Tommy FleetwoodDer Golfer, der im 164. Versuch ein Turnier gewann

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„Man zweifelt die ganze Zeit an sich“: Tommy Fleetwood mit dem FedEx-Cup.
„Man zweifelt die ganze Zeit an sich“: Tommy Fleetwood mit dem FedEx-Cup. (Foto: Mike Stewart/AP/dpa)
  • Der britische Golfer Tommy Fleetwood gewinnt nach 163 erfolglosen Versuchen sein erstes Turnier auf der PGA Tour beim FedEx-Cup in Atlanta.
  • Fleetwood bleibt trotz des lange ersehnten Sieges bescheiden und betont die Bedeutung seiner Familie und Unterstützung abseits des Golfplatzes.
  • Seine Authentizität und Offenheit bezüglich Selbstzweifeln haben Fleetwood viel Zuspruch eingebracht, was sich in der positiven Reaktion seiner Kollegen und des Publikums auf seinen Sieg zeigt.
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Der Brite Tommy Fleetwood holt nach zahlreichen zweiten Plätzen seine erste Trophäe auf der US-Tour. Seine Kollegen sind gerührt – während er selbst keinen Pokal für sein Glück zu brauchen schien.

Von Felix Haselsteiner

Man wurde den Eindruck nicht los, dass die Menschen mehr erwartet hatten von Tommy Fleetwood. Rund um das 18. Grün des East Lake Golf Club in Atlanta hatten sich die Zuschauer zu einer alljährlichen Zeremonie des US-Golfsports eingefunden: In East Lake wird Ende August stets der Sieger des FedEx-Cup ermittelt, der Jahresrangliste der PGA Tour. Es gibt dafür einen Extrascheck über 10 Millionen US-Dollar, besondere Anerkennung, weil es eben nicht nur irgendein Turnier ist – und in der Regel folgen auf so einen Triumph dann große Jubelausbrüche, tränenreiche Interviews oder emotionale Familienfotos.

Golf lebt, wie überhaupt der Sport in den USA, davon, sich über diese Emotionen zu verkaufen, über eine große Show. Ein bisschen Hollywood schwingt immer mit bei der Inszenierung, die Erzählung einer großen Geschichte in geschluchzten Interview-Worten, mit Kind auf dem Arm und Ehefrau an der Seite. Und kaum eine Geschichte hatte sich länger angebahnt und war daher emotionaler als die des Engländers Thomas Paul Fleetwood, den alle nur Tommy nennen. Eines Spielers, der seit zwölf Jahren in den USA Profigolf spielt und die Emotionen immer von der Seite aus beobachten musste, weil er 163 Mal antrat und nie gewann. Bis zu diesem Sonntag in East Lake.

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Fleetwood jubelte natürlich, erst etwas ungläubig, dann mit hochgerissenen Armen. Er umarmte seinen erwachsenen Stiefsohn, fragte lachend, ob bei ihm „alles in Ordnung“ sei, weil er Tränen in den Augen hatte. Er wurde von seinen langjährigen Mitspielern in Empfang genommen. Sein bester Freund, der Weltranglistenzwölfte Justin Rose, sagte später, das alles habe sich „so gut angefühlt, wie selbst zu gewinnen“. Rose und einige andere standen stellvertretend für eine ganze Sportgemeinschaft: Vermutlich ausnahmslos jeder gönnte Fleetwood diesen Sieg von Herzen, es war die Erfüllung eines lange gehegten Traums für einen Spieler, über den im Golfsport vermutlich noch nie jemand ein schlechtes Wort verloren hat. Nur er selbst wollte sich nicht übermannen lassen von den Gefühlen: Man sah keine Träne bei Fleetwood. Nicht, weil er keine Emotionen empfand - aber weil er seinen Sieg einschätzen konnte.

Wie einen unendlicher Marathonlauf, bei dem der Athlet nach 41 Kilometern erfährt, dass das Rennen noch einmal von vorne beginnt, so hatte sich die Karriere des 34-Jährigen bisher angefühlt. Fleetwoods Talent wurde ihm seit seiner Jugend bescheinigt, er stieg schnell auf und gewann immer wieder Turniere in Europa. Über die Jahre erarbeitete er sich einen Status als herausragender Ryder-Cup-Teamspieler, verdiente weit über 30 Millionen US-Dollar Preisgeld - aber gemessen wurde er stets daran, nie ein Turnier auf der PGA Tour gewonnen zu haben. „Close, but no cigar“, nahe dran, aber ohne (Sieger-)Zigarre, so beschrieb er selbst seine Karriere noch vor einigen Tagen: 163 Starts, zwölf zweite und dritte Plätze, zwei davon in dieser Saison, so lautete die Bilanz, die einen Menschen formte. Fleetwood nämlich lernte über all die Jahre Lektionen aus den Niederlagen. Er erkannte, dass im Golfsport nicht nur erste Plätze zählen. Und dass überhaupt im Leben nicht nur der Golfsport zählt.

„Was auch immer heute passiert wäre, Oscar hätte mich umarmt, wir wären nach Hause gegangen und alles wäre gut gewesen“, sagte Fleetwood später: „Ich bin so gesegnet mit meiner Familie, der Liebe, die mich umgibt, und der Unterstützung, die ich bekomme, das macht alles so einfach. Ich habe so ein Glück.“

Fleetwood kämpfte nicht gegen die Unsicherheit – er akzeptierte sie

Es ist die wahre Errungenschaft dieses langen Anlaufs des Tommy Fleetwood, dass er sich selbst stets treu geblieben ist. Das gelingt längst nicht jedem: Rory McIlroy etwa, dessen epische Durststrecke bei Major-Turnieren im April mit dem Sieg beim Masters endete, wirkte zwischendurch wie ein rastloser Getriebener, voller Wut auf die Welt. Fleetwood hingegen behielt seinen Humor genauso wie seinen unscheinbaren Schwungstil. Er wurde kein Fitnessfreak, wie es in den vergangenen Jahren der Trend vorgab. Er blieb bei seinem ihm eigenen Wuschelkopf, hielt seinem Caddie Ian Finnis die Treue, auch als dieser einige Zeit nach einer schwerwiegenden Herz-OP ausfiel. Fleetwood kämpfte am Ende noch nicht einmal gegen die Unsicherheit, die ihn begleitete, als er immer wieder kurz vor dem Ziel die Nerven verlor. Er akzeptierte sie einfach.

Als er später gefragt wurde, ob er jemals daran gezweifelt habe, diesen Sieg erringen zu werden, sagte er: „Man zweifelt die ganze Zeit an sich. Ich habe allein heute während der Runde viele Male an mir gezweifelt, das macht in Wahrheit jeder von uns.“ Die Wenigsten allerdings geben das offen zu, Golfer wollen keine Schwächen zeigen.

Es ist seine Nahbarkeit, die Fleetwood auf dieser langen Reise so viel Unterstützung eingebracht hat. „Mein Vater hat mir immer einen Leitsatz beigebracht: Zuerst Mensch, dann Golfer“, sagte er am Sonntag in Atlanta noch, wo das US-Publikum ihm dann doch Sprechchöre widmete, auch wenn der Brite keine Tränen für sie vergoss und gerade fünf Amerikaner, darunter die derzeitige Überfigur Scottie Scheffler, auf die Plätze verwiesen hatte. So blieb auch das eine Lehre von diesem Sonntagabend, an dem die Inszenierung passte, aber der Protagonist einfach er selbst blieb. Die Menschen honorieren letztlich doch die Authentizität – und nicht die große Show.

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