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Sohn von Tiger Woods:Schon alt genug für Kunststücke

Volle Konzentration: Tiger Woods beäugt den Schwung seines Sohnes Charlie bei der PNC Championship in Orlando, Florida.

(Foto: Phelan M. Ebenhack/AP)

Tiger Woods präsentiert erstmals seinen elfjährigen Junior bei einem Vater-Sohn-Turnier. Die Fachwelt staunt über die spielerischen Fähigkeiten von Charlie.

Von Gerald Kleffmann

Am vergangenen Wochenende trugen die Frauen auf der US-Golftour das letzte Turnier ihrer Saison aus, die Runden drei und vier der Tour Championship fanden statt, die finale Meisterschaft der LPGA Tour. Die Nummer eins der Welt, die Südkoreanerin Jin Young Ko, triumphierte im Tiburon Golf Club in Naples, am Golf von Mexiko gelegen. Doch das größere Interesse zog ein Ereignis im Landesinneren von Florida auf sich, im Ritz-Carlton Golf Club bei Orlando, was die Besonderheit dieser Geschichte belegt. Ein elfjähriger Junge sorgte dafür, dass bereits bei seinem erstem Schlag 200 Menschen und zig Fernsehkameras zugegen waren, wie die New York Times angemessen investigativ schilderte. Fotografen brachten sich daraufhin in Stellung, Analysten gingen auf Sendung, in sozialen Medien wurde fleißig kommentiert.

Und das alles wegen: Charlie Woods.

Tiger Woods, der 15-malige Major-Champion, der ein Jahrzehnt lang alles in Grund und Boden besiegt hatte, der Wunderknabe, der als Dreijähriger bereits in einer TV-Show mit Bob Hope Schläger schwingend auftrat, präsentierte nun erstmals seinen Nachwuchs auf einem Platz. Bei der PNC Championship, dem Vater-Sohn-Turnier der Profis, das auch Bernhard Langer mehrmals gewann (je zweimal mit Stefan sowie Jason), bildete Tiger mit Charlie ein Team. Zwei Runden à 18 Bahnen wurden gespielt, in einem speziellen Zählformat, die Woods wurden Siebter. Aber das war nebensächlich. Das Faszinierende war, dass es einen Woods in Originalgröße gab - und einen baugleichen, nur in klein.

Die PGA Tour hat nun im Internet Schläge und Verhaltensweisen von Vater und Sohn gegeneinander geschnitten, der zweiminütige Film veranschaulicht, wie viel Tiger in Charlie steckt. Er fasste sich auf ähnliche Weise an die Kappe, jubelte mit der gleichen Faustbewegung, puttete mit der gleichen Technik, schaute wie Tiger Abschlägen nach, machte den Twirl, dieses für Tiger typische Schlägerdrehen nach gelungenen Hieben. "Wow", sagte Gary Player, 85, der mit seinem Enkel mitwirkte und wie Charlie von näher zum Loch platzierten Abschlägen abschlug: "Als ich ihn schwingen sah, dachte ich: der junge Tiger Woods!" Charlie war der jüngste Teilnehmer, aber das hielt ihn nicht von Kunststücken ab. Reihenweise traf er Fairways mittig, einmal gelang ihm ein Eagle, zwei unter Par auf einer Par-5-Bahn. Das schaffen die meisten Amateure ihr ganzes Leben nicht.

Interviewanfragen wehrt der Vater ab - sein Sohn solle "einfach nur Spaß beim Golf haben"

Da anfangs nicht klar war, wie gut Charlie ist, drehte sich in den Golfmedien zunächst viel um sein "Trash Talking" mit Justin Thomas (der mit Vater Mike das Turnier gewann). Tiger ist mit dem Spitzenspieler befreundet, Thomas ist wie ein lieber Patenonkel für Charlie, beide frotzeln einander gern. Einmal betrat Thomas einen Sandbunker, wo sein Ball lag, und fand dort ein Stück Papier - Gruppenspielpartner Charlie hatte ihm einen frechen Spruch darauf hinterlassen. Je länger das Turnier dauerte, desto mehr ging es indes um Charlies Schwungtalent. Als "Star" des Wochenendes wurde er vielerorts tituliert. Tiger zeigte sich später gerührt von seinem Duett-Erlebnis und bekannte: "Ich glaube, es gibt keine Worte, das zu beschreiben... Erinnerungen fürs Leben."

Mitnichten, hatte Woods schon vorher erklärt, habe er Druck auf Charlie ausgeübt, ebenfalls Golf zu spielen. Dafür spricht, dass der Filius lange auf Fußball setzte wie seine zwei Jahre ältere Schwester Sam; die beiden entstammen der Ehe von Woods mit der Schwedin Elin Nordegren, die am Sonntag mit über den Platz lief und sich offenbar, wie Fotos zeigten, gut mit Woods' Partnerin Erica Herman versteht. Selten hat Woods sein Privatleben so offengelegt wie jetzt in Orlando, doch eines war ihm wichtig: der Schutz von Charlie. Medieninterviews mit ihm erlaubte er nicht. "Wir leben heute in einer ganz anderen Welt", befand Woods, jeder habe ein Handy, könne Videos machen: "Ich will sicherstellen, dass er einfach nur Spaß beim Golf hat."

Wobei: Spaß bei den Woods ist so eine Sache. Dass seine Kinder mit anderen Maßstäben aufwuchsen, verdeutlichte eine Anekdote. Normale Geschwister streiten sich um Spielzeuge. Als Woods 2019 das Masters gewann, balgten sich Charlie und Sam im Privatjet darum, wer das grüne Sakko tragen durfte, das Woods in Augusta erhalten hatte. Wie ehrgeizig Charlie ist, verriet Joe LaCava. "Er saugt alles auf", berichtete Woods' Caddy, "er sagt nicht: ,guter Schlag, Dad!'" Er löchre den Vater: Was war das für ein Schläger? Warum der? Aha! Tiger selbst erklärt ihm alles, doch der prominente Vater will sich auch zurückhalten: "Mein Dad coachte mich nie aktiv", meinte er, "es ging darum, nur da zu sein für mich. Er machte das so, und ich mache das bei Charlie."

© SZ/jkn/bkl/tbr
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