Fußball Er war nie unumstritten

In Funktionärskreisen herrscht längst Reizstimmung, kommt die Rede auf den Chef. Den Quereinsteiger hatte ohnehin nur eine schicksalhafte Fügung auf den Fußballthron gespült. Als der DFB im Zuge der WM-2006-Affäre einen Nachfolger für Niersbach finden musste, winkten allerlei Kandidaten ab: Die Liga-Funktionäre Reinhard Rauball und Heribert Bruchhagen ebenso wie DFB-Teammanager Oliver Bierhoff; auch Interimschef Rainer Koch erklärte den Verzicht. Blieb noch der erst seit 2013 tätige Schatzmeister - Grindel.

Monate später war der Niedersachse gewählt; unumstritten war er nie. Zunächst Journalist, der die ZDF-Büros in Berlin und später Brüssel leitete, zog Grindel 2002 für die CDU in den Bundestag. Trotz der Schatzmeister-Funktion im DFB fungierte er dort als Vizechef des Sportausschusses - sogar, als sich der Ausschuss bereits mit anrüchigen Millionenzahlungen im DFB-Kontext befasste. Und als der Bundestag 2014 ein Gesetz zur Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung anschob, gab es neben 582 Ja-Stimmen und drei Nein-Stimmen auch sieben Enthaltungen. Eine kam von Grindel - der zu der Zeit Anti-Korruptionsbeauftragter im DFB war. 2017, im Uefa-Vorstand angelangt, ließ er sich dort an die Spitze des Compliance-Komitees wählen.

Nun zieht der DFB mit einem stark angeknockten Chef ins Wahljahr. Dass ständig heikle Details aus dem Verbandsinneren sickern, illustriert die Gemengelage. Intern kursieren längst Szenarien, wie Grindel beim Wahlkongress im September ausgewechselt werden könnte - und durch wen.

Überdies gehört die Affäre um Grindels stolzes Salär bei der DFB Medien GmbH wohl näher untersucht. Denn die Merkwürdigkeiten häufen sich bei dieser DFB-Tochter, deren Aufsichtsrat er schon früher angehört hatte. Bereits im Februar musste sich der DFB erstmals zu Geldflüssen im Umfeld der Firma äußern. Da war aufgeflogen, dass drei Ehrenamtliche über Jahre monatliche Bezüge für Beratungsleistungen erhalten hatten - über Verträge, die in zwei Fällen mit der DFB Medien GmbH bestanden, in einem mit der DFB GmbH. In letzterer ging die Mediengesellschaft mittlerweile auf. Nach Aktenlage fragt sich nun: Hat Grindel, Frontmann des DFB und der europäischen Fußball-Compliance, eine sprudelnde, langjährige Nebenerwerbsquelle für Ehrenamtliche beaufsichtigt?

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