Golf:Schatzsucher auf der Insel

PGA Championship - Round Two

Auch am Start: Martin Kaymer tritt bei der Mallorca Golf Open an.

(Foto: Jamie Squire/AFP)

Das European-Tour-Turnier in Mallorca ist das neueste Projekt des Sportveranstalters Edwin Weindorfer. Der Österreicher hat bereits im Tennis ein kleines Imperium aufgebaut - nun strebt er im Golf Größeres an.

Von Gerald Kleffmann

Erst ist kein Freizeichen, dann doch, Edwin Weindorfer nimmt das Gespräch an, es rauscht, er sitzt im Auto. Er rufe nachher zurück. Nachher ist: fünf Minuten später. Weindorfer hat Zeit, nicht lange. Der Film-Titel "Catch me if you can" würde auch auf sein Wirken zutreffen, doch anders als Leonardo DiCaprio ist Weindorfer kein Hochstapler, der vor Ermittlern davonrennt, sondern ein wahrhaftiger, erfolgreicher Chef einer Sportagentur - wenn auch ähnlich schwer zu fassen. "Mallorca ist für uns eine strategische Sportinsel", sagt der 56 Jahre alte Österreicher, der mit seinem Geschäftspartner Herwig Straka die Emotion Group erschaffen hat. Sofort ist Weindorfer, über die Freisprechanlage, in seinem Element und erklärt, wie er den nächsten Coup gelandet hat.

Vier gestandene Profiturniere im Tennis richtet er schon aus, in Berlin, Stuttgart, Wien und auf Mallorca. Nun mischt er im Golf auf der Baleareninsel mit. Das neu geschaffene Turnier der European Tour, das an diesem Donnerstag in Santa Ponsa im Westen von Palma beginnt und an dem Deutschlands bester Spieler Martin Kaymer teilnimmt, führt Weindorfer durch, der längst dabei ist, ein Imperium in der Nische aufzubauen. Er ist zu einem der einflussreichsten Veranstalter in Europa im Tennis geworden. Die Davis-Cup-Zwischenrunde in Innsbruck Ende November richtet er auch aus. Im Golf war er ebenfalls schon mal unterwegs, als Ausrichter der Austrian Open. Nun der nächste Wachstumsschritt seiner Agentur.

Natürlich geht es in dieser Geschichte ums Geldverdienen, Weindorfer ist kein Idealist, sondern ein kalkulierender Unternehmer, das Wort "Strategie" verwendet er oft. Wenn Weindorfer sagt: "Herwig und ich sind sehr innovative und euphorische Veranstalter", dann klingt er: euphorisch. Seine Geschichte erzählt aber auch davon, wie sich jemand im Hintergrund in schwierigen Profisportzeiten durchsetzt - und wie diese Bühnen entstehen, auf denen sich Tennis- und Golfspieler messen.

Sechs Wochen Vorlauf - mehr Zeit hatte Weindorfer nicht

Die größte Gabe Weindorfers ist: Er bleibt immer dran. Als 2020 das neue Frauen-Rasentennisturnier in Berlin aufgrund Corona ausfiel, ließ er Spitzenspielerinnen kurzerhand in einem Hangar in Tempelhof Showmatches bestreiten, auch Andrea Petkovic und Petra Kvitova schlugen dort Bälle. Die Bilder gingen um die Tenniswelt. Und als die European Tour im Golf ihm nun anbot, ihn bei der Ausrichtung des jetzigen Turniers zu unterstützen, infrastrukturell und finanziell, wenn er das Turnier übernehme, griff Weindorfer zu - und sicherte sich so die freigewordene Turnier-Lizenz (in Marokko war ein Turnier storniert worden). Vorlaufzeit: sechs Wochen. Das Preisgeld beträgt eine Million Euro, Sponsoren sind an Bord.

