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Rücktritt von Reinhard Grindel:Es heißt, Grindel habe überall Verrat gewittert

Die Darstellung erscheint aus mehreren Gründen unüblich. Zum einen werden dabei en passant weitere DFB-Leute als Mitwisser bezichtigt; das könnte zu internen Klagen passen, Grindel habe in den vergangenen Wochen sowieso überall nur noch Intrige und Verrat gewittert. Zum anderen erstaunt hier die mangelnde Sensibilität angesichts der besagten Sumpflandschaft, in der sich Surkis bekanntermaßen bewegte. Es fragt sich, warum ein deutscher Vertreter in den internationalen Gremien von Fifa und Uefa jährlich 500 000 Euro verdienen soll, wenn er solche Personen nicht einzuordnen vermag? Noch mehr verwundert dies vor dem Hintergrund, dass Grindel ja Vorsitzender des Compliance-Komitees der Uefa ist: Wie hätte er vor dem Hintergrund des teuren Uhren-Geschenks noch frei in seiner Wächterfunktion agieren können, wären ihm Verfehlungen von Surkis vorgelegt worden? So offenbaren Grindels Darlegungen unfreiwillig eine bemerkenswerte Distanz zum Sujet der Geschäftsethik - was auch wieder den Kreis zu den 78 000 Euro schließt, die er bei einer DFB-Tochter einstrich, aber nicht anmeldete.

Zu klären ist auch, ob die Vergütungs-Affäre und die Surkis-Uhr schon alle Verstöße Grindels gegen Compliance-Regeln waren. Auf den Verbandsfluren werden diverse weitere Themen diskutiert. Bereits vor dem Wochenende gab es bei DFB-Protagonisten Nachfragen verschiedener Medien zu diversen Vorgängen, auch zu Grindels internationalen Beziehungen. Zum Verhältnis zu Surkis, aber auch zum ungarischen Uefa-Vorstand Sandro Csanyi, der ihn nach Budapest eingeladen haben soll; zudem soll es Bande zu einem weiteren Topfunktionär in Südosteuropa geben.

Grindel drohen weitere Konsequenzen

In jedem Fall drohen Grindel über den Amtsverlust hinaus weitere Konsequenzen. Steuerrechtliche Probleme wegen der Uhr sieht er mit Verweis auf die Einschätzung seines Steuerberaters zwar nicht, der Zollverwaltung will er die Gabe aber nachträglich melden. Daneben gibt es noch die Ethik- und Compliance-Komitees der Verbände, und die werden nun aktiv. Die DFB-Ethiker teilten der SZ am Dienstag mit, dass sie auf einer Sitzung am 10. April beraten wollen, wie sie mit den jüngsten Vorwürfen umgehen. Die Uefa beantwortete eine Anfrage zunächst nicht, die Fifa will "potenzielle Verfahren" nicht kommentieren.

Von daher ist es eine spannende Frage, ob Grindel mit seinem Plan durchkommt, den deutschen Fußball international weiterhin zu vertreten - und dafür knapp 500 000 Euro jährlich von Fifa und Uefa einzustecken. Vorgänger Wolfgang Niersbach hatte das 2016 auch vor, als er wegen seiner Rolle im Sommermärchen-Skandal sein Amt niederlegen musste. Wenig später wurde er gesperrt.

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