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FC Augsburg:Nur einer bleibt unentspannt

Nach dem ersten Saisonsieg, einem hart erkämpften 2:1 gegen Mainz, hält der frühere Augsburger Kapitän Jeff Gouweleeuw ein Plädoyer in eigener Sache.

Von Stefan Galler, Augsburg/München

Allzu lange musste Marco Fritz die Videobilder nicht studieren, um zu sehen, dass der Tritt des Augsburgers Arne Engels nicht den handelsüblichen Zweikämpfen zuzurechnen war. Mit offener Sohle traf der Verteidiger das Bein des Mainzers Aymen Barkok. Und so steckte Fritz flugs die gelbe Karte weg und zückte die rote, was den Schwaben den Schreck in die Glieder fahren ließ. Denn nun geriet ihr zum Greifen naher erster Saisonsieg wieder ins Wanken.

Die Augsburger verbarrikadierten sich in der verbleibenden halben Stunde am eigenen Sechzehner, ließen nur noch wenig zu und konnten schließlich doch die Ernte einfahren. Womit die dunklen Spätsommertage ein Ende fanden: Angefangen beim sang- und klanglosen Pokal-Aus gegen den Drittliganeuling Unterhaching (0:2) hatte man in den ersten fünf Saisonspielen nur zwei Remis verbucht, was die Umbruchphase im Verein mit dem Rückzug des langjährigen Managers und Geschäftsführers Stefan Reuter aus dem operativen Geschäft nicht eben erleichterte.

Man musste nicht das Ohr auf die Gleise legen, um im Umfeld des Vereins bereits ein gewisses Vibrieren zu vernehmen. Offensichtlich ist das Vertrauen in Trainer Enrico Maaßen nicht grenzenlos, trotz oder auch wegen des hauchdünn gesicherten Klassenerhalts in der Vorsaison. Nach dem 2:1-Erfolg gegen die nun ihrerseits weiterhin sieglosen Mainzer wusste der Coach jedenfalls, bei wem er sich zu bedanken hatte: "Wir haben heute richtig Fußball gearbeitet - das ist das, was man in so einer Situation tun muss", sagte der 39-Jährige, attestierte seiner Mannschaft "auch heute eine tolle Moral" und ordnete die beiden Treffer als "absolute Willenstore" ein.

Demirovic gelingen das 500. und 501. Tor des FC Augsburg in der Bundesliga

Dabei steckten die Augsburger den frühen 0:1-Rückstand durch einen Kopfball des Franzosen Ludovic Ajorque weg (6.) und hatten Glück, dass das vermeintliche 0:2 durch Stefan Bell wegen einer Abseitsstellung durch den Videoassistenten annulliert wurde. Zwei Minuten später gelang Ermedin Demirovic mit dem 500. Bundesligator des FCA der Ausgleich, unmittelbar vor der Pause drehte der bosnische Nationalspieler die Partie per Flugkopfball komplett. "Mich persönlich freuen die beiden Treffer natürlich sehr, letzte Woche habe ich noch ein Riesending liegengelassen", sagte der Torschütze später.

Und weil Torwart Finn Dahmen gegen seine früheren Mainzer Kollegen nichts mehr zuließ, war die Stimmung nach dem Spiel im Augsburger Lager zwar nicht euphorisch, aber weitgehend entspannt. Nur einer wirkte alles andere als locker: Jeffrey Gouweleeuw, 32, seit dem Saisonbeginn, den er wegen einer Verletzung verpasste, nicht mehr Kapitän, hatte als "Fels in der Brandung" (Maaßen) maßgeblich zum ersten Saisonerfolg beigetragen. Er nutzte die Gelegenheit zu einem Plädoyer in eigener Sache. Er selbst habe die Entscheidung getroffen, das Kapitänsamt aufzugeben, betonte der Niederländer, von einer Entmachtung könne keine Rede sein. Es sei "einfach Schrott" über ihn geschrieben und gesagt worden. Fakt ist allerdings, dass sein Vertrag beim FCA nicht verlängert wird. Gouweleeuw kündigte kryptisch an, dass er noch mehr loswerden wolle - "da komme ich mit meiner Geschichte". Er wird gewiss Zuhörer finden.

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