaströse Moderation des Rücktritts von Mesut Özil oder jüngste Aussagen zur Ausmusterung der Spieler Hummels, Boateng und Müller durch Löw bilden nur einen Ausschnitt.