Golf:Zank und Zersplitterung

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Golf: Auf Abwegen: Der Australier Cameron Smith, LIV-Toursieger in Chicago, hat sich beim Presidents Cup dauerhaft ins Abseits gespielt.

Auf Abwegen: Der Australier Cameron Smith, LIV-Toursieger in Chicago, hat sich beim Presidents Cup dauerhaft ins Abseits gespielt.

(Foto: Quinn Harris/AFP)

Die unterschiedlichen Golf-Touren setzen weiterhin auf größtmögliche Konkurrenz - das zeigt sich auch beim Presidents Cup: Dem Kapitän des internationalen Teams springen nach und nach die Spieler ab.

Von Felix Haselsteiner

Auch Sammy Spieth bekamen die Abtrünnigen nicht zu sehen. Als sich am Montagabend in einem Hotel in Charlotte bekannte Golfspieler aus aller Welt einfanden, stand der kleine Sohn des US-Amerikaners Jordan Spieth im Mittelpunkt der Geschehnisse: Ein Profi nach dem anderen spielte mit ihm im Kinderwagen, es war ein lieblicher, familiärer Moment - und damit auch eine Seltenheit im Golfsport, der sich dieser Tage immer mehr seiner Aufspaltung in unterschiedliche Lager bewusst wird.

Im Quail Hollow Golf Club in North Carolina findet von Freitag bis Sonntag der Presidents Cup statt, das internationale Äquivalent zum Ryder Cup, bei dem ein Team aus den USA gegen ein Team mit Golfern aus aller Welt (ohne die Europäer) spielt. Die Favoritenrolle, die ohnehin schon immer bei den übermächtigen Amerikanern liegt, ist bei der 14. Ausgabe des Teamwettbewerbs noch deutlicher verteilt, denn auf einige ihrer Spitzenspieler müssen die Internationalen aus sportpolitischen Gründen verzichten.

Der prominenteste Abwesende ist der Australier Cameron Smith, der im Juli noch die British Open in St. Andrews gewonnen hatte, inzwischen aber zu jenen Abtrünnigen zählt, die die traditionelle Golfwelt hinter sich gelassen haben und zur saudi-arabischen LIV- Tour gewechselt sind. Smith gewann am Sonntag zum ersten Mal auf seiner neuen golferischen Heimat-Tour; dass er weiterhin zu den besten Spielern der Welt zählt, ist kaum zu bestreiten. Dasselbe gilt für die Lateinamerikaner Joaquin Niemann und Abraham Ancer, die ebenfalls auf der Saudi-Tour ihr Geld verdienen und daher nicht am Teamwettbewerb teilnehmen, bei dem die Organisationen im Hintergrund entschieden hatten, keine LIV-Spieler zuzulassen, die sich nun mit ihrem geächteten Status abfinden müssen.

Der kommerzielle Erfolg basierte auf Abstimmungen - das ist vorbei

Die Konsequenzen ihres Handelns tragen andere. "Es ist eine riesige Qual für mich", sagte der Südafrikaner Trevor Immelman zuletzt in einem Podcast des US-Magazins Golf. Immelman ist Kapitän des internationalen Teams und musste in den vergangenen Monaten dabei zusehen, wie seine besten Spieler ihn nach und nach im Stich ließen: "Vom Standpunkt des Presidents Cups aus gesehen, ist es äußerst schwierig geworden", sagte er: "Diese Jungs waren ein großer Teil des Teams. Bin ich enttäuscht? Mit Sicherheit."

Smith, Niemann, Ancer und auch amerikanische Spieler wie der ehemalige Weltranglistenerste Dustin Johnson haben mit ihrer vor allem finanziell motivierten Entscheidung für die LIV-Tour aber auch abseits des Presidents Cup dafür gesorgt, dass künftig alles deutlich komplizierter wird im Golfsport. Ein gutes Beispiel für die dreigeteilte Zukunft war das vergangene Wochenende - an dem nicht mehr organisiert gespielt wurde, sondern in Konkurrenz.

Denn in Europa fanden auf dem Marco Simone Golf Course nahe Rom - im kommenden Jahr Austragungsort des Ryder Cups - die Italian Open statt, eines der wichtigsten Turniere im Kalender der europäischen DP World Tour. Der Sieg des beliebten Schotten Robert MacIntyre und die Teilnahme von Rory McIlroy retteten dem Turnier immerhin einen Rest Aufmerksamkeit, denn die globale Konkurrenz war stark: In den USA eröffnete - immerhin mit zeitlicher Verzögerung - die PGA Tour in Napa, Kalifornien, ihre neue Saison mit einem Feld junger, hungriger Spieler, die sich über die Nachwuchstour qualifiziert hatten. Sieger Max Homa gilt als einer der Fan-Lieblinge der Amerikaner; aber die ungeteilte Aufmerksamkeit bekam auch er nicht, weil zeitgleich Smith und Johnson auf der LIV-Tour in Chicago um den Sieg spielten.

Die Stärke des Golfsports hatte in der Vergangenheit immer darin gelegen, dass sich die Turniere niemals gegenseitig Konkurrenz machten, sondern alles so optimiert wurde, dass die Fernsehzuschauer nacheinander ihr gutes Programm geliefert bekamen. Darin lag auch die Basis für den kommerziellen Erfolg des Sports: Sponsoren konnten gezielt Werbung schalten, ihre Sichtbarkeit war klar definiert und gut messbar.

Dass Konkurrenz das Geschäft belebt, stimmt in diesem Fall nicht: Würde parallel zu einem Formel-1-Rennen am Sonntag ein Neubewerber eine Rennserie einführen, wäre das genauso unproduktiv, wie nun zwei Golfturniere parallel ablaufen zu lassen. Zuschauer müssen nun eine Entscheidung treffen, der Kuchen wird somit kaum größer, sondern nur die Stücke für alle Beteiligten kleiner.

Die LIV-Tour hat kein Interesse an Gesprächen am runden Tisch, sagt Vorstand Greg Norman

Das allerdings sind die neuen Realitäten, die wohl erst einmal so bleiben werden. Zwar hoffen einige Spieler immer noch darauf, dass die zerstrittenen Touren aus den USA und Saudi-Arabien sich am Verhandlungstisch treffen, aber die öffentlichen Äußerungen von LIV-Vorstand Greg Norman deuten eher in eine andere Richtung: "Wir haben kein Interesse daran, uns mit ihnen (der PGA Tour, d. Red.) an einen Tisch zu setzen, um ganz ehrlich zu sein, weil unser Produkt funktioniert", sagte Norman zuletzt und revidierte damit seine angebliche Verhandlungsbereitschaft, die ohnehin in Frage zu stellen war: Beide Touren bereiten sich schließlich gerade auf einen großen Prozess im kommenden Jahr vor, die Zukunft des Sports wird dann juristisch ausgefochten.

Immerhin liegt in dieser Woche nun der volle Fokus auf dem Presidents Cup. Sowohl die PGA-Tour als auch die LIV-Tour pausieren, die Bühne gehört also einem Turnier, das in seiner Konzeption im Vergleich zu den anderen Debatten fast schon romantisch klingt, nicht nur weil sich vor dem Start alle gemeinsam treffen, um mit den Kindern der Konkurrenz Späße zu treiben. Wie beim Ryder Cup geht es auch beim Presidents Cup nicht um einen kommerziellen oder juristischen Wettstreit, sondern allein um den Sport - es gibt noch nicht einmal Preisgelder zu verdienen.

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