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Greuther Fürth:Nie mehr Testspielgott

18 08 2019 Fussball Saison 2019 2020 2 Fussball Bundesliga 03 Spieltag SpVgg Greuther F

„Vergessen Sie Hrgota nicht“, sagte Trainer Lucien Favre einst in Gladbach, als es darum ging, wie man den Weggang von Marco Reus auffangen soll. Jetzt spielt er eine Liga tiefer: in Fürth.

(Foto: Wolfgang Zink/imago)

Der 26 Jahre alte Branimir Hrgota will beweisen, dass er zu Unrecht lange vergessen worden ist.

Es gibt da einen gemeinen Hashtag: #BranimirHrgotaTestspielgott, das haben Leute im Internet unter Fotos des Fußballers Branimir Hrgota getippt, als er im Juni ein Urlaubsfoto von einer Radtour in einem sozialen Netz postete. Das ist nicht besonders nett, es beschreibt aber eben auch ganz gut, wie die vergangenen Jahre für Hrgota so gelaufen sind - und wie sie nun nicht mehr laufen sollen.

Hrgota, 26, hat lange nicht mehr richtig Fußball spielen dürfen. Vier Minuten gönnten sie dem Schweden in der vergangenen Saison bei Eintracht Frankfurt; das Europapokal-Abenteuer erlebte er meist von der Tribüne aus. Aber gegen Hanau 1893, bei einem Jubiläumskick zum 125. Geburtstag des Sechstligisten, hatte er spielen dürfen - und getroffen, ziemlich oft sogar. Achtmal, so wurde gezählt. Zwei Tore hat er noch dazu aufgelegt. Ein Testspiel gegen den ältesten hessischen Fußballverein, einen Verbandsligisten nur, aber Hrgota hat eben auch gezeigt: Er könnte schon - wenn er denn nur dürfte. Aber er durfte eben nicht. Seine Konkurrenten Ante Rebić, Luka Jović und Sébastien Haller spielten so famos, dass für ihn kein Platz war im Angriff der Eintracht. Deshalb wechselte Hrgota im Sommer in die zweite Liga zu Greuther Fürth, ablösefrei. Und am Sonntag, endlich, durfte Hrgota wieder spüren, dass man auf ihn setzt. Dieses Mal in einem Pflichtspiel.

Gegen Jahn Regensburg wurde Hrgota eingewechselt, er bereitete den Siegtreffer mit einer Flanke vor, dann durfte er kurz über ein eigenes Tor jubeln, bis der Videoassistent wegen einer Abseitsstellung eingriff. Seine Nebenleute suchten ihn, fast jeder Angriff lief über den Schweden. "Es war schön, wieder zu zocken nach dem langen Urlaub", sagte Hrgota. Er hatte ja frei, denn er war seit Juli vereinslos gewesen. Da habe er mit seinen Kumpels ein bisschen gebolzt. Sein letztes seriöses Pflichtspiel? "Weiß ich nicht, schon lange her." Es war in dieser halben Stunde in Fürth zu sehen, dass hier jemand spielt, der einmal höhere Ansprüche hatte.

"Vergessen Sie Hrgota nicht", sagte Trainer Lucien Favre einst in Gladbach, als es darum ging, wie man den Weggang von Marco Reus auffangen soll. Sie hatten ihn in Schwedens zweiter Liga entdeckt, bei Jönköpings Södra IF, ein junger Mann mit Talent, trickreich und für seine 1,85 Meter recht schnell. Mit Schwedens U21 gewann er den EM-Titel, dann folgte der Aufstieg in die A-Nationalmannschaft. Doch in Gladbach haben sie ihn dann irgendwann doch vergessen, weil er nicht nachhaltig mit Toren auf sich aufmerksam machen konnte. Dabei hatte er in einer Europa League-Saison für Gladbach achtmal in zehn Spielen getroffen. Fünf Tore allerdings davon alleine gegen Sarajevo. Fast schon ein Testspielgegner. Also wechselte er nach Frankfurt, doch so richtig kam er dort nie an, und am Ende landete er in der Trainingsgruppe II, in der sich die Abgeschobenen, die Ungewollten fit halten sollten. Dabei hatte Niko Kovac, sein früherer Trainer, gesagt: "Ich weiß, was ich an Brane habe und lasse ihn nicht gehen - es sei denn, es kommt ein Monster-Angebot." Es kam keines, stattdessen verabschiedete sich Kovac nach München. Sein Nachfolger Adi Hütter wusste dagegen nicht so genau, was er an Hrgota hatte.

Die Karriere des Branimir Hrgota, mit 26 im sogenannten besten Fußballeralter, schien in diesem Sommer an einem toten Punkt angekommen zu sein. Doch damit passte er eben auch gut in das Beuteschema von Fürths Manager Rachid Azzouzi, der an einem Kader aus jungen Talenten und Verschmähten bastelt.

Hrgota hat am Sonntag angedeutet, dass er vielleicht das fehlende Puzzlestück in der Fürther Offensive sein könnte, die zuletzt oft leicht auszurechnen war. Fürth hing in der Vergangenheit oft am Tropf von Angreifer Daniel Keita-Ruel: Hatte der einen schlechten Tag, hatte auch die Spielvereinigung einen schlechten Tag. Gegen Regensburg riss Hrgota schon nach wenigen Momenten auf dem Platz das Spiel an sich. Schnell funktionieren, egal wie die Mannschaft um ihn herum aufgestellt ist, das scheint auch eine Stärke des Schweden zu sein. Hrgota sieht das so: "Fußball ist nicht so schwer. Und wir wollen doch alle zocken." Der Gang in die zweite Liga sieht für einen wie ihn, der immerhin 104 Bundesliga-Spiele und zwölf Ligatore vorweisen kann, wie ein Abstieg aus, wie ein Abschied von höheren Zielen. Aber es ist vor allem ein Abschied von der Ersatzbank, ein Weg zurück ins Spiel.