Groß denken kann er, damit beginnen meist seine Projekte. "Wir wollen in Santa Ponsa eine Art Sportkompetenzzentrum bilden", sagt er. So wie der Lagotto Romagnolo Trüffel aufspürt, hat Weindorfer ein Gespür dafür, wo es Schätze in seinen Sportarten gibt. Als er die Idee präsentierte, das traditionsreiche, aber dahindümpelnde Tennisturnier am Stuttgarter Weissenhof statt auf Sand auf Rasen austragen zu lassen, erschien das völlig schräg. Seit 2015 wird im Schwabenland auf exakt jener Grassorte gespielt, die in Wimbledon eingestreut ist. Das Turnier wirkt wie neu zum Leben erweckt. Ein Coup für Weindorfer. Die Kooperation mit Wimbledon, dem berühmtesten Turnier, war ebenfalls ein cleverer Schachzug. Der sich heute, auch auf Mallorca, auszahlt.

Strategisch ging Weindorfer ganz bewusst auf die Insel: Dort gibt es die Klientel für seine Sportarten. Und die Sonne scheint oft. Fuß fasste er dort mit einem Frauentennisturnier, dieses Jahr zog er erstmals ein Männerturnier auf, das der Russe Daniil Medwedew gewann, im September US-Open-Sieger geworden. Wie der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic auf dem Center Court mit Sohn Stefan Bälle schlug, war dann auch wieder so ein Marketingerfolg. Davon zeugte die Resonanz in den Sozialen Medien.

Golf: Prominenz im Mallorca Country Club: Edwin Weindorfer (rechts) nimmt bei der Neueröffnung in diesem Jahr Fürst Albert (links) und Sabine Lisicki in Empfang.

Prominenz im Mallorca Country Club: Edwin Weindorfer (rechts) nimmt bei der Neueröffnung in diesem Jahr Fürst Albert (links) und Sabine Lisicki in Empfang.

(Foto: EG/oh)

Eine Chance ermöglicht die nächste Chance, nach diesem Prinzip verfährt Weindorfer. Im vergangenen Jahr musste zwar auch seine Agentur kämpfen, Mitarbeiter gingen in Kurzarbeit. "Wir wollten aber nicht die Köpfe hängen lassen." So suchte er nach Wegen in der Corona-Zeit. In Köln stampfte er zwei ATP-Hallenturniere komplett aus dem Nichts. Andy Murray kam. Alexander Zverev gewann beide Turniere.

Und nun also Mallorca. Die Insel setze vermehrt auf "Premium-Tourismus und will weg vom Ballermann-Tourismus", erklärt Weindorfer. Da kommt er mit den Produkten Tennis und Golf gerade recht. Weil die örtliche Politik und das Tourismus-Amt sahen, was er seit dem Frauentennisturnier auf der Insel anstellte, erhält er große Unterstützung aus dieser Ecke, sprich: auch finanziell. Die Tour wiederum gab ihm bereitwillig die Lizenz, bis 2024. Und wieder hat sich ausgezahlt, dass Weindorfer ein Netzwerkprofi ist. Bei der Neu-Eröffnung des Mallorca Country Clubs in Santa Ponsa, initiiert von Weindorfer, kam übrigens Fürst Albert. Wimbledon kooperiert überdies mit dem Country Club.

Beim Golfturnier hat Weindorfer in einem Punkt weniger Druck als beim Tennis, "die Zuschauerthematik hat im Golf nicht ganz den Stellenwert", sagt er. Er rechnet mit bis zu 20 000 Zuschauern bis Sonntag, "wenn wir die nicht haben, ist es auch nicht so schlimm". Denn: "Das Wichtigste ist, dass man weltweites TV-Coverage hat. Dass schöne Bilder um die Welt gehen." Das Zusammenspiel, was die Sportwelt braucht und was er bieten kann, hat er verstanden, wobei Weindorfer immer auf dem Sprung in die Zukunft ist. Als Veranstalter will er, wie er sagt, die "New Economy" erreichen, die Jugend, den Sport aufregender darstellen, was heißt: digitaler. Seine neueste Idee: Einen Chip würde er gerne beim Turnier 2022 in die Golfbälle einsetzen lassen.

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