Ämter bei Fifa und Uefa Grindel bestätigt alle Vorurteile

Will bei Fifa und Uefa weiter mitmischen: Reinhard Grindel.

(Foto: dpa)

Als DFB-Präsident ist Reinhard Grindel zurückgetreten - seine fürstlich honorierten Posten bei Fifa und Uefa aber will er behalten. Damit entspricht er dem Bild des Funktionärs, der vor allem an Geldtöpfen interessiert ist.

Kommentar von Martin Schneider

Wenn Reinhard Grindel von der Fifa bekocht wird, gibt es weniger Geld. Es steht offiziell geschrieben, dass Mitglieder des Fifa-Rates, dem Entscheidungsgremium des Weltfußballverbandes, pro Arbeitstag 250 US-Dollar Tagegeld erhalten. Allerdings reduziert sich dieser Betrag auf 150 Dollar pro Tag, "falls die Fifa für Frühstück und Mittag- oder Abendessen aufkommt". Außerdem steht in den Statuten, dass die Ratsmitglieder für drei Sitzungen im Jahr eine Vergütung von 250 000 Dollar erhalten. Netto. Unabhängig davon, wer kocht. Und weil Reinhard Grindel ja auch noch Vize-Präsident im Exekutivkomitee der Uefa ist, kommen noch einmal jährlich 250 000 Euro dazu. Brutto diesmal.

Grindel wurde in beide Gremien zwar als Person, aber natürlich wegen seiner Rolle als DFB-Präsident gewählt. DFB-Präsident ist er jetzt nicht mehr, aber er will beide Mandate bis zum Ende ausführen, bei der Uefa bis 2021, bei der Fifa bis 2023. Genau genommen heißt das: Als DFB-Präsident ist er nicht mehr tragbar, aber als Vertreter Deutschlands in den internationalen Gremien mehrfacher Millionär zu werden - das ist in Ordnung.

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Der bisherige DFB-Präsident entschuldigt sich, eine Uhr angenommen zu haben. Er sei nicht geldgierig, sondern habe schlicht den Wert der Gabe nicht gekannt. Sein Statement im Wortlaut.

Beide Verbände drohen Grindel mit Ethik-Ermittlungen

Grindel hat sein eigenes Rücktrittsschreiben mit dem Satz begonnen, er entschuldige sich dafür, dass er durch sein "wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe". Mal davon abgesehen, dass er in diesem Schreiben die Annahme der Uhr für den alleinigen Grund seines Rücktritts angibt (was eine sehr exklusive Sicht der Dinge ist) - wenn der DFB-Präsident wegen einer 6000-Euro-Uhr hinschmeißt, aber die halbe Million Euro pro Jahr von Fifa und Uefa trotzdem weiter mitnehmen will, dann bestätigt er natürlich erst recht alle Vorurteile.

Die da lauten: Es geht hauptsächlich um Posten und Geldtöpfe, und wenn irgendein zwielichtiger Funktionär mit einer Uhr ums Eck kommt, dann nimmt man die halt auch noch mit. Dass er die geschenkte Uhr "selbstverständlich" zurückgeben werde, klingt angesichts der Überweisungen, die er dem Amt des DFB-Präsidenten verdankt, von Fifa und Uefa aber trotzdem selbstverständlich weiter mitzunehmen gedenkt, und auf die er in seinem Statement gar nicht eingeht, zynisch.

Das Vorhaben dürfte allerdings daran scheitern, dass ihn Uefa und Fifa nicht lassen. Bei beiden Verbänden drohen Grindel Ethik-Ermittlungen. Vorgänger Wolfgang Niersbach, der einen ähnlichen Plan verfolgte, passierte im Zuge der Sommermärchen-Affäre genau das. Bei einem Rücktritt könnte Grindel im kommenden Jahr beim Uefa-Kongress durch einen möglichen deutschen Nachfolger in beiden Gremien ersetzt werden - sofern der Kongress zustimmt.

Im Abschiedsbrief schreibt Grindel übrigens auch: "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht geldgierig bin." Es gäbe eine Möglichkeit, das zu beweisen.

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DFB-Präsident Reinhard Grindel ist zurückgetreten. Er stand wegen intransparenter Zahlungen in der Kritik. Hinzu kam eine Vergütungs-Aufstockung um 6000 Euro, die gegen einen Beschluss des eigenen DFB-Präsidiums verstoßen haben soll.