Robin Gosens zu SchalkeTraumhochzeit mit einem Falken

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Gelsenkirchen statt Florenz: Robin Gosens zieht es zurück in die Heimat.
Gelsenkirchen statt Florenz: Robin Gosens zieht es zurück in die Heimat. Massimo Paolone/LaPresse/AP/dpa

Robin Gosens erfüllt sich einen Kindheitswunsch und wechselt zum FC Schalke 04 – auch weil der 32-Jährige in Florenz keine Zukunft mehr hatte.

Von Philipp Selldorf, Köln

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Robin Gosens betrat in Begleitung seiner Frau, der beiden Kinder und des Familienhundes namens Malou Gelsenkirchener Boden, und der FC Schalke 04 sah keinen Grund, den Vorgang zu verschweigen. „Der Falke ist gelandet“, teilte der Klub am Donnerstag um 11:40 Uhr seinen ständigen Followern mit. Der geheimdienstliche Jargon verdeutlichte, dass es sich hier keineswegs um eine Routine-Operation handelte. Auch die Ankunft des Falken in Gelsenkirchen wurde in einer Art Live-Ticker annonciert.

Bevor Robin Gosens, 32, einen Vertrag mit Schalke 04 schließen wird, muss er zunächst eine sorgfältige medizinische Prüfung bestehen. Der Verein nimmt es da sehr genau, die Checks der Zugänge dauern in der Regel anderthalb Tage. Aber die Voraussetzungen stimmen: In den beiden vorigen Spielzeiten hat Gosens für AC Florenz 58 Serie-A-Partien bestritten und dabei stattliche acht Tore erzielt. Gravierende gesundheitliche Probleme sind im Protokoll nicht vermerkt.

Zwar findet der bevorstehende Transfer mitten im Profifußball-Leben statt, und es werden auch gewisse Geldsummen von Gelsenkirchen nach Florenz und aufs Konto des Spielers fließen, dennoch ist die Liaison zwischen Schalke und Gosens eine echte Liebesgeschichte. Schon 2019 war er drauf und dran gewesen, Italien zu verlassen und ins Ruhrgebiet zu ziehen, in die Nähe seiner niederrheinischen Heimat. Bei Atalanta Bergamo hatte er sich damals bereits einen gewissen Namen gemacht, und Schalke war noch nicht wie heute ein Fahrstuhlklub, der zwischen der ersten und zweiten Liga pendelt. Gosens war bereit für den Wechsel zu seinem erklärten Lieblingsklub, Schalke offerierte den Bergamasken sechs, sieben Millionen Euro Ablöse – was dann doch nur die Hälfte dessen war, was Atalanta haben wollte. So blieb Gosens in der Lombardei, bestritt ein Jahr später das erste von insgesamt 24 Länderspielen mit der Nationalelf und lernte mit Bergamo die Champions League kennen.

Das Risiko ist überschaubar – der Großteil der Zahlungen an die Italiener ist an den Klassenverbleib geknüpft

Inzwischen kommt die Karriere auf der Zielgeraden an, und die Vereinigung zwischen dem seit der vorigen Woche 32-jährigen Profi und dem Bundesliga-Aufsteiger ist außer der Herzensheirat auch eine Zweckehe. Schalke hat mit der Fiorentina ein Arrangement getroffen, das die finanziellen Risiken des Handels begrenzt, der Großteil der Zahlungen an die Italiener ist an den Klassenverbleib geknüpft. Gosens fand trotz brauchbarer Leistungen während der vorigen Saison in den Plänen der Florentiner keinen Platz mehr, ein Wechsel ist unausweichlich. Anderswo könnte er mehr Geld verdienen, aber lieber möchte er sich den Kindheitstraum erfüllen.

Dennoch ist diese Romanze nicht mit einem Folklore-Transfer zu verwechseln. Schalke braucht auf der linken Seite Verstärkung, bisher steht dafür lediglich der 21-jährige Vitalie Becker bereit, ein Schüler der klubeigenen Nachwuchsakademie. Im vorigen Sommer hatte ihn der Klub nach Österreich verleihen respektive abschieben wollen, er schaute sich in Ried bereits nach einer Unterkunft um. Bis Trainer Miron Muslic intervenierte und Becker zum Stammspieler machte. Dann stoppte ihn eine Verletzung, und im Winter kam vom RSC Anderlecht der Leihspieler Moussa Ndiaye, 24, der sich als Hauptgewinn an der spekulativen Transferbörse erwies, dessen vollständige Übernahme aber offenbar zu teuer ist. Es ist keine Beleidigung für Gosens, wenn man feststellt, dass der Linksaußen Ndiaye sportlich und finanziell mehr Perspektive geboten hätte.

Um einen alten Schalker Witz aufzugreifen: Das Problem ist der Euro. Vor allem dann, wenn man nicht viele davon hat. Mangels Budget ist Schalke genötigt, beim Aufbau einer bundesligafähigen Mannschaft mit Klauseln, Tricks und dem Vertrauen in stille Reserven ehedem höher bewerteter Spieler zu arbeiten. Der japanische Nationalspieler Satoshi Tanaka, 23, kommt dank Spezialvereinbarung für lediglich eine Million Euro, der ehedem mal ziemlich teure Freiburger Stürmer Junior Adamu, 25, weil sein Marktwert konstant gesunken ist. Mit Eintracht Frankfurt feilscht Schalke seit Wochen um die Freigabe für den Franzosen Dina Ebimbe, 25. Es geht um eine Preisdifferenz von nicht mal einer Million Euro – ein Geldbetrag, den Max Eberl beim FC Bayern in der Hemdenbrusttasche zur freien, spontanen Verfügung bei sich trägt. Kein Vorwurf an Eberl – aber Realität der Verhältnisse in der ersten Liga.

Ob nach Gosens ein anderer ehemaliger Fiorentiner, der aus der Aufstiegsrückrunde wohlbekannte Mittelstürmer Edin Dzeko, wieder in Gelsenkirchen landen wird, ist bisher nicht geklärt. Auf großen Fußball bräuchte Dzeko auch in einer Saison, in der Abstiegskampf angesagt ist, nicht zu verzichten. Die Verträge sind zwar noch nicht unterzeichnet, aber der Tag, an dem Real Madrid in Gelsenkirchen gastieren soll, ist bereits terminiert. Am 16. August würde sich der spanische Klub die Ehre geben, wenn sich beide Seiten auf die Bedingungen einigen. Angeblich ist das Gastspiel ein ausdrücklicher Wunsch von Trainer José Mourinho. Nicht aus alter Liebe zu Schalke 04, sondern weil er gern mal wieder dorthin zurückkehren möchte, wo er 2004 mit dem FC Porto die Champions League gewonnen hat.

